Kommentar zum drohenden Abriss: Zeit gewinnen und nutzen

Norbert Müller

Vom Eigentümer vernachlässigt, seit Jahren unbewohnt und nun wegen eines gebrochenen Dachbalkens eine Gefahr: Dem denkmalgeschützten Haus Zobel an der Unteren Straße in Naumburg droht der Abriss. Ein Kommentar von Norbert Müller.

Keine Frage, wenn Gefahr für Leib und Leben besteht, ist Eile angesagt. Wenn das Dach des Hauses Zobel in der Unteren Straße unter Schneelast kollabieren und ein Teil des Giebels auf die Straße stürzen könnte, stellt sich nicht die Frage, ob es in diesem Winter überhaupt Schnee geben wird. Dann gilt es zu handeln. Aber auch dann wohlüberlegt.

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In Naumburg drängt sich allerdings der Eindruck auf, die Altstadtsanierer könnten es kaum erwarten, bis die Abrissbirne ins Fachwerk einschlägt. Es gibt sicherlich Häuser in der Altstadt ohne Perspektive, deren Abriss noch erträglich wäre, um Raum zu schaffen in der Hoffnung, neue Bewohner ins Quartier zu locken. Leute, für die Parzellen, auf denen es grünt, und Plätzchen zum Abstellen der Karosse die alles entscheidenden Auswahlkriterien sind.

Ob die partielle Kahlschlag-Therapie beim Wiederbeleben der Innenstadt wirkt wie gewünscht, weiß niemand. Aber in den Gassen bleibt der nachhaltige Eingriff ins historische Gefüge eher verborgen, der Verlust über Jahrhunderte gewachsener Substanz hat nicht die gleiche fatale Wirkung wie die Operation an der Hauptschlagader der Stadt. Hier stehen sie noch, die Häuser, die nach dem großen Stadtbrand errichtet wurden. Wenn überhaupt, dann wirkt hier die alte Substanz noch wie aus einem Guss. Hier eine Lücke zu schlagen, bringt der Stadt keinen Nutzen.

Wenn Dachsanierung und Abriss beim Zobelschen Haus nahezu gleichviel kosten, sollte man die Sanierung vorziehen. Und damit Zeit gewinnen. Den Eigentümer, der sagt, er sei bereit, die Immobilie zu verschenken, gilt es beim Wort zu nehmen. Mit den Zuschussmöglichkeiten aus der laufenden Dorferneuerung als Anreize sollte man die gewonnene Zeit nutzen, einen Investor zu finden, der die Reize des zwar in die Jahre gekommenen, aber noch unverbastelten, großen Hauses erkennt und einsteigt.

Wenn der Preis stimmt, das hat man an anderer Stelle an der Unteren Straße schon gesehen, sollte es auch für das Haus Zobel mit seiner bewegten Vergangenheit eine Zukunft geben.

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