Bunte Blüten für den Teppich

Fronleichnam in Naumburg: Keine Prozession, aber Blumen für den Marktplatz

Viel Platz: Katrin Wiederhold (links) und Elisabetha Rößler auf dem Marktplatz beim Skizzieren der Motive mit Kreide. Vom Brunnen aus soll sich der Blütenteppich bis zum Aufgang zur Kirche erstrecken. Jeder, der mag, kann sich beteiligen.
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Viel Platz: Katrin Wiederhold (links) und Elisabetha Rößler auf dem Marktplatz beim Skizzieren der Motive mit Kreide. Vom Brunnen aus soll sich der Blütenteppich bis zum Aufgang zur Kirche erstrecken. Jeder, der mag, kann sich beteiligen.

Statt Prozession gibt es an Fronleichnam in Naumburg Blumen für den Marktplatz.

Naumburg – In der Luft der Duft von Weihrauch und Frühlingsblüten, vor den Eingängen liebevoll gestaltete Hausaltäre und Straßen mit frischen, belaubten Zweigen geschmückt: So kennt man Naumburg am Fronleichnamstag. Seit Corona ist auch an dem für die katholische Kirchengemeinde so wichtigen Feiertag, an dem die wohl an Teilnehmern stärkste Prozession mit Kapelle und Chor durch die Stadt zieht, nichts mehr so, wie es einmal war.

Die festliche Tour von der Stadtpfarrkirche durch den Altenhagen, über Untere Straße, Dielenhennstraße und Burgstraße zum Marktplatz wurde schon im vergangenen Jahr abgesagt und mit ihr alle weiteren Prozessionen, die seit Generationen vom Frühjahr bis zum Sommer auf dem Programm der Kirchengemeinde stehen.

Auch in diesem Jahr wird es in Naumburg nichts mit der Fronleichnamsprozession, aber so ganz aufgeben will man die Traditionen dann doch nicht. Dazu gehört auch das Legen des Blütenteppichs auf dem Marktplatz.

Seit 1998 ist Katrin Wiederhold bei dieser künstlerischen Arbeit dabei. Zunächst als Unterstützung der Damen der Katholischen Frauengemeinschaft, die sich alle Jahre wieder um den floralen Pflasterschmuck kümmern. Inzwischen hat sie die Federführung.

Blick zurück: Im Jahr 2019 fand das letzte Fronleichnamsfest in gewohnter Form statt. Unser Foto zeigt die Geistlichen Räte, Stadtpfarrer Johannes Kowal (links) und Ulrich Trzeciok am vierten Altar vor der Stadtpfarrkirche. Hinter Pfarrer Kowal ist auf dem Marktplatz der Blütenteppich zu sehen.

Anregungen für ihre Motive findet sie auf Reisen, bei Besuchen in Kirchen und auch in Büchern. Vom gewählten Motiv wird eine Skizze angefertigt und am Feiertag in aller Herrgottsfrühe mit Kreide maßstabsgerecht auf den Marktplatz übertragen. Die Blüten wurden immer am Vorabend aus vielen Naumburger Gärten zusammengetragen und von einem guten Dutzend Frauen zerpflückt und nach Farben sortiert. Am nächsten Morgen wurde mit dem Material dann der knapp drei mal drei Meter große Teppich gelegt, über den der Pfarrer am Ende der Prozession mit dem Allerheiligsten zum vierten und letzten Außenaltar schritt, um von dort aus den Segen zu erteilen.

Wegen Corona war das Gestalten des Teppichs im vergangenen Jahr in gewohnter Form nicht mehr möglich: „Sieben Frauen auf der kleinen Fläche, das war zu eng“, sagt Katrin Wiederhold. Also nahm man den Rest des Marktplatzes kurzerhand dazu und machte daraus eine große Gemeinschaftsaktion.

Heute folgt die zweite Auflage. Wieder gilt: Jeder, der mag, kann mitmachen. Vom Brunnen des Marktplatzes aus wächst das Blütenbild in Richtung Kirche. „In diesem Jahr ist Wasser das Thema“, sagt Wiederhold. Der Brunnen wird zur Vase, der die Blumen tränkt. Ab 8.30 Uhr wird gemeinsam gestaltet. „Jeder bringt mit, was er an Blüten im Garten zur Verfügung hat.“ Bis zur ökumenischen Friedensandacht, die um 19 Uhr auf dem Marktplatz beginnt, wird am großen Blumenbild gearbeitet – coronakonform mit dem nötigen Abstand. Wie sich das Bild entwickelt, ist offen. Zwar habe sie eine konkrete Idee, sagt Katrin Wiederhold, „aber man muss dann auch loslassen können“. Wenn begeisterte Kinder kommen, dann sollen die auch mitmachen dürfen, ohne das sie ausgebremst werden.

Die 53-Jährige selbst hat drumherum noch genug zu tun: Die gelegten Blüten müssen ständig gewässert werden. Die Feuchtigkeit verhindere das schnelle Welken und auch, dass Windböen das kleine Kunstwerk durcheinanderwirbeln.

Zwischendurch darf man dann auch gerne den üblichen Prozessionsweg durch die Stadt gehen, sagt Elisabetha Rößler, Sprecherin des Pfarrgemeinderates. Dort, wo sich üblicherweise die Haupt- altäre befinden, werden spezielle Gebetstafeln aufgestellt. Man hoffe, sagt Rößler, dass die Hausbesitzer entlang der Strecke ihre Häuser mit Fahnen schmücken. So, wie man es in Naumburg seit Generationen am Fronleichnamstag kennt. (Norbert Müller)

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