„Es geht vorwärts, endlich“

Musiker Mike Gerhold aus Naumburg über seine Zeit im Lockdown

Nach einer gefühlten Lockdown-Ewigkeit feierten gut 100 Besucher - alle getestet, genesen oder geimpft - am Samstag auf dem Naumburger Campingplatz das Wiedersehen mit Freunden, Live-Musik von Mike Gerhold und einen Hauch Normalität.
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Nach einer gefühlten Lockdown-Ewigkeit feierten gut 100 Besucher - alle getestet, genesen oder geimpft - am Samstag auf dem Naumburger Campingplatz das Wiedersehen mit Freunden, Live-Musik von Mike Gerhold und einen Hauch Normalität.

Wenn Musiker Mike Gerhold zum ersten Live-Konzert nach einer gefühlten Lockdown-Ewigkeit ruft, dann lacht die Sonne und strömen die ausgehungerten Musikfans in Strömen.

Naumburg - Mit Queens „We Will Rock You“ startete der Rocker am Samstagabend am Naumburger Campingplatz in einen lauschigen Sommerabend. Im Gespräch mit unserer Zeitung verriet Mike Gerhold, wie er selbst die Corona-Zwangspause erlebt hat und ob er nun auf einen halbwegs normalen Konzertsommer hofft.

Wie fühlt es sich an, nach so langer Zeit wieder einmal vor Publikum auftreten zu können?

Mike Gerhold: Fantastisch. Und ich muss zugeben, dass ich lang nicht mehr so aufgeregt war. Ich kann mich fast nicht mehr an mein letztes richtiges Konzert erinnern, das müsste im Oktober vergangenen Jahres im Zierenberger Treibhaus gewesen sein. Hier auf dem Campingplatz haben wir nach dem ersten Lockdown auch schon ein Konzert gespielt, damals waren die Menschen aber noch zurückhaltender.

Wie haben Sie die Lockdownzeit erlebt, was hat Ihnen als Künstler am meisten gefehlt?

Es war eine sehr surreale Zeit für mich, die irgendwie ja auch jetzt noch weit entfernt von Normalität ist. Am meisten gefehlt hat mir der soziale Kontakt zu meinen Freunden, zu meinem Publikum und natürlich auch die Auftritte selbst. Allerdings war ich auch recht produktiv, habe etwa meinen VW Bus umlackiert, die ein oder andere Gitarre optimiert und fernab der Musik angefangen, ein wenig durch Naumburgs schöne Landschaft zu radeln. Verdammt, es gibt so tolle Ecken hier, warum habe ich die bloß früher nie gesehen?

Vom Rad zurück auf die Bühne, das ging nun doch schneller als gedacht. Was ging Ihnen als erstes durch den Kopf, als feststand, dass Sie wieder spielen dürfen?

Naja, so ein richtiger Re-Start ist das für mich ehrlich gesagt auch nicht. Bis es wieder so ist, wie ich es ursprünglich mal gewohnt war, ist es schon noch ein langer Weg. Für mich gehört es einfach dazu, dass meine Fans Tanzen und Mitsingen, ich Freunde umarmen kann, all das ist im Moment ja nur eingeschränkt möglich, aber besser als nichts. Ich bin überglücklich, endlich wieder statt vor einer Streamingcam vor einem richtigen Publikum, vor meinem Publikum stehen zu dürfen.

In Sachen Online-Konzerte waren Sie während der Lockdown-Monate zurückhaltender als andere, warum?

Für mich ist das kein wirkliches Musikfeeling. Ich brauche den realen Umgang mit dem Publikum, die Interaktion gehört zu einem Gerhold-Konzert einfach dazu. Mir macht es vor allem Spaß, spontan auf Situationen einzugehen, zu sehen, wie das Publikum reagiert, es einfach live auf meine Reise mitzunehmen. Allerdings muss ich zugeben, dass die vielen Herzchen und Likes, die bei den Streamings aufpoppen, schon auch was haben. (lacht)

Gehen Sie in Sachen Konzertplanung jetzt in die Vollen, oder bleiben Sie vorsichtig?

Nein, da bin ich schon noch sehr skeptisch. Unabhängig davon gilt es, sobald es wieder möglich ist, auch ausgefallene Konzerte aus den vergangenen Monaten nachzuholen. Das hat den Vorteil, dass die Planung für dieses Jahr wahrscheinlich quasi von allein läuft.

Die Koordination diesbezüglich wird allerdings eine Herausforderung werden, zumal auch sehr große Gigs ausgefallen oder besser gesagt wegen Corona verlegt worden sind. Das betrifft nicht nur meine Soloshows, sondern auch Auftritte mit meiner Band Rockhead - hier warten noch reichlich Termine auf mich.

Für die Besucher des Auftritts in Naumburg gab es von Voranmeldung über Abstandsregeln bis hin zum aktuellen Coronatest allerhand zu beachten. Denken Sie, das ist ein gangbarer Weg für einen halbwegs sorgenfreien Konzertsommer?

Zumindest hat es diesmal alles gut funktioniert, das Campingplatzteam hat alles bestens organisiert, das DRK hat am Vortag Testungen möglich gemacht und mein Publikum hat prima mitgemacht. Auch wenn ich hoffe, dass wir das alles bald nicht mehr brauchen, denke ich, dass es ein guter Weg ist und von all denjenigen gern in Kauf genommen wird, die endlich wieder ein wenig Normalität genießen wollen. Es geht vorwärts, endlich, und ich denke, wir sind auf einem guten Weg. In diesem Sinne, viel Gesundheit. (Sascha Hoffmann)

Aus der Corona-Zwangspause zurück auf der Live-Bühne: Mike Gerhold.

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