Den Kiefern geht es an den Stamm

Klima und Schädlinge setzen den Bäumen im Naumburger Weingarten zu

Sprühfarbe besiegelt das Schicksal der Kiefer: Förster Dirk Raude markiert im Naumburger Weingarten die kranken, zu fällenden Bäume.
+
Sprühfarbe besiegelt das Schicksal der Kiefer: Förster Dirk Raude markiert im Naumburger Weingarten die kranken, zu fällenden Bäume.

Im Naumburger Weingarten müssen aus Sicherheitsgründen zahlreiche Kiefern gefällt werden.

Naumburg – „Es gibt keine Alternative“, sagt Förster Dirk Raude. Voraussichtlich nach Pfingsten werden im idyllischen Weingarten oberhalb des Weidelshofs bei Naumburg die Kettensägen einen großen Teil der landschaftsprägenden Kiefern zu Brennholz verarbeiten. Von den rund 300 Bäumen des Wäldchens an der Weingartenkapelle sind inzwischen gut 120 derart durch Trockenheit, Pilze und Käfer geschädigt, dass sie gefällt werden müssen, sagt Raude.

„Das ist schon ein Haufen Zeug“, macht der Förster klar, der nicht nur den Naumburger Stadtwald und Interessentenwälder betreut, sondern auch die kleinen Flächen der katholischen Kirchengemeinde. Raude lässt keinen Zweifel, dass sich die Optik des Wäldchens, in die die Weingartenkapelle so harmonisch eingebettet ist, deutlich verändern wird: „Der Gesamteindruck hier oben wird sich dann nicht mehr als Kiefernkuppe darstellen.“

„Das wird schon erst mal etwas heftig“, sagt der Forstmann, zumal beim Fallen der großen alten Bäume auch der Unterstand, also der Baumnachwuchs „zwangsläufig beschädigt wird“. Bis sich die Optik auch nur ansatzweise erholt haben wird, dürften mindestens zehn Jahre ins Land gehen.

Im Naumburger Weingarten, einem kleinen von Kiefern dominierten Wäldchen rund um die Kapelle (Foto), müssen aus Sicherheitsgründen zahlreiche der noch vor wenigen Jahren als Zukunftsbaum gepriesenen Nadelträger gefällt werden.

An der „Hauptaufprallfläche der Sonne“, also am süd-westlichen Rand des Weingartens, seien die Kiefern besonders malade. Dort sei der Boden steiniger als auf der gegenüberliegenden Seite. Das typische Schadbild ist nicht zu übersehen: Die Krone des Baums ist oft noch grün, aber auf halber Höhe fällt schon die Rinde ab. Bei seinen Untersuchungen hat Dirk Raude den sechszähnigen Kiefernborkenkäfer nachweisen können, „den man bislang hier gar nicht kannte“. Auch im Alten Wald und bei Heimarshausen habe er diesen Forstschädling gefunden. „Wenn wir den jetzt auch noch so richtig herkriegen, dann geht es den Kiefern wie den Fichten.“

Er befürchtet, dass der Käfer auch in Nachbarrevieren vorkommt, aber dort vielleicht noch nicht entdeckt wurde. Seine Feststellungen hat er an die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt in Göttingen weitergegeben, die sich für Hessen Forst um die Schadsachen kümmert.

Beängstigend sei auch, wie schnell die Schädigung ablaufe. Das sei kein Siechtum über Jahre: „Im Herbst war die Kiefer noch grün, und jetzt sieht man, wie sie die Fittiche streicht.“ Ob das nicht mal ein Hektar große Wäldchen an der Weingartenkapelle nach der Fällaktion Ruhe haben wird, sei noch längst nicht ausgemacht. „Es kann sein, dass im Laufe des Sommers weitere Kiefern absterben“, sorgt sich Förster Raude.

„Im Moment haben wir Glück mit dem Wetter.“ Die bislang kühlen Temperaturen und auch die Niederschläge sorgen für eine Verschnaufpause bei den klimagestressten Bäumen. „Es müsste jetzt so weitergehen in den kommenden Monaten.“ Mehr als ein frommer Wunsch dürfte das aber nicht sein.

„Bis vor fünf Jahren galt die Kiefer noch als Baumart der Zukunft, als klimaresistent“, sagt Dirk Raude. Mit solchen Einordnungen sei man inzwischen vorsichtig, denn: „Es gibt eigentlich keine Baumart, die nichts hat.“ Inzwischen mische man die Arten im Forst, um eine breite Risikostreuung zu haben. Für Raude ist aber ganz klar: „Wenn wir unsere Umweltprobleme nicht schnell in den Griff kriegen, dann sieht es düster aus für den Wald.“

In der Zwischenzeit versucht man sich in Schadensbegrenzung, so wie im Weingarten, wo der Auftrag zum Fällen längst vergeben ist, es wegen einer Verletzung des Forstunternehmers aber zur Verzögerung kommt.

Am liebsten hätten Raude und auch die katholische Kirchengemeinde die Arbeiten längst erledigt, denn die kranken Bäume, von denen jederzeit Äste oder auch die ganze Krone abbrechen können, sind eine erhebliche Gefahr für Besucher der Kapelle und des Wäldchens, in dem die sieben Fußfälle, eine Kurzversion des Kreuzwegs, zum Pilgern einladen.

Die sieben alten Sandsteinstelen sollten derzeit wegen der Gefährdung durch die Bäume besser nicht besucht werden. Die Zugänge wurden provisorisch abgesperrt und bleiben es, bis die kranken Kiefern, die Förster Dirk Raude mit Sprühfarbe markiert hat, gefällt und zur Abgabe als Brennholz – zu mehr seien sie nicht mehr zu gebrauchen – aufgearbeitet sind. (Norbert Müller)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.