Tausende Forellen verendet

Gülle in der Elbe vermutlich Ursache für Fischsterben bei Elbenberg

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Jede Menge tote Fische: Michel Soltau zieht einige mit dem Kescher aus dem Wasser. 

Vermutlich nach der Einleitung von Gülle in die Elbe verendeten in dem Bach und einer Teichanlage bei Elbenberg mehrere tausend Forellen.

Die braune Brühe stinkt zum Himmel. Über die Elbe ist sie am Montag in die Fischteiche an der Hardtmühle am Ortsrand von Elbenberg gelaufen. Die Fische, überwiegend Forellen, hatten in dieser giftigen Suppe keine Überlebenschance. Der Elbenberger Heinz Heerdt, der hier fünf der insgesamt neun Teiche betreibt, geht davon aus, dass in den großen Betonbecken, die mit Elbewasser gespeist werden, zwischen 10.000 und 12.000 Fische verendet sind. Der finanzielle Schaden: rund 25.000 Euro.

Die Polizei hat inzwischen ein Ermittlungsverfahren wegen Gewässerverunreinigung eingeleitet. „Derzeit besteht der Verdacht, dass an noch unbekannter Stelle Gülle in den Bach Elbe eingeleitet wurde“, teilte am Donnerstag ein Polizeisprecher mit.

"Hier stimmt etwas nicht"

Den Verdacht hatte Heinz Heerdt bereits am Dienstag, als er die Verunreinigung des Wassers der Teichanlage feststellte. Wie jeden Morgen war er auch an diesem Dienstag kurz nach 7 Uhr an der Teichanlage. Schon auf dem Parkplatz vor dem eingezäunten Gelände, sagt er, habe er einen beißenden Güllegeruch wahrgenommen. „Ich habe gleich gedacht, hier stimmt was nicht“, erinnert sich der Elbenberger. Beim Blick auf die Anlage wurde er in seiner Vermutung bestätigt: Fische trieben tot an der Oberfläche der rund 1,50 Meter tiefen Becken.

„Das waren überwiegend Jährlinge“, sagt Heerdt, „mit einem Gewicht von rund 150 Gramm“. Die schwereren, erklärt er, sinken zunächst zu Boden, und erst wenn sich Faulgase in den Kadavern bilden, steigen sie an die Oberfläche. Bei den schlachtreifen Tieren, die bis zu drei Kilo auf die Waage bringen, könne das mehrere Tage dauern. Angesichts der Stärke der Verschmutzung im Wasser hatten die Fische – überwiegend Regenbogenforellen, dazu noch einige hundert Bachforellen und Saiblinge, die in der Elbe ausgesetzt werden sollten – keine Chance. Heerdt: „Die sind innerhalb von ein bis zwei Stunden verendet.“

Arbeit war vergebens

„Wenn man rechtzeitig von der Verschmutzung in der Elbe erfahren hätte“, sagt Michel Soltau, „hätte man noch reagieren können“. Dann nämlich, sagt der 29-Jährige, der den Betreiber der vier übrigen Teiche bei der Betreuung der Fischzucht unterstützt, hätte man für jeden Teich über einen Absteller die Wasserzufuhr aus der Elbe unterbrochen. „Wir haben hier Pumpen, die pressen über einen Schwammstein Luft ins Wasser“, erklärt Soltau. „Zwei Tage halten es die Fische dann in den Becken problemlos aus.“

Dazu ist es allerdings nicht gekommen. Die nach Schätzungen von Heinz Heerdt insgesamt gut drei Tonnen Fisch sind jetzt ein Fall für den Abdecker. Die ganze Arbeit der vergangenen Monate und Jahre war vergebens, sagen Heerdt und Soltau maßlos enttäuscht. „Jetzt fängt man wieder bei null an.“

Zunächst müssen die Becken aufwendig gereinigt und desinfiziert werden. Bis die Teiche sich regeneriert haben, werde es Wochen, wenn nicht Monate dauern. Erst dann könne man an frischen Fischbesatz für die Teiche denken.

Fischzüchter hoffen, dass Polizei erfolgreich ist

Jetzt hoffen die Fischzüchter, dass die Polizei bei ihren Ermittlungen erfolgreich ist. Die teilte am Donnerstag mit, dass Beamte nicht nur aus den Teichen, sondern auch an verschiedenen Stellen der Elbe Boden- und Gewässerproben genommen haben, die derzeit noch untersucht werden. 

Polizeipressesprecher Matthias Mänz teilte mit: „Nach derzeitigem Sachstand ist nicht auszuschließen, dass ein Unbekannter in der Feldgemarkung zwischen Naumburg und Elbenberg eine der vorhandenen kleinen Brücken nutzte und von dort aus ein Güllefass mit Wasser des Baches durchspülte oder Gülle in den Bach einleitete.“

Die Ermittler der Polizei bitten Zeugen, die am Montag im Bereich der Elbe zwischen Naumburg und Elbenberg Beobachtungen in Zusammenhang mit der Gewässerverunreinigung gemacht haben, sich unter 05692/98290 bei der Dienststelle in Wolfhagen oder unter 0561/9100 beim Polizeipräsidium in Kassel zu melden.

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