Wasser im Dach und Luft in den Fugen

Katholische Kirchengemeinde Naumburg: Kapelle und Filialkirche müssen saniert werden

Jede Menge Behälter zum Auffangen des Wassers: Küster Dirk A. Reh neben der Orgel der Merxhäuser Kirche, wo das  Wasser aus der Decke tropft.
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Jede Menge Behälter zum Auffangen des Wassers: Küster Dirk A. Reh neben der Orgel der Merxhäuser Kirche, wo das  Wasser aus der Decke tropft.

Die Weingartenkapelle in Naumburg und die Filialkirche St. Elisabeth in Merxhausen müssen saniert werden.

Naumburg/Merxhausen – Die Innenrenovierung der Naumburger Stadtpfarrkirche ist gerade erst vom zuständigen Bauamt abgenommen worden, da stehen auch schon die nächsten Reparaturen an kirchlichen Gebäuden an. Der Verwaltungsrat der Kirchengemeinde, der unter anderem für das Finanzielle zuständig ist, weist auf dringende Arbeiten an den beiden übrigen Gotteshäusern der katholischen Kirchengemeinde hin: der Weingartenkapelle und der Filialkirche St. Elisabeth in Merxhausen.

Nach Aufwendungen in Höhe von gut 900 000 Euro für die Innenrenovierung Stadtpfarrkirche plus der Zahlungen in den Jahren zuvor für die Runderneuerung des Schieferdachs und der Außenwände käme auf die Gemeinde ein weiterer finanzieller Kraftakt zu, den sie allein wohl nur schwer leisten könnte.

Fugen ohne Füllung: Michael Loskant zeigt mit einem Zollstock, wie tief die Hohlräume zwischen den Steinen der Weingartenkapelle sind.

An der Weingartenkapelle, haben die Einschätzungen des Verwaltungsrates und des Bausachverständigen des Bistums Fulda ergeben, müsse das Sandsteinmauerwerk von außen dringend verfugt werden. Aus den Mauerspalten rieselt der Kalk, zahlreiche Hohlräume gibt es, in die man einen Zollstock fast einen halben Meter tief hineinstecken kann. Feuchtigkeit droht, tief ins Gemäuer einzudringen und erhebliche Schäden anzurichten.

Die Holzverkleidung der Dachtraufen ist teilweise angefault. Die größten Sorgen auch hinsichtlich der Kosten bereiteten dem Verwaltungsrat der Kirchengemeinde der Zustand des Dachstuhls. Gibt es gravierende Schäden durch Feuchtigkeit, die durch die Schiefereindeckung gedrungen sein könnte? Oder gar Käferfraß? Anfang der Woche stieg Michael Loskant, der für die Kirchengemeinde als Mitglied des Verwaltungsrates die Bauprojekte eng begleitet, zusammen mit Till Arend die schmalen Leitern hinauf zur hölzernen Dachkonstruktion. Arend, Zimmermeister und Restaurator im Zimmerhandwerk sollte das Gebälk unter die Lupe nehmen und den Zustand der Holzkonstruktion bewerten.

In die Jahre gekommen: Die Merxhäuser Filialkirche hat seit Jahren Probleme mit dem undichten Dach.

Der Altenstädter kletterte in jeden Winkel, immer auf der Suche nach Fraßspuren schädlicher Käfer. Aber: Es war im Gebälk nichts zu finden. Der eine oder andere Balken könnte zur Stabilisierung mal einen Nagel vertragen, einzelne Bohlen der vor genau 100 Jahren erbauten Kapelle könnten ausgetauscht werden, aber Käfer, sagt der Meister, habe er unterm Dach keine gefunden. „Der Dachstuhl sieht sehr gut aus. Der ist noch tadellos.“ Was getan werden sollte, bedeute keinen großen Aufwand. Eine Feststellung, die Michael Loskant erleichtert durchatmen ließ.

Weiter ging es ins Innere der Kapelle, wo man sich wegen feiner Löcher in den alten Holzbänken ebenfalls Sorgen vor einem Holzwurmbefall machte. Auch hier sah Till Arend eher Grund zur Entwarnung, er riet aber zum „Monitoring“, dem Beobachten der Situation. Die einfachste Methode: Man solle auffällige Stellen mit Seidenpapier belegen. „Wenn Nagekäfer im Holz sind, gehen die auch durchs Papier“, so der Zimmermeister.

