Ende einer 133-jährigen Ära

Männergesangverein Altenstädt löst sich auf - Zuletzt waren es noch zwölf Mitglieder

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Bessere Zeiten: Im Juni 1954 wurde die neue Fahne des Männergesangvereins Altenstädt feierlich geweiht. Damals musste sich der Chor nicht um Sänger sorgen. In den 1980er-Jahren hatte der Gesangverein 50 Sänger. 

Altenstädt. Das Chöresterben im Wolfhager Land geht weiter. Nachdem sich im August vergangenen Jahres der Gemischte Chor Ippinghausen auflöste, haben jetzt auch die letzten Mitglieder des Männergesangvereins Altenstädt einen Schlussstrich gezogen.

Der Grund ist immer derselbe: Es fehlt der Nachwuchs, es mangelt an jungen Leuten.

Und so ist nun in Altenstädt eine 133 Jahre währende Ära des Männergesangs zu Ende gegangen. In der letzten Jahreshauptversammlung des Vereins in der vergangenen Woche haben die zwölf Mitglieder die Auflösung beschlossen.

Das Ende, sagt der letzte Vorsitzende, Werner Gerhold, habe sich schon seit Längerem abgezeichnet. Schon vor gut drei Jahren habe man sich dazu entschlossen, keine öffentlichen Auftritte mehr zu absolvieren. Die wenigen noch verbliebenen Aktiven, so Gerhold, seien um die 80 Jahre alt. „Ich war der Jüngste. Und ich bin mittlerweile auch schon 70.“ Der Älteste, der dem Verein auch bis zum Schluss die Treue hielt, sei bereits 85.

Dem ausgedünnten Ensemble bereiteten Auftritte zunehmend Stress, die Stimmen, sagt Gerhold, lassen im Alter auch nach. Im direkten Vergleich bei Veranstaltungen mit zehn oder 15 anderen Chören könnte man dann einfach nicht mehr mithalten. „Und dann nur mitleidigen Applaus kriegen, das wollten wir nicht.“

Werner Gerhold

So zog man sich zurück. Bis heute trifft man sich seither an jedem ersten Freitag im Monat zum Bierchen, zum Schnuddeln – auch zum Singen. Den vierstimmigen Satz hat man längst aufgegeben, die Stücke werden nun einstimmig intoniert. „Wir haben so ein selbstgebasteltes Liederbuch, da kann sich dann jeder in der Runde ein Lied aussuchen.“ Und das wird dann auch gesungen.

Dass man den Verein auflöse, habe auch mit dem Aufwand zu tun, der ein Verein egal welcher Größe zu leisten hat: Das Erstellen der Bilanzen beispielsweise, die regelmäßig ans Finanzamt geliefert werden müssen. Bei noch zwölf Mitgliedern und einem Jahresbeitrag von 15 Euro, sagt Gerhold, müsse man sich das nicht mehr antun. Das Geld in der Vereinskasse soll nun der Altenstädter Kindergarten für die musikalische Früherziehung erhalten.

Männer zieren sich

Werner Gerhold benennt auch Versäumnisse der Vergangenheit: „Beim Männerchor ist es verpasst worden, einen Nachwuchschor aufzubauen.“ Man habe durchaus für den Männergesangverein geworben. „Wir haben Leute angesprochen. Aber wie überall zieren sich die Männer.“ Hätte man sich dann nicht zum gemischten Chor weiterentwickeln sollen? „Mit Frauen zusammenzugehen, das war nicht unser Ding“, sagt der ehemalige Vorsitzende. „Entscheidend sind die jungen Leute. Aber die pflegen heute ein anderes Liedgut.“

Zum 70. Geburtstag neu angeschafft: Die Vereinsfahne des Gesangsvereins soll einen Ehrenplatz in einer Vitrine im Dorfgemeinschaftshaus bekommen.

Die Vereinsfahne soll nun in einer Vitrine im Dorfgemeinschaftshaus untergebracht, die Akten und alten Unterlagen dort in einem Schrank eingelagert werden.

Leicht, betont Werner Gerhold, falle es ganz gewiss nicht, einen solchen Traditionsverein wie den Männergesangverein „Eintracht“ Altenstädt abzuwickeln. „Der wurde immerhin 1883 gegründet. Da guckt man schon wehmütig zurück. Aber wir haben erkannt, es geht nicht weiter. Und dann muss man diesen Schritt machen.“

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