Märchenhaft durchs Jahr

Naumburger Models als Darsteller für Wandkalender

Mit Vergnügen: Petra Landefeld, Vorsitzende des Fördervereins Altstadt Naumburg, und Michael Loskant begutachten die gerade gelieferten Exemplare des ersten Naumburger Märchenkalenders.
+
Mit Vergnügen: Petra Landefeld, Vorsitzende des Fördervereins Altstadt Naumburg, und Michael Loskant begutachten die gerade gelieferten Exemplare des ersten Naumburger Märchenkalenders.

Wenn die jungen Darsteller alt sind und die Alten schon nicht mehr da, dann wird der Naumburger Märchenkalender vermutlich noch wertvoller sein, als im kommenden Jahr, in dem er an der Wand hängend als zeitlicher Wegweiser durch die Monate begleiten soll.

Naumburg - Mit Naumburgern jeden Alters wurden die Fotos für den Kalender aufgenommen, der jetzt druckfrisch vom Förderverein für die Altstadt unters Volk gebracht werden soll. Ein gutes Jahr Vorbereitung und Arbeit stecken in dem bunten Werk, für das die Fäden bei Michael Loskant zusammenliefen. Vor gut einem Jahr kam ihm der Gedanke, Märchenbilder mit Naumburgern in Naumburg zu gestalten und aufzunehmen.

„Wenn man nachdenkt, dann fallen einem auch sofort Orte ein, wo man in Naumburg oder einem Ortsteil ein Märchen inszenieren kann“, sagt der fotobegeisterte 69-Jährige. Für Rapunzel drängte sich das Elbenberger Türmchen regelrecht auf, für Frau Holle das Altendorfer Backhaus, für den Froschkönig der Brunnen an der Unteren Straße.

Und so flott wie ihm die Örtlichkeiten zuflogen, so schnell kamen ihm auch Personen in den Sinn, die als Darsteller infrage kamen. Den Märchenprinzen, da gab es für Loskant keinen Zweifel, kann in Naumburg nur der amtierende Karnevalsprinz in seinem bunten Ornat geben. „Für das Rumpelstilzchen kam kein anderer infrage als Franz Ruthenbeck“, ein drahtiger, kompakter Landwirt jenseits der Pensionsgrenze. Ähnlich war es bei der Besetzung des Jägers im Märchen vom Rotkäppchen. Das musste einer aus der Riege der alten Naumburger Waidmänner sein: Herbert Hofmann, wie kaum ein Zweiter des Jägerlateins mächtig.

„Es ging mir auch darum, einigen Leuten ein Denkmal zu setzen“, sagt Michael Loskant und nennt als Beispiel Ludgardis Rabanus, die er unbedingt für die Muhme im Turmzimmer von Dornröschen gewinnen wollte. „Die Alten haben sofort zugesagt“, erinnert sich Loskant. Kinder waren auch kein Problem, aber bei den jüngeren Erwachsenen wurde es dann schon schwieriger. Aber selbst in der mittleren Altersklasse hatte Loskant bald das Personal gewonnen, das er brauchte, um die zwölf ausgewählten Märchen in Szene zu setzen.

„Man muss das Märchen mit den Leuten und den Jahreszeiten zusammenbringen“, beschreibt Michael Loskant den weiteren Kurs. Für die Models bedeutete das auch, dass ihnen schon auch einiges abverlangt wurde. So wie gleich zu Beginn beim Shooting für das Sterntaler-Märchen. Darstellerin des armen Mädchens war Charlotte Landefeld, die Tochter der Fördervereinsvorsitzenden Petra Landefeld. Am verschneiten Naumburger Weingarten galt es, barfuß und im dünnen Kleidchen die Sterntaler einzusacken. Was auf dem Foto letztlich ein wenig wie Überlebenstraining im Winter anmutet, war tatsächlich nicht ganz so hart: Im geheizten Auto wartete sie auf ihren Einsatz, ab ging’s auf die korrekte Position fürs Foto, wo sie nicht etwa auf Eis stehen musste, sondern auf einer wärmenden Styroporplatte. Dann ratterte Michael Loskants Kamera, und schnell ging es zurück ins warme Auto.

Auf Authentizität legte der Fotograf großen Wert, auch bei den Requisiten: Der sprechende Spiegel von Schneewittchens böser Stiefmutter durfte keinen Bauhaus-Charme versprühen, sondern sollte golden-barock daherkommen. Da bedurfte es dann auch guter Kontakte, um das Richtige zu finden – das alte Spinnrad, das einfache Leinengewand für Hänsel und Gretel, die stilechte Haube fürs Rotkäppchen.

Die Aufnahme-Termine dauerten im Schnitt zwei Stunden. „Von jedem Motiv habe ich gut 50 Aufnahmen gemacht, bis ich eine hatte, bei der klar war, das könnte das Bild für den Kalender sein“, erinnert sich Loskant. Am Computer wurde das Motiv nachbearbeitet, dann galt es, einen Text aus dem jeweiligen Märchen herauszudestillieren. Der Text, der das Bild ergänzt, „muss die Situation auf dem Foto kurz und treffend beschreiben“.

Im Spätsommer hatte Loskant alles beisammen, online ging das Datenpaket an eine Druckerei, die nun die 100 bestellten Exemplare lieferte. Ab dem heutigen Samstag sind die Kalender zum Stückpreis von 20 Euro zu haben. Verkauft werden die Exemplare im Kaufhaus Schmandt, am Samstag, 2. Oktober, von 10 bis 12 Uhr auch in der Geschäftsstelle des Geschichtsvereins (Untere Straße). Der Erlös aus dem Verkauf kommt dem Förderverein Altstadt Naumburg zugute.

Von Norbert Müller

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.