Herausforderung mit der Kettensäge

Naumburger entdeckt in Corona-Krise sein neues Talent - Sein Werkzeug ist die Kettensäge 

Werke im Garten: Für die Schnecke und den Hai-Kopf benötigte Gerd Seibel jeweils gut fünf Stunden.
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Werke im Garten: Für die Schnecke und den Hai-Kopf benötigte Gerd Seibel jeweils gut fünf Stunden.

Was für den einen Brennholz ist, ist für den anderen Rohmaterial für seine Kunst. Gerd Seibel aus Naumburg (Kreis Kassel) greift in der Corona-Krise zur Kettensäge und arbeitet Figuren aus gefällten Baumstämmen. 

  • Gerd Seibel aus Naumburg (Kreis Kassel) macht Kunst mit der Kettensäge
  • Aus Holz sägt und schneidet er Figuren
  • Seine künstlerische Ader entdeckte er in der Corona-Krise 

Naumburg – Bislang hat Gerd Seibel seine Kettensäge ganz rustikal eingesetzt: klare, gerade Schnitte zum Portionieren von Stämmen und Ästen. Die Brocken dienten als Nachschub für den heimischen Kaminofen. 

Das Brennholz könnte im kommenden Winter knapp werden im Haus am Kuhberg in Naumburg. Seit der 46-Jährige seine Leidenschaft fürs künstlerische Schaffen entdeckt hat, setzt er die Schnitte wohlüberlegt, und die Ergebnisse sind nicht dafür vorgesehen, verheizt zu werden.

„Ich hatte nie künstlerische Ambitionen“, sagt Seibel, der bei VW in Baunatal in der Qualitätsanalyse beschäftigt ist. Aber dann kamen gleich mehrere Dinge zusammen, die das Leben des gelernten Industriemechanikers veränderten. 

Im Februar wurden die Linden am Kuhberg, entlang der Straße, an der Gerd Seibel wohnt, radikal gestutzt, manche gar gefällt. Das Holz liegt noch zum überwiegenden Teil an Ort und Stelle.

Holzklotz erinnerte ihn an Pferdekopf - So fing die Schnitzkunst in Naumburg (Kreis Kassel) an

Einer der Fällkeile, die die Waldarbeiter aus einem der alten Bäume herausgeschnitten hatten, erinnerte Seibel an einen Pferdekopf. Er nahm das Stück Holz mit nach Hause, schnappte sich die Kettensäge, nahm hier und da eine Kleinigkeit weg und schon war der Pferdekopf deutlich zu erkennen.

„Die Leute, die den Pferdekopf sahen, hat es gefreut“, erzählt Seibel von jenem Tag im April, als alles anfing. „Die Leute fanden es toll, das hat mich gepusht. Für mich war es der Anlass, mich in dem Metier auszuprobieren.“

Zeit hatte er – auch in den folgenden Wochen. Wegen der Corona-Krise war er gerade, wie viele andere VW-Werker in Naumburg und im Raum Kassel auch, in Kurzarbeit geschickt worden. „Ich bin keiner, der einfach nur rumsitzt.“ Da kam ihm die neue Beschäftigung gerade recht.

Mit einer Sackkarre holt er sich seither das Material, bestes Schnitzholz von der Winterlinde, aus dem wenige Meter entfernten Wald. „Da liegt Material ohne Ende“, sagt Gerd Seibel. „Ich gucke mir die Stämme an, und da muss ich dann schon etwas drin sehen: Eine bestimmt Form, die ich dann herausarbeite.“

Kettensägen-Kunst in Naumburg (Kreis Kassel): Von Schnecke bis Haikopf

Das Holz schafft er in den heimischen Garten in Naumburg im Kreis Kassel. Fast täglich ist er dort seither am Arbeiten. Bevorzugtes Werkzeug sind inzwischen zwei Kettensägen mit unterschiedlich großen Schwertern, eine Flex und ein Gerät mit einem Werkzeug, mit dem er Details aus dem Holz herausarbeiten kann. 

Allesamt werden sie elektrisch angetrieben. Denn das stundenlange Geknatter eines Benzinmotors wolle er seinen Nachbarn nicht zumuten: „Die würden ausflippen.“

Ein Stück Südsee: Derzeit arbeitet der Naumburger Gerd Seibel an einer Tiki-Maske aus heimischem Lindenholz. 

Ein gutes Dutzend „große Dinger“, wie er sagt, sind inzwischen entstanden, darunter eine Schnecke und der Kopf eines Hais, den er als „mein Meisterwerk“ bezeichnet. Inzwischen arbeitet er an einer großen Tiki-Maske, wie sie in einigen Südseekulturen verbreitet sind. 

„Auf die einfachen Sachen habe ich schon gar keine Lust mehr. Das muss inzwischen schon eine Herausforderung sein“, sagt Künstler Seibel. „Die eigenen Ansprüche wachsen, und da teste ich im Moment auch meine Grenzen aus.“

Naumburg (Kreis Kassel): Kunstwerke dekorieren Garten und Umgebung

Er verzichtet auf eine Vorlage, setzt lediglich mit Kreide ein paar Hilfspunkte und arbeitet sich dann mit der Kettensäge von oben nach unten. „Ich hätte nicht gedacht, was da in ihm steckt“, sagt Seibels Lebensgefährtin Saskia Freund, „aber Übung macht den Meister“. Und das Lob bereitet Rückenwind. Inzwischen nimmt Gerd Seibel auch schon mal Aufträge aus dem Freundeskreis an.

Einige Stücke stehen in Seibels Garten, andere hat er dort aufgestellt, wo das Holz über mehr als 100 Jahre wuchs. Und auch die Späne, die er von den Rohlingen abarbeitet, gibt er dem Wald zurück.

VW, sein Arbeitgeber im Kreis Kassel, fährt inzwischen den Betrieb wieder hoch, Gerd Seibel muss wieder ins Werk. Seinen künstlerischen Einsatz gilt es nun zu dosieren. Denn das Arbeiten am Holz „ist auch anstrengend. Ich habe Muskelkater in den Armen, der Rücken zieht. Man weiß abends, was man getan hat“.

Von Norbert Müller 

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