Mit Hahl dunne ins ganz große Glück zu zweit

Martin und Elisabeth Rabanus feiern Diamantene Hochzeit

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60 Jahre Eheglück: Elisabeth und Martin Rabanus feiern heute in Naumburg das seltene Fest der Diamantenen Hochzeit.

Naumburg. Elisabeth und Martin Rabanus aus Naumburg feiern am Dienstag das Fest der Diamantenen Hochzeit.

Nach ihrer standesamtlichen Trauung erhielten Martin und Elisabeth Rabanus, geborene Bittner, am 12. Mai 1955 in der Naumburger katholischen Stadtkirche Sankt Crescentius den kirchlichen Segen für ihren gemeinsamen Lebensweg. Heute ist das Jubelpaar 60 Jahre verheiratet. Im Kreis der Familie, zwei Kinder mit sechs Enkeln und fünf Urenkeln, feiert es das Fest der Diamantenen Hochzeit.

Martin Rabanus erblickte am 1. Juli 1930 in Naumburg das Licht der Welt. Auch seine drei Jahre jüngere Frau wurde in Naumburg geboren. Beide kennen sich von Kindesbeinen an, sie wuchsen in einem landwirtschaftlich stark geprägten Umfeld auf. „Beim Faschingstanz in der alten Burghain-Stadthalle hat es zwischen uns gefunkt. Da erfuhr für uns beide der Naumburger Karnevalsschlachtruf „Hahl dunne“ (Halt fest) Wahrheitsgehalt“, sagt Martin Rabanus. Aus der bis Jugendfreundschaft wurde eine große und innige Liebe.

Liebesbeweis 

Die trotz aller gemeinsam durchlebten Höhen und Tiefen bis heute Bestand besitzt, ergänzt Ehefrau Elisabeth. Auf die Frage an das Jubelpaar, ob sie jemals an ihrem damaligen Schritt gezweifelt haben, schütteln beide überzeugt den Kopf. „Keine Sekunde, wir würden es heute genau so wieder tun“, sagt die 81-Jährige. Einen schöneren Liebesbeweis gibt es nicht.

Dass es zum späteren Eheglück gekommen ist, ist einer Lüge von Martins Vater zu verdanken. Der Jubilar: „Am Gründonnerstag 1945 klopften Männer des Volkssturms an unsere Tür und wollten mich für den Einsatz als Flak-Helfer abholen. Mein Vater sagte ihnen, dass ich verreist bin. Zwei Tage später am Karsamstag rückten die Amerikaner in Naumburg ein, bis dahin musste ich mich auf unserem Hof verstecken.“ Einige Freunde von Martin hatten dieses Glück nicht, wurden nur wenige Stunden vor dem Kriegsende zum sinnlosen Kampf gezwungen und bezahlten dies mit ihrem Leben.

Die Hochzeit wurde im Elternhaus der Braut gefeiert, dort bezog das jung vermählte Paar auch eine Wohnung und bewirtschafteten später in Vollerwerb den Hof. Zudem verdingte sich Martin Rabanus in Naumburg und dem Umland als Hausschlachter. Elisabeth wäre gerne Schneiderin geworden, „doch ich fand einfach keine Lehrstelle.“

1997 wird dem Ehepaar als ein Schreckensjahr in Erinnerung bleiben. Denn da wurde ihr Bauernhof ein Raub der Flammen. Sie bauten den Hof wieder auf. Die Landwirtschaft wird vom Sohn nur noch als Nebenerwerb betrieben, ihren Hof haben Martin und Elisabeth Rabanus seit vielen Jahren zur Pension für Reitpferde umfunktioniert.

Von Reinhard Michl

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