Geschichtsverein Naumburg

Historische Gewölbekeller unter der Stadt sollen erforscht werden

Auf Spurensuche: Uwe Bächt hat den Gewölbekeller seines Hauses an der Unteren Straße aufwändig saniert. Bauweise und Bauelemente geben dem Kenner jede Menge Hinweise auf die (Vor)geschichte seines unmittelbar nach dem großen Stadtbrand errichteten Fachwerkhauses. Foto:  Norbert Müller

Naumburg. Die alten Gewölbekeller in Naumburg sollen ihre Geheimnisse preisgeben, sollen Hinweise geben auf die Stadtentwicklung, auf die Baugeschichte Naumburgs auch vor dem großen Brand im Jahr 1684, als die komplette Stadt bis auf ein einziges Haus abbrannte.

Hartmut Dorst, gerade wieder zum Vorsitzenden des Naumburger Geschichtsvereins gewählt, erzählt, dass die Idee zur Erforschung der Naumburger Unterwelt, zum Erstellen eines Kellerkatasters, schon vor fast 25 Jahren diskutiert wurde. „Es ist dann aus irgendwelchen Gründen steckengeblieben. Es ist meine Anregung, dass wir es jetzt nochmal angehen.“

Vorratskeller im Altenhagen: Im Gewölbekeller von Frank Bubenhagens Elternhaus weiß man die Vorzüge eines Gewölbekellers noch zu schätzen: Die Temperaturen liegen konstant bei kühlen Temperaturen um die zwölf Grad. Ideal zur Aufbewahrung von Kartoffeln und Obst.

Und da trifft es sich gut, dass auch Uwe Bächt, Steinmetzmeister, ebenfalls Mitglied des Naumburger Geschichtsvereins und selbst Besitzer eines repräsentativen Fachwerkhauses in der Naumburger Altstadt mit altem Gewölbe, sich schon seit einiger Zeit zusammen mit zwei jungen geschichtsinteressierten Naumburgern mit eben dieser Thematik beschäftigt.

Bächt bildet nun mit Dorst und dem stellvertretenden Vorsitzenden des Geschichtsvereins, Dr. Volker Knöppel, das federführende Trio für das neue Projekt des Vereins.

Ein Projekt, dass auf die Dauer von zwei bis drei Jahren angelegt sein wird, betont Hartmut Dorst. Zunächst müsse man anhand des Ortskatasters herausfiltern, unter welchen Gebäuden in der Altstadt noch Gewölbekeller vorhanden sind. Dorst: „Dann stellt sich die Frage: Kommen wir da rein?“ Da ist dann die Unterstützung durch die Hauseigentümer nötig.

Und wenn man den Zugang bekommt, dann beginnt erst die richtige Arbeit. Eine Grundriss-Skizze wird erstellt im Maßstab von 1:100, Fotos aufgenommen, Raumstruktur, Baumaterial, Bautechnik und Besonderheiten wie Türbögen dokumentiert. Auch die heutige Nutzung gilt es aufzulisten.

Wenn damit dann das eigentliche Kellerkataster steht, ergeben sich weitergehende Aufgaben und Ziele für die Forscher: Es gilt herauszufinden, wie die Keller zueinander und zum darüberstehenden Haus liegen. Daraus, so Dorst, erhoffe man sich Rückschlüsse ziehen zu können auf die Bebauungs- und Nutzungsstruktur und die räumliche Entwicklung vor allem auch vor dem Stadtbrand. Aber auch die Entwicklung von Kellerkonstruktionen und die Abgrenzung unterschiedlicher Kellertypen gehört zur Forschungsarbeit.

Zeitaufwändiges Projekt

Es ist ein aufwändiges, aber auch extrem spannendes Vorhaben, sagt Dorst. „Für jeden Keller braucht man viel Zeit.“

Zunächst gelte es, die Leute zu informieren, Verständnis und auch ihr Interesse an der Geschichte der Naumburger Unterwelt zu wecken. Dazu könne sich der Vorstand des Geschichtsvereins beispielsweise vorstellen, einen Tag der Keller zu veranstalten, bei dem man Führungen in ausgewählte Steingewölbe in der Naumburger Altstadt anbietet und deren Geschichte erlebbar macht.

Nach Dorsts Einschätzung ist die flächendeckende Erforschung der Altstadtkeller bislang einzigartig in der Umgebung: „Ich wüsste nicht, dass sowas schon mal im Landkreis gemacht wurde.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.