Glück zwischen Kraut und Rüben

Ehepaar aus Naumburg bewirtschaftet seltenen großen Gemüsegarten

Zutaten für den Borschtsch: Die Schwabauers begutachten die roten Rüben. Man ist täglich im Gemüsegarten. Was nicht frisch verbraucht wird, wird eingekocht oder sauer eingelegt.

Naumburg. Es ist das kleine Paradies von Heinrich und Rosalie Schwabauer: ihr Gemüsegarten am Naumburger Puckelsberg. Zwei Terrassen nach Südosten gelegen, viel Sonne und fruchtbarer Boden.

Die dunkle, fast schwarze Erde erinnert sie an die Ukraine, dort wo sie als Kinder lebten, ehe sie von den Sowjets mit ihren Familien deportiert wurden. Ihn verschlug es nach Sibirien, Rosalie mit den Eltern nach Kasachstan. Vor fast 60 Jahren besuchte Heinrich Schwabauer eine Tante in Kasachstan, lernte dort Rosalie kennen. Bald wurde geheiratet, und seitdem gehen sie gemeinsam durch dick und dünn.

Und gemeinsam sind sie auch meist in ihrem Garten, in dem es viel zu tun gibt. „Als wir 1993 nach Naumburg kamen“, sagt die 79-Jährige, „gab es noch viele bewirtschaftete Gärten“. Da war es gar nicht so einfach, ein eigenes passendes Fleckchen zu finden. Heute, sagt Rosalie Schwabauer, seien die meisten der damaligen Gärten grasbewachsen. „Die Alten, die die Gärten pflegten, sind weggestorben, die Jungen interessieren sich nicht mehr für die Gartenarbeit.“

Große Bedeutung

Bei den Schwabauers hat der Gemüsegarten noch große Bedeutung. Auch, weil Heinrich Schwabauer, der in Kürze 86 wird, einfach nicht zum Rumsitzen und Nichtstun geboren ist. „Ohne Arbeit geht es nicht“, sagt er gut gelaunt. Und ohne pflanzen, säen und ernten auch nicht. Sein ganzes Leben hatte er mit Landwirtschaft zu tun, war 30 Jahre in einer Kolchose als Verantwortlicher zuständig für den Getreideanbau. Er weiß, was zu tun ist, damit das Gemüse wächst und gedeiht. Seine Frau, die weiß, wie wichtig es ist, die Familie von der selbst bestellten Scholle mit gesunden Nahrungsmitteln gut zu versorgen, unterstützt ihn tatkräftig.

Kürbisse, Kartoffeln, Zucchini, Gurken, Zwiebeln, Tomaten, dazu Himbeeren und Obst gibt es im Garten, vieles in unterschiedlichen Sorten. Alles ist üppig vorhanden bei den Schwabauers am Puckelsberg. Natürlich auch Rote Beete für den Borschtsch, die leckere Suppe. „Die Ukrainer lieben doch den Borschtsch“, lacht die 79-Jährige.

Während Rosalie Schwabauer die Suppe nach überlieferter Rezeptur zubereitet, hat man sich beim Anbau der Zutaten etwas anpassen müssen. Das Wetter ist in Nordhessen anders als in Kasachstan oder der Ukraine. Aber für alles hat Heinrich Schwabauer pfiffige Lösungen gefunden. Sei es für das Sammeln des Regenwassers oder auch die Temperaturregulierung des großen, selbstgezimmerten Gewächshauses, in dem die roten Tomaten leuchten. „Es ist alles primitiv, aber durchdacht“, sagt er stolz.

Am schönsten mit Familie

Oft verbringt das Ehepaar, das bei zwei ihrer Söhne im Naumburger Baugebiet hinter dem Kuhberg wohnt, den ganzen Tag im Garten. Am schönsten aber sei es, wenn die ganze Familie sich versammelt. Sei es zum Helfen, sei es zum Feiern. Und da herrscht dann reger Betrieb, wenn die fünf Kinder und vier Enkel mit Anhang kommen. Seit sechs Monaten gehört auch eine Urenkelin dazu. Ob die Kleine mal mit der gleichen Freude wie Heinrich und Rosalie gärtnern wird? „Die Kinder machen es weiter, wenn wir es nicht mehr können“, ist sich Rosalie Schwabauer sicher. „Die Enkel wissen, wie es geht im Garten, und die Kinder wissen es erst recht.“

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