Adventsserie "Wir öffnen Türen"

„Mehr braucht man nicht“: Blick ins Tinyhouse in Naumburg

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Auf der Sonnenseite: Die Veranda des Minihauses am Naumburger Lerchenweg lädt zum Entsp annen ein.

Wie viele Leute sich schon die Nase an seiner gläsernen Haustür platt gedrückt haben, um einen Blick ins Innere des Minihauses zu werfen, kann Gregor Mentel nicht sagen.

Das Interesse an seinem noch recht neuen Domizil am Naumburger Lerchenweg, sagt der 62-Jährige, sei aber enorm.

Wen wundert´s. Das Haus ist in der näheren Umgebung von Mentels Heimatstadt einzigartig. Ein kompakter Kasten, überwiegend aus Holz gefertigt, groß genug für eine Person mit Hund, die sich lieber auf das Wesentliche beschränkt und es trotzdem gemütlich mag.

Gut vier Jahre habe er schon die Idee mit sich herumgetragen, sich eine alternative und in die Zeit passende Unterkunft zu gönnen. Bislang lebte Mentel, gelernter Koch und dann bis zum Vorruhestand 2016 rund 36 Jahre bei VW tätig, in seinem Elternhaus. 275 Quadratmeter bewohnbare Fläche auf drei Ebenen. Alles viel zu groß, befand der Junggeselle. Als im Frühjahr seine Mutter starb, wollte er endlich raus aus dem großen Kasten und seinen Traum verwirklichen.

Fühlt sich wohl in seinen neuen vier Wänden: Gregor Mentel mit Hund Idefix im größten Raum des Hauses, dem Wohnzimmer mit Küchenzeile.

Knapp vier Wochen stöberte er im Internet, fand auch eine Menge Interessantes, letztlich entschied er sich für das Produkt einer Kasseler Firma, die ihre Holzhäuser in der Ukraine produzieren lässt. „Das passt“, war Mentels Eindruck, und so orderte er sein neues Heim, das ihm 32 Quadratmeter reine Wohnfläche bietet, verteilt auf einen Wohnraum mit Küchenzeile, ein Schlafzimmer, ein vollwertiges Bad mit Dusche und ein weiteres kleines Zimmer, das Mentel als Wirtschafts- und Vorratsraum nutzt. Preis: 45 000 Euro.

„Mehr braucht man nicht“

Die Maße von 3,40 mal 12,50 bei einer maximalen Höhe von drei Metern hat seinen Grund: Das lasse sich auf den Straßen per Tieflader gerade noch ohne zusätzlichen Aufwand transportieren.

Am liebsten hätte der 62-Jährige sein Häuschen auf sein großes Gartengrundstück hinter dem Kleinen Berg in Naumburg gestellt. Denn: „Das ist mein bevorzugtes Revier.“ Dort, direkt an der Elbe, verbringt er die meiste Zeit, gärtnert aus Leidenschaft biologisch und versorgt sich selbst mit Obst und Gemüse. Allerdings gab es dort keine Baugenehmigung.

Die Alternative war schnell gefunden: Sein Neffe und Patensohn stellte ihm den passenden Platz auf seinem Grundstück am Lerchenweg zur Verfügung, und der junge Landschaftsgärtner legte ihm auch gleich die Ver- und Entsorgungsleitungen. Auch das Fundament wurde in Eigenleistung geschaffen.

Als dann Anfang September der Transport anrückte, musste das fix und fertige Häuschen nur noch von einem Autokran an den Haken genommen, passgenau platziert und angeschlossen werden. Viel länger als eine Stunde habe das Ganze nicht gedauert.

Hier geht es rein: Gregor Mentel an der Haustür.

Küche und Bad waren bereits komplett installiert, Gregor Mentel musste nur noch seine persönliche Ausstattung einräumen. Und auch das ging flott. „Ich habe meine Sachen drei Mal durchforstet, ehe ich hier eingezogen bin“. Von Vielem habe er sich getrennt. Zwei Berge Sperrmüll habe er entsorgen lassen. „Das Aussortieren ist reine Kopfsache“, sagt der Minihaus-Besitzer.

„Ich fand es von Anfang an im Haus nie beklemmend oder eng“

Inzwischen sind Mentel und sein Hund Idefix längst zuhause im Holständerbau, der mit seinen gut isolierenden, 30 Zentimeter dicken Wänden, dem ebenso gedämmten Boden und der Decke sowie der Infrarot-Fußbodenheizung ein angenehmes Wohnklima garantiert. Nach Westen hin sorgt eine große gläserne Terrassentür für Weitblick. Ein Stellplatz fürs selten genutzte Auto und das bevorzugte E-Bike runden die Außenanlage mit Veranda ab.

„Ich fand es von Anfang an im Haus nie beklemmend oder eng“, sagt Gregor Mentel, „sondern gemütlich“. Er habe es noch nicht eine Sekunde bereut, sich räumlich verkleinert zu haben: „Mehr braucht man nicht.“ Erst recht nicht, wenn man, wie er, keine Lust hat, „jeden Tag 200 Quadratmeter zu putzen“.

Mentel weiter: „Ich schlafe hier unten auch besser. Es ist ein bisschen chilliger. Ich bin in meiner eigenen Hütte und muss nur noch für mich selbst sorgen.“

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