„Ich bin nicht die Jugendpolizei“

Die 52-jährige Astrid Meyfarth ist neue Jugendarbeiterin in Naumburg

Vom Main an die kleine Elbe: Astrid Meyfarth – hier auf dem Naumburger Marktplatz – ist die neue Jugendarbeiterin. Zuvor hat sie in Frankfurt gelebt und gearbeitet.
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Vom Main an die kleine Elbe: Astrid Meyfarth – hier auf dem Naumburger Marktplatz – ist die neue Jugendarbeiterin. Zuvor hat sie in Frankfurt gelebt und gearbeitet.

Astrid Meyfarth ist seit Anfang Mai die neue Jugendarbeiterin im Naumburger Rathaus.

Naumburg – „Ich bin nicht der erzieherische Arm der Stadt oder die Jugendpolizei“, sagt Astrid Meyfarth, die neue Jugendarbeiterin im Naumburger Rathaus. Anfang Mai hat sie die Stelle, die ein Jahr vakant war, übernommen. Auch wenn noch Vieles im Werden ist und durch Corona gebremst wird, hat die 52-Jährige ziemlich klare Vorstellungen, wie die kommunale Arbeit mit Kindern und Jugendlichen künftig aussehen soll.

Grundlage dafür ist auch ein vom Ausschuss für Jugend, Kultur und Sport erarbeitetes Konzept, bei dem es im Kern darum geht, die städtische Jugendpflege und die Jugendarbeit der Vereine stärker zu vernetzen und damit letztlich auch die Stadtteile untereinander bei den Angeboten für den Nachwuchs. Im Naumburger Haus des Gastes soll dazu im kommenden Jahr im Kellergeschoss ein zentrales Jugendzentrum entstehen.

Aber die neue städtische Mitarbeiterin hat auch ihre eigenen Ideen. Da geht es nicht nur allein um die Freizeitgestaltung der Kinder und Jugendlichen, sondern für Meyfarth spielen auch Beratungsangebote vor allem für die älteren Jugendlichen eine Rolle. Wer beispielsweise auf der Suche nach einem Praktikum ist „und nicht weiß, wie er es anstellen soll“, werde bei ihr Unterstützung finden, sagt Astrid Meyfarth.

Was sonst im Detail und für welche Altersgruppen im Jugendzentrum geboten werde, solle sich entwickeln, und zwar mit Beteiligung der jungen Leute. „Partizipation, das Mitgestalten der Kinder und Jugendlichen, ist mir wichtig, um eine positive Entwicklung anzuregen“, sagt die Neue. Was sie nicht will: die klassische Urlaubssause mit einem Schwung Jugendlicher am Mittelmeer. „Das ist eine Verantwortung, die ich nicht übernehmen möchte.“ Ein Ausflug an den Edersee sei dagegen sicher drin. Und natürlich werde man Ferienspiele anbieten, auch schon in diesem Jahr. Wegen der kurzen Vorbereitungszeit und auch wegen Corona noch abgespeckt, aber immerhin in der vorletzten Sommerferienwoche für Kinder von sechs bis elf Jahren.

Neben den Vorbereitungen für erste Angebote sei sie derzeit noch dabei, sich mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut zu machen, Kontakte zu knüpfen „und mich bekannt zu machen“, sagt Astrid Meyfarth. Was gar nichts so einfach sei: „Man kann nicht einfach durchs Städtchen laufen und Kinder und Jugendliche anquatschen“, sagt die Jugendarbeiterin. „Das geht heute nicht mehr.“ Die Ferienspiele werden beim Heben des Bekanntheitsgrades etwas weiterhelfen. Und auch, dass sie ihren Wohnort nach Naumburg verlegt hat.

Für die staatlich anerkannte Erzieherin ist es die Rückkehr nach Nordhessen. Geboren in Homberg, wurde sie in Melsungen eingeschult und kehrte als 14-jährige Vollwaise zurück nach Homberg, wo sie bei den Großeltern lebte. Nach Mittlerer Reife und Abschluss an der Fachhochschule für Sozialpädagogik in Fritzlar „habe ich mich entschieden, in die große weite Welt zu gehen. Bis nach Frankfurt bin ich gekommen“, sagt sie amüsiert.

Dort hat die Erzieherin in unterschiedlichen Bereichen gearbeitet und für sich entschieden, dass nach 25 Jahren in der Großstadt eine Veränderung fällig sei. Die Stellenausschreibung der Stadt Naumburg für den Job in der Jugendarbeit, die sie von ihrer im Schwalm-Eder-Kreis wohnenden Schwester erhielt, kam da gerade richtig. „Das fand ich spannend“, sagt Meyfarth, die sich bewarb und auch genommen wurde.

Von Tag zu Tag lernt die Ledige Naumburg mit seinen Stadtteilen und die Leute näher kennen – auch die jungen. „Die Kleinen sieht man schon öfter. Beim Skaten oder mit dem Fahrrad auf der Straße“, sagt die 52-Jährige. „Die Teenager, die sehe ich wenig.“ Das soll sich aber bald ändern. Dem Naumburger Nachwuchs will sie sich widmen, ohne Erziehungsauftrag, aber mit viel Motivation und einer großen Portion Empathie. (Norbert Müller)

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