Pensionär Joachim Hansen kontrolliert die Fichten

Kampf gegen Borkenkäfer mit Tablet, Fernglas und Spraydose

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Mit dem Tablet unterwegs: Joachim Hansen orientiert sich mithilfe von GPS-Daten. Das Ergebnis seiner Sichtung trägt er in das Programm ein und leitet die Informationen an Revierförster Peter Muster weiter.

Der Borkenkäfer bedroht die Fichten. Um im Kampf gegen den Schädling handlungsfähig zu bleiben, beobachten Kenner den Wald. Im dritten Teil unserer Serie begleiten wir den pensionierten Förster Joachim Hansen.

Wo anfangen, und wo aufhören? Joachim Hansen steht im Mühlenholz, einem kleinen Wald zwischen Altenstädt und Ippinghausen. Er ist umringt von hohen Fichten. Zahlreiche sind braun und schütter in der Spitze, andere machen einen vitalen Eindruck. Jedem einzelnen Baum gilt seine volle Aufmerksamkeit. Hansen beteiligt sich an einem Monitoring. Ziel dieser Kontrollen ist es, rechtzeitig zu erkennen, wo der Borkenkäfer aktiv ist und geschwächte, befallene Bäume für den Harvester-Trupp zur Entnahme zu markieren.

Vor acht Jahren ist Joachim Hansen in den Ruhestand gegangen. Doch nun wird der pensionierte Förster wieder gebraucht. Die Borkenkäferplage verlangt nach besonderen Maßnahmen. Die Ausbreitung des Schädlings hat inzwischen eine solche Dimension erreicht, dass Hessen Forst bei der Bekämpfung neben eigenem Personal auch auf Pensionäre und Studenten zurückgreift.

„In meinen 35 Dienstjahren habe ich so einen Zustand noch nicht erlebt. Der Käfer ist auf der ganzen Fläche“, sagt der 68-Jährige, der in Ehlen wohnt und in den kommenden Monaten ausgesuchte Bereiche im Naumburger Stadtwald durchstreifen wird. Bis August werden so etliche Kilometer zusammengekommen sein. Denn mit der einmaligen Begutachtung einer Fläche ist sein Job nicht erledigt. Nein, Hansen muss die Hotspots dreimal, viermal, vielleicht auch noch häufiger besuchen. Und dabei reicht es nicht, die Fichten bequem vom Forst- oder Wanderweg aus durchs Fernglas ins Visier zu nehmen.

Der 68-Jährige wühlt sich mittenrein in die Bestände, steigt über Fichten, die Sturm Eberhard umgerissen hat, oder kriecht unter ihnen hindurch. Er benötigt einen guten Standort für seine Mission. Denn steht er zu dicht an den Fichten, kann er deren braune Kronen nicht erkennen. Diese aber sind ein Hinweis darauf, ob der Käfer, der in diesen Tagen seinen Schwarmflug begonnen hat, einen Baum befallen hat. Steht Hansen zu weit entfernt, bleiben ihm andere wichtige Details verborgen, wie etwa das Harz, das befallene Bäume absondern, um sich gegen den Angreifer zu wehren.

Fichten, in denen die Borkenkäfer bereits im vergangenen Jahr aus den Eiern geschlüpft und die für den Fortbestand der Baumart bereits abgeschrieben sind, spielen für die Arbeit des Ruheständlers keine Rolle. Oberste Priorität haben jene Bäume, die erst jetzt von Buchdrucker und Kupferstecher attackiert werden und in denen diese ihre Eier ablegen, aus denen sich dann die nächste Generation entwickelt.

Joachim Hansen orientiert sich bei seinen Touren an einer digitalen Karte, die er auf seinem Tablet mit sich führt. In ihr sind die Flächen eingetragen, die er beobachten soll. „Es kommt darauf an, die noch intakten Fichtenbestände zu schützen.“ Solche, die im Kampf gegen den Borkenkäfer gute Chancen haben. Also wo die Wasserversorgung stimmt und Bäume, die eher in nördlichen Lagen wachsen. Flächen, die mindestens drei bis fünf Hektar groß sind oder noch größer. Auch das Alter der Bäume ist ein Kriterium.

Auf etwa 40 Prozent des 1600 Hektar großen Naumburger Stadtwaldes wachsen Fichten. Ein Drittel dieser Fläche muss Hansen begutachten, also knapp 300 Hektar. Dabei steht er im engen Austausch mit Revierförster Peter Muster, der dann den Harvester in die Spur setzt. Die Vollernter entnehmen die markierten Bäume. Der Betrieb, den Muster engagieren konnte, „holt exakt 2000 Festmeter aus dem Wald, weil er mehr nicht loswird“, sagt der Revierförster. Aufträge könnte er aber für weitere 3000 Festmeter vergeben – ein Mix aus Käferholz und Sturmholz. Allerdings ist es wegen der enormen Holzmengen schwierig, überhaupt Firmen zu finden.

Kupferstecher und Buchdrucker

Ab einem Alter von etwa 35 Jahren werden Fichten für den Borkenkäfer interessant. Wie Joachim Hansen sagt, hatte Hessen Forst früher vor allem mit dem Buchdrucker, einer Borkenkäferart, zu kämpfen. Der Buchdrucker bohrt die Fichten an und legt unter der Borke seine Eier ab. Aufgrund der enormen Trockenheit der letzten Jahre gewinnt der Kupferstecher, eine weitere Borkenkäferart, an Bedeutung. Er befällt vor allem die Baumspitzen und schwächt die Fichten. Er bereitet somit den Weg für den Buchdrucker.

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