Einsatz im Altenstädter Friseursalon

Mit gespendeter Mähne kranken Kindern helfen - zwei Nordhessinnen sind dabei

Die Mähne ist ab: Jasmin Grandjot aus Balhorn freute sich bereits auf die neue Kurzhaarfrisur, die ihr Friseurmeisterin Ramona Schanze schneidet. Vor dem Spiegel liegt der zuvor gekappte blonde Zopf.
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Die Mähne ist ab: Jasmin Grandjot aus Balhorn freute sich bereits