Herz für gefiederte Sommergäste

Marlies und Martin Werner bieten Schwalben und Mauerseglern in Naumburg eine Unterkunft

Martin Werner hat vom Fenster aus einen Blick auf die Schwalbenkolonie unterm Dachüberstand.
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Martin Werner hat vom Fenster aus einen Blick auf die Schwalbenkolonie unterm Dachüberstand. Verschmutzungen der kleinen Flugakrobaten an der Hausfassade halten sich in Grenzen.

Für das Ehepaar Werner gehören sie zum Sommer: Die Schwalben und Mauersegler, die bei ihnen alle Jahre wieder brüten, ehe sie im Spätsommer mit dem Nachwuchs in Richtung Süden starten.

Naumburg – Früher, erzählt Marlies Werner, als sie auf ihrem Hof an der Naumburger Bahnhofstraße noch Vieh im Stall hatten, waren es vor allem die Rauchschwalben, die sich ein Stelldichein gaben und ganz selbstverständlich dazugehörten. Die eigene Landwirtschaft ist längst Geschichte, die Wirtschaftsgebäude sind leer, aber Schwalben gibt es auch heute noch.

Inzwischen sind es die Mehlschwalben, die das Haus als Lebensraum entdeckt haben und den Werners durch ihre Anwesenheit Freude bereiten, wenn sie fleißig pendeln und flink ihrem Nachwuchs Futter zum Nest fliegen. „Wir sitzen dann hier unten und beobachten das Ganze“, sagt Martin Werner. „Das ist unsere Corona-Ablenkung“, ergänzt seine 77-jährige Gattin lachend.

Spatzen als Mitbewohner

Zum Innenhof hin hängen sieben Schwalbennester dicht beieinander. Mitbewohner sind zudem Spatzen, die auf Höhe der Schwalbenkolonie in einem Spalt zwischen den Dachbalken zuhause sind und auch ein Mauerseglerpaar, das hier in einer Spalte zwischen Wand und Dach ideale Bedingungen findet. Auf der anderen Seite des Hauses gibt es weitere Schwalbennester, insgesamt, sagt Martin Werner, sind es 15.

„Vielleicht spüren die Tiere, dass wir eine gute Einstellung haben“, sagt Marlies Werner. Und dazu gehört auch eine Portion Toleranz. Der 82-jährige Ehemann bringt es auf den Punkt: „Die machen eine unheimliche Sauerei.“ Aber damit können die Werners umgehen. An besonders gefährdeten Stellen werden Kotbrettchen unter den Nestern montiert. Und mindestens einmal pro Woche holt Martin Werner den Hochdruckreiniger raus und beseitigt Hinterlassenschaften auf Sockel und Treppe.

Für ihre gefiederten Untermieter machen sie das gern, da spielen sie auch schon mal den Sicherheitsdienst: In der Nachbarschaft nisten in einer Kiefer Elstern, die darauf lauern, die Schwalbennester von unten aufzupicken und den Nachwuchs zu rauben. Wenn draußen Elstern zu hören sind, dann geht Marlies Werner vors Haus und vertreibt sie klatschend.

„Den halben Garten haben wir zur Blumenwiese gemacht“

Bunter Garten: Jede Menge Blüten finden Insekten bei Marlies und Martin Werner.

Um die ökologische Vielfalt auf ihren Anwesen, wo sich in der Scheune beispielsweise Rotschwänzchen eingenistet haben, weiter zu fördern, haben sie ihr sowieso schon recht blütenreiches Grundstück noch insektenfreundlicher gestaltet: „Den halben Garten haben wir zur Blumenwiese gemacht“, erklärt Marlies Werner.

Für Markus Dietrich vom Nabu ist das Verhalten der Werners vorbildlich. „Schwalben haben es heute schwer“, sagt der Naturschützer. Ein großes Problem sei, dass die Tiere kaum noch guten Baustoff für ihre Nester finden. Lehmpfützen seien in der aufgeräumten Landschaft mit ihren asphaltierten Feldwegen zur Rarität geworden. Die Mehlschwalben werden oft wegen ihrer Hinterlassenschaften an den Hausfassaden nicht geduldet, die Rauchschwalben finden kaum offenen Ställe. Und auch die Mauersegler finden keine Räume mehr in den dichten Fassaden.

Menschen wie die Werners seien ein Glücksfall. Und die werden auch im kommenden Jahr ihre Sommergäste willkommen heißen, daran lassen die beiden keinen Zweifel. (Norbert Müller)

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