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Mit Bohrhammer und Eimern im Untergrund

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Von: Norbert Müller

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Uwe Bächt, Alexander Reisewitz, Mario Opfermann-Thüre, Jörg Hippmann, Michael Loskant und Martin Roth.
Einsatz unterm Gewölbe: Uwe Bächt, Alexander Reisewitz, Mario Opfermann-Thüre, Jörg Hippmann, Michael Loskant und Martin Roth. © Norbert Müller

Der Förderverein in Naumburg saniert den alten Gewölbekeller des Hauses an der Graf-Volkwin- Straße

Naumburg – Unerbittlich schiebt sich der breite Meißel des wuchtigen Bohrhammers durch den Staub der Vergangenheit. Im uralten Keller des Hauses an der Graf-Volkwin-Straße geht es in die Tiefe, um Platz zu schaffen für einen Boden aus Sandstein.

Die Mitglieder des Fördervereins Altstadt Naumburg haben mit ihrem Einsatz im Keller des von ihnen vor dem Abriss geretteten Gebäude aus dem 17. Jahrhundert wieder mit dem Vollbetrieb der Sanierungsarbeiten begonnen.

Nachdem im vergangenen Jahr das Dach erneuert, der Putz der Außenwände nach alter Rezeptur saniert und gestrichen wurde, geht es jetzt zunächst im ältesten Teil des stattlichen Gebäudes weiter, dem Keller.

Tonnengewölbe soll eingerichtet werden als Raum für kleinere kulturelle Veranstaltungen

Das imposante Tonnengewölbe über einer Grundfläche von sieben mal sechs Metern soll hergerichtet werden als Raum für kleinere kulturelle Veranstaltungen. Am Scheitel hat das Gewölbe eine Höhe von rund 2,40 Metern.

Jetzt soll gut ein halber Meter vom Boden raus: Es ist über die Jahrhunderte verdichtete Erde, die über Kartoffeln und Rüben, die hier gelagert wurden, eingetragen wurde.

Der Bohrhammer ist die einzige Maschine, die hier unten eingesetzt werden kann. Alles andere muss von Hand erledigt werden: das Befüllen der Eimer mit dem gelockerten Abraum ebenso, wie der Abtransport aus der Tiefe des Kellers.

Unter dem Gewölbe wird geschaufelt, dann wandern die Behältnisse hinaus bis zum Treckergespann

Unterm Gewölbe wird geschaufelt, dann wandern die gefüllten Behältnisse von Hand zu Hand über die Kette der Vereinsmitglieder durch den gotischen Türrahmen, die Sandsteintreppe hinauf bis zum Treckergespann.

Auf dem Anhänger landet eine Portion Erde nach der anderen. Innerhalb von gut drei Stunden schaffen die 18 Personen, die sich an diesem Vormittag am Arbeitseinsatz beteiligen, gut sechs Tonnen beste Ackerkrume zum Abtransport nach oben. Damit wäre die Hälfte dessen, was an Boden abgetragen werden soll, geschafft.

Beim nächsten Einsatz wird noch einmal mit dem Bohrhammer die gleiche Fläche bis in gut 25 Zentimeter Tiefe gelockert und die Erde über die Eimerkette aus dem Gewölbe geschafft, das aus einer frühen Phase der Stadt Naumburg stammen dürfte, geschätzt aus dem 13. oder 14. Jahrhundert.

Das jetzige Gebäude wurde in der Phase nach dem Brand errichtet

Auf jeden Fall, so die Annahme von Mitgliedern des Naumburger Geschichtsvereins, dürfte der Keller für ein Haus angelegt worden sein, das dann wohl beim großen Stadtbrand im Jahr 1684 zerstört wurde.

Das jetzige Gebäude wurde in der Phase nach dem Brand errichtet, und zwar mit einer Firstdrehung: Das Graf-Volkwin-Haus steht nicht längs über dem Keller, sondern um 90 Grad gedreht und auch nicht passgenau, der Keller ragt unter dem Haus bis in den jetzigen Straßenverlauf hinein.

Am Ende werde man wohl an die 15 Tonnen Erde ausgehoben haben, schätzen die Aktiven des Fördervereins. Dann soll Glasschotter als Dämmung eingebracht werden, sagt Steinmetzmeister Uwe Bächt, der sich wie all die anderen Helfer ehrenamtlich für das Haus engagiert. „Damit gibt es keine so große Fußkälte wie bei Basaltschotter.“

Ohne die Sponsoren und Zuschüsse, wäre die Sanierung des historischen Gebäudes kaum zu stemmen

Über die Dämmung wird noch ein Vlies ausgebreitet, darauf Grus verteilt, und schließlich werden Platten aus Friedewalder Sandstein verlegt. Die werden aus dem Leader-Programm der Regionalförderung finanziert, während der Verein, dem das Haus auch gehört, die komplette Arbeitsleistung erbringt.

Ohne Zuschüsse und Sponsoren, sagt Fördervereinsvorsitzende Petra Landefeld, wäre die Sanierung des historischen Gebäudes kaum zu stemmen. Die dicksten Batzen bislang steuerten die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und der Landkreis Kassel bei.

Damit konnten Dach und Fassade erneuert werden. „Nach dem Keller sind die Fenster dran“, nennt die Vorsitzende den nächsten Schritt auf dem Weg zur Runderneuerung des Fachwerkhauses. Da gibt es schon Zusagen von Unterstützern, die Fenster finanzieren wollen.

Es werden noch weitere Geldgeber benötigt, um alle maroden Fenster, gegen neue Exemplare zu ersetzen

Es werden aber noch weitere Geldgeber benötigt, um alle alten maroden Fenster – einige sind aus Kunststoff hergestellt – gegen neue dankmalschutz-konforme Exemplare aus Holz zu ersetzen.

Und so, wie der Förderverein Altstadt Naumburg weiterhin Geldgeber für die nächsten Gewerke benötige, könne man auch zusätzliche Unterstützer gebrauchen, die bei den Arbeiten mit anfassen.

Regelmäßige größere Arbeitseinsätze finden jeden zweiten Samstag zwischen 10 und etwa 14 Uhr statt, an Tagen dazwischen sind auch immer wieder kleinere Trupps im Haus aktiv. Mit dem Bohrhammer im Keller soll es in knapp vier Wochen weitergehen. (Norbert Müller)

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