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Elbenberg verändert sich gleich drei Mal

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Von: Norbert Müller

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Gehörte zum Gutbezirk Elberberg: die große von Buttlarsche Feldscheune zwischen Elbenberg und Riede. Dr. Volker Knöppel hat die „Elbschen“ Gebietsreformen der vergangenen 100 Jahre recherchiert.
Gehörte zum Gutbezirk Elberberg: die große von Buttlarsche Feldscheune zwischen Elbenberg und Riede. Dr. Volker Knöppel hat die „Elbschen“ Gebietsreformen der vergangenen 100 Jahre recherchiert. © Norbert Müller

Feierlichkeiten aus Anlass der Gebietsreform vor 50 Jahren sind derzeit angesagt. Kommunen schlossen sich zu Beginn der 1970er-Jahre ebenso zusammen wie Landkreise. Ein besonderer Fall: Elbenberg.

Naumburg – Auch im Wolfhager Land brachte die kommunale Gebietsreform einschneidende Veränderungen: Der Kreis Wolfhagen fand sich als Teil des neuen Landkreises Kassel wieder, und auch so manches Dorf musste sich daran gewöhnen, nicht mehr eigenständig sein Ding durchziehen zu können. Etwas Besonderes in dem gesamten Fusionsgetümmel war die Gemeinde Elbenberg. Denn die, das fand der Vorsitzende des Naumburger Geschichtsvereins Dr. Volker Knöppel heraus, hatte vor 50 Jahren schon eine gewisse Routine in Sachen des Zusammenlegens.

Exakt drei lokale Gebietsreformen lassen die Bewohner des heutigen Stadtteils von Naumburg im vergangenen Jahrhundert über sich ergehen. Die erste, fand Knöppel heraus, geht schon 1928 mit der Auflösung des Gutsbezirks Elberberg über die Bühne. Die Gutsbezirke, so Knöppel, bildeten in Preußen selbstständige kommunale Einheiten, waren aber anders als die Gemeinden keine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Gegenüber dem preußischen Staat vertrat den Gutsbezirk in allen Rechten und Pflichten – Ausnahme war allein der Schulbereich – der Gutsherr.

1928 wird Gutsbezirk aufgelöst

1928 ist damit Schluss. Die Zwangsauflösung der Gutsbezirke durch den Staat hat das Ziel, auch den Bewohnern der Gutsbezirke die gleichen Möglichkeiten zur Vertretung ihrer Interessen auf kommunaler Ebene zu verschaffen, wie den Bewohnern der Städte und Dörfer. Nun dürfen auch sie wählen.

Es dauert danach fast 40 Jahre bis zur zweiten Gebietsreform. Zum Jahresanfang 1967 schließen sich Oberdorf und Unterdorf freiwillig zusammen. Keine große Sache an sich, immerhin wird der Zusammenschluss aber im neuen Ortsnamen deutlich, aus Elberberg und Elben wird Elbenberg.

Aus Elben und Elberberg wird Elbenberg

Und dieses Elbenberg steht 1971 vor dem nächsten Schritt, der ihm, wie all den anderen Kommunen – allein im Gebiet des jetzigen Landkreises Kassel sind es zehn Städte und 113 Dörfer – vom Land Hessen aufgedrückt wird. Ziel ist es vor allem, über größere Verwaltungseinheiten leistungsfähigere Gemeinden und Landkreise zu schaffen.

Einen gewissen Trend zum künftigen Miteinander gab es im Elbetal bereits. In den 60er-Jahren, berichtet Volker Knöppel, wurden für die Stadt Naumburg und seine Nachbarn, zu denen auch Elbenberg gehört, die Grundlagen gelegt: So gab es den Schulverbund Elbetal mit dem Betrieb der Elbetalschule seit 1968, die Planungsgemeinschaft Elbetal mit dem Ziel eines gemeinsamen Flächennutzungsplans für Naumburg, Elbenberg, Altenstädt, Heimarshausen und Altendorf und außerdem den Zweckverband Agrarstruktur Südkreis. Außerdem hatten sich schon vor 1970 die Spar- und Darlehenskassen von Elbenberg, Altendorf und Naumburg zu einer gemeinsamen Raiffeisenkasse Elbetal zusammengeschlossen.

Herausforderung

Das alles bereitet einem Zusammenschluss mit Naumburg als Stärkstem der künftigen Partner den Weg. Dennoch bleibt es eine Herausforderung für alle Beteiligten, das katholische und CDU-dominierte Naumburg mit den evangelischen Dörfern, von denen einige stark durch die SPD bestimmt waren, möglichst geräuscharm zusammenzubringen.

Im Februar 1970 führen die Naumburger Stadtväter in Sachen Gebietsreform erste offizielle Gespräche mit Vertretern der Gemeinden Elbenberg, Altenstädt, Heimarshausen und Altendorf. „Elbenberg und Altenstädt zeigten sich gesprächsbereit, von Heimarshausen und Altendorf kam ein klares Nein“, zitiert Knöppel aus den Erinnerungen des damaligen Naumburger Bürgermeisters Ludwig Noe. Elbenberg habe zudem seine Fühler in Richtung Emstal ausgestreckt, Heimarshausen seine Möglichkeiten im Raum Fritzlar sondiert.

Turbulente Manöver

Wie turbulent es bisweilen bei all den Manövern zugeht, zeigt auch, dass zwischenzeitlich auch mal eine kleine Lösung zwischen Elbenberg, Heimarshausen und Altendorf ins Gespräch gebracht wird. Und dann kommt plötzlich auch noch Ippinghausen ins Spiel. Und tatsächlich sieht die Modellplanung des hessischen Innenministeriums vom 16. April 1971 für den Landkreis Wolfhagen für die „Gemeindegruppe Wolfhagen“ den Zusammenschluss von Naumburg, Altenstädt, Altendorf, Elbenberg, Heimarshausen und Ippinghausen vor.

Während in der Folge in Elbenberg, Altenstädt und Altendorf der Trend in Richtung Naumburg dreht, schlagen in Heimarshausen und Ippinghausen die Wellen hoch, so Volker Knöppel. In Ippinghausen gibt es eine Einwohnerbefragung. Eine deutliche Mehrheit will dort weder einen Anschluss an Naumburg noch eine Bindung an Wolfhagen. Man will selbstständig bleiben. Aber das ist ausgeschlossen. Die Gemeindevertretung des Dorfs am Fuß der Weidelsburg entscheidet sich im Oktober für eine Fusion mit Wolfhagen. Und auch in Heimarshausen lotet man per Bürgerbefragung die aktuelle Stimmung aus. Ende August 1971 gibt es ein deutliches Votum für den Anschluss an Naumburg.

Zusammenschluss an Silvester

Vollzogen wird der Zusammenschluss der neuen Naumburger Stadtteile mit Wirkung vom 31. Dezember 1971. Die Zahl der Einwohner steigt für das neue Naumburg von rund 2300 auf 4900, die Gemarkungsfläche erhöht sich von 2334 Hektar auf 6618 Hektar.

Dass die Fusion nicht auf den 1. Januar 1972 datiert wurde, hatte einen Grund. Wegen der Bestimmungen des Finanzausgleichsgesetzes hätte der Neujahrstag 1972 erhebliche finanzielle Nachteile gebracht. Über die Schlüsselzuweisungen bekam die neue Kommune so 263 294 DM mehr in die Kasse. Eine nette Zugabe vom Land für den Start der sechs Stadtteile in eine gemeinsame Zukunft. (Norbert Müller)

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