Nun gelte es, die Kosten für die Arbeiten am Gemäuer und am Dachstuhl zu ermitteln. Die Eindeckung der Kapelle, stellten Loskant und Arend fest, befinde sich offenbar noch in einem sehr guten Zustand.

Genau das kann man vom Dach der Filialkirche in Merxhausen nicht behaupten. Dort tropft es schon seit Jahren durchs Dach auf der Ostseite, ausgerechnet neben der Orgel, die Michael Loskant als Organist der Kirchengemeinde spielt. Mit Eimern und Übertöpfen wird das Wasser aufgefangen, das irgendwo einen Weg durch die in die Jahre gekommene asbesthaltige Kunstschiefereindeckung gefunden hat. „Wir wissen nicht, wo es reingeht“, sagt Loskant.

Gefragt auch für Hochzeiten und Taufen: die Weingartenkapelle in Naumburg.

Zwischen den Dachsparren befinde sich eine Dämmung aus Glaswolle, die vermutlich vollgesogen sei mit Wasser vom Dach. Im schlimmsten Fall seien die Sparren faul. Der Bausachverständige des Bistums habe die Kosten für eine Reparatur der Ostseite des Daches inklusive Beleuchtungselektrik in diesem Bereich auf rund 30 000 Euro geschätzt.

Weitere Baustellen an der Kirche aus den 1960er-Jahren seien der abplatzende Putz im Sockelbereich und der marode Schornsteinkopf. Am Schonstein laufe ebenfalls Wasser nach innen. Wenn alle Schäden behoben würden, käme man auf Kosten in Höhe von rund 100 000 Euro, zitiert Michael Loskant den Fachmann aus Fulda, der Anfang Februar zu Besuch war.

Dafür habe die Kirchengemeinde nach der Kirchenrenovierung nicht das Geld. Sicherungsmaßnahmen oder eine Reparatur in vierstelliger Höhe seien aber wohl machbar.

„Was notwendig ist, müssen wir tun“

Reparatur statt Runderneuerung wäre auch ganz im Sinne von Stadtpfarrer Johannes Kowal, der keinen Zweifel daran lässt, dass er sowohl die Kirche in Merxhausen, als auch die Weingartenkapelle halten will.

Eine Schließung, weil das Geld für die notwendige Sanierung nicht vorhanden sei, komme für ihn nicht infrage. „Solange ich hier bin, möchte ich die Weingartenkapelle erhalten. Sie ist eine Perle der Stadt“, bekennt er sich ganz klar zu einer Sanierung. Die Kapelle liege nicht nur den Naumburgern am Herzen. Aus der gesamten Region kommen Leute, um dort zu heiraten oder ihre Kinder taufen zu lassen. „Ich weiß noch nicht, ob dafür Geld aus Fulda kommt. Aber vielleicht finde ich Leute, die mir dabei etwas finanziell helfen.“

Johannes Kowal: Stadtpfarrer

Ob das auch für die Kirche in Merxhausen gilt? „Das, was notwendig ist, müssen wir dort tun“, sagt Stadtpfarrer Kowal zur Filialkirche. „Wir können nicht während des Gottesdienstes Regenschirme halten.“

Man wisse nicht, wo sich die Löcher im Dach befinden. Kowal: „Das müssen Experten klären.“ Für ihn sei klar: „Wir müssen reparieren. Ich möchte nicht das ganze Dach machen. Dafür haben wir nicht das Geld.“ Nach seiner Vorstellung sollte man im Sommer etwas unternehmen, um das Dach bis zum nächsten Winter repariert zu haben.

Er sei Optimist. Die eine Kirche sei fertig, und jetzt stehe man eben vor neuen Aufgaben. „Aber die sind nicht so groß.“ Was für ihn bei alldem keine Option sei, dass die Kirche in Merxhausen geschlossen wird. „Ich habe in meinem Leben noch nie eine Kirche zugemacht. Und ich will nicht derjenige sein, der hier die Tür schließt.“ (Norbert Müller)

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