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Im evangelischen Gemeindehaus in Naumburg werden Flüchtlinge aus der Ukraine erwartet

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Von: Norbert Müller

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Gemeinsam stark: Pfarrerin Pille Heckmann-Talvar (links) stellt mit Markus Rabanus ein Bett im Saal des Gemeindezentrums um.
Gemeinsam stark: Pfarrerin Pille Heckmann-Talvar (links) stellt mit Markus Rabanus ein Bett im Saal des Gemeindezentrums um. © Norbert Müller

Das evangelische Gemeindehaus in Naumburg wird zur Herberge: In den kommenden Tagen werden zehn Flüchtlinge aus der Ukraine erwartet.

Naumburg - Es ist gar nicht so einfach, aus einem schlichten Saal eine halbwegs behagliche Unterkunft für zehn Flüchtlinge zu zaubern. Voraussichtlich für Freitag werden im evangelischen Gemeindezentrum in Naumburg zehn Menschen aus der Ukraine erwartet. Und dafür werden an diesem Dienstagabend und auch am Mittwoch noch die letzten Vorbereitungen getroffen.

Markus Rabanus schnappt sich einen Spind, trägt ihn quer durch den großen Raum und platziert ihn neben einem der nagelneuen Betten, die hier paarweise verteilt sind. Irgendwie versucht er gemeinsam mit Pfarrerin Pille Heckmann-Talvar durch das Stellen des Mobiliars kleine Nischen zu schaffen, Bereiche, in denen die Flüchtlinge zumindest einen Hauch von Privatsphäre haben. So ganz will es in dem großen luftigen Raum nicht gelingen. Aber das war den Naumburgern von Anfang an klar, dass man mit einer Unterbringungsmöglichkeit helfen will, aber keine kleinen, abgeschlossenen Wohneinheiten bieten könne.

„Wir haben nach dem Angriff der russischen Armee im Februar gleich das Angebot gemacht“, sagt die Pfarrerin, man habe dem Landkreis ohne zu zögern die Räumlichkeiten zur Unterbringung von ukrainischen Kriegsflüchtlingen angeboten. „Wir haben Platz“, erklärt Heckmann-Talvar. Und sie selbst habe ja auch ein besonderes Verständnis für die Nöte und Sorgen der Menschen aus dem Kriegsgebiet: „Ich komme ja auch aus der ehemaligen Sowjetunion. Ich weiß, wie es ist, von Russen bedroht zu sein, was Krieg bedeutet und wenn man seine Heimat verliert.“

Pille Heckmann-Talvar, die Naumburger Pfarrerin, stammt aus Estland. Seit 2004 lebt sie in Deutschland, seit neun Jahren ist sie nun schon in Naumburg zuhause. Die russische Sprache ist ihr nicht fremd. Das wird ihr bei der Verständigung mit den ukrainischen Gästen helfen. Aber man habe ja in der Gemeinde auch Menschen, die Russisch doch deutlich besser beherrschen, als es bei ihr noch der Fall ist.

Auf ihre Unterstützertruppe aus der eigenen, aber auch aus der katholischen Gemeinde, hält die Pfarrerin große Stücke. Während noch geputzt wird und die Betten bezogen werden, ist man gedanklich immer auch bei den für Freitag erwarteten Menschen. „Wir wissen nicht, welche Leute kommen und woher sie genau stammen. Das erfahren wir erst, wenn sie hier sind“, sagt die Pfarrerin. Zehn Leute wurden avisiert, die von der Flüchtlingshilfe des Landkreises gebracht werden. „Sie werden wohl bleiben, bis der Krieg zu Ende und die Welt wieder in Ordnung ist.“

Weiter sagt Heckmann-Talvar: „Wir wissen nicht, was sie erlebt haben. Vielleicht brauchen sie erst mal nur Ruhe. Wir drängen nichts auf, wir stehen zur Verfügung.“ Auf jeden Fall sollen sie spüren, dass sie willkommen sind. Die Aufnahme der Flüchtlinge aus der Ukraine „ist auch eine kleine Prüfung für uns“, sagt die Pfarrerin. Die Seelsorger predigen ihren Schäfchen ja gerne die Nächstenliebe: „Das ist jetzt die Möglichkeit, sie auch zu leben.“

Dazu gehöre auch, dass die Gemeinde sich nicht gräme, weil der Saal in Naumburg nun für die Gemeindearbeit vorerst nicht mehr zur Verfügung stehe. Aber dafür habe man ja als Ausweichquartier einen Raum in Ippinghausen. „Da müssen wir eben in der nächsten Zeit ein bisschen fahren“, sagt Pille Heckmann-Talvar, während sie mit Markus Rabanus eins der neuen Betten noch mal etwas umstellt. „Wir versuchen, es hier für unsere Gäste so gemütlich wie möglich zu machen.“ Die Flüchtlinge sollen sich wohlfühlen. Dafür lege man sich auch noch kurz vor deren Ankunft ins Zeug. Norbert Müller

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