Schweißtreibende Arbeit

Nach Einsturz: Naumburgs Stadtmauer wird saniert

Mit Schwung: Andreas Paul benutzt einen Gummihammer, um einen Sandstein im Mörtelbett zu platzieren. Im Hintergrund seine Kollegen Steffen Ernst und Carsten Liesegang.
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Mit Schwung: Andreas Paul benutzt einen Gummihammer, um einen Sandstein im Mörtelbett zu platzieren. Im Hintergrund seine Kollegen Steffen Ernst und Carsten Liesegang.

An die 30 Kubikmeter Schutt hat die Truppe um Steffen Hummitzsch schon in Containern versenkt, seit sie Mitte vergangener Woche mit den Sanierungsarbeiten an der historischen Naumburger Stadtmauer begonnen hat. Und es werden noch mehr werden.

Naumburg - Hier am südwestlichen Rand der Naumburger Altstadt, der vielfotografierten Schokoladenseite, stand bis vor knapp zwei Jahren ein altes, lange unbewohntes Fachwerkhaus, das im Zuge der Dorferneuerung abgeräumt wurde. Dessen äußere Wand stützte sich zum Teil auf der Stadtmauer ab, zum Teil wurde das Fundament vom Baumeister aber auch hinter die Stadtmauer gesetzt. Nach dem Abriss des über die Jahre auch außen stark verbastelten Gebäudes verlor die Stadtmauer in diesem Bereich an Stabilität. Auf mehreren Quadratmetern der 1,40 Meter dicken Mauer lösten sich die Sandsteine und verabschiedeten sich talwärts. Die Randbereiche galten als einsturzgefährdet. Höchste Zeit, das historische Bauwerk zu stabilisieren.

Inzwischen also ist Steffen Hummitzsch, Geschäftsführer der Firma DeSa aus Werther in Thüringen, mit drei seiner Mitarbeiter dabei, den Mauerabschnitt zu sanieren und auch die Fläche, auf der sich das Fachwerkhaus befand, auf die Neugestaltung vorzubereiten.

Passgenauer Nachschub für die Mauer: Carsten Liesegang bringt einen Stein mit Hammer und Meißel auf Länge. Links im Bild: Firmenchef Steffen Hummitzsch.

Das Quartett bringt jede Menge Erfahrung im Umgang mit historischer Bausubstanz mit. Auch die Sanierungsarbeiten der vergangenen Jahre an der Weidelsburg erledigten die Thüringer, bis vor Kurzem firmierte man noch unter dem Namen Sosa. Knochenarbeit ist angesagt in der Enge des Roten Rains, wie das Viertel an der Mauer in Naumburg heißt. Die Steine vom Hang wurden per Muskelkraft wieder nach oben geschafft, und auch den Schutt aus dem Mauerbereich kurbelten die Männer in Eimern am dicken Seil über die Mauerkrone und von dort in den Container. Das marode Mauerstück ist inzwischen schon komplett aufgebaut, jetzt geht es oben weiter. Eine Eibe, die sich über die Jahre im Gefüge der Stadtmauer breitgemacht hat, galt es zu entfernen. Sechs Meter gingen die Wurzeln in die Tiefe, gut zwei Meter spannte sich der Bereich, der von dem Gewächs befreit werden musste. „Die alte Eibe stand noch voll im Saft. Per Hand haben wir die Wurzel rausgewürgt“, beschreibt DeSa-Mitarbeiter Andreas Paul die schweißtreibende Prozedur, ehe das Loch im Gemäuer wieder aufgefüllt und vermauert wurde. Damit die Sandsteinquader eine höhere Stabilität erhalten, werden sie untereinander mit sogenannten Stahlnadeln verbunden und verankert.

Auf dem ansteigenden Grundstück, dem früheren Standort des beseitigten Fachwerkhauses, werden von den Männern aus Thüringen historische Mauerabschnitte, die hinter Backsteinwänden versteckt wurden, freigelegt und saniert. Auch Betondecken gilt es noch zu beseitigen. Im Verlauf der Stadtmauer muss zudem bis auf eine Höhe von etwas mehr als einem Meter Höhe eine Brüstung aufgemauert werden. „Das soll später sehr ursprünglich aussehen“, sagt DeSa-Geschäftsführer Hummitzsch. „So in der Art einer Ruine.“

„Die Freifläche wollen wir gestalten und begehbar machen, damit sie beispielsweise bei Stadtführungen genutzt werden kann“, sagt Naumburgs Bürgermeister Stefan Hable zu den Plänen. Wie ein kleines Amphitheater auf mehreren Ebenen mit Sitzgelegenheiten soll es mal werden. Mit Platz für gut 30 Leute, die an dieser Stelle auch Kultur – eine Lesung etwa – genießen können.

Rund 150 000 Euro werden hier verbaut, erklärt Hable. 50 000 Euro spendiert die Denkmalpflege, den Rest zahlt die Stadt aus dem Haushalt. Das sei sinnvoll investiertes Geld, betont der Bürgermeister, denn: „Die Stadtmauer ist unser historisches Vermächtnis.“

Firmenchef Steffen Hummitzsch und seine Truppe werden auch noch im kommenden Frühjahr an der Baustelle zu tun haben, denn in diesem Jahr sollen die frisch aufgemauerten Steine nicht mehr verfugt werden. Das stehe erst auf dem Plan, wenn dem Mörtel kein Frost mehr drohe. (Norbert Müller)

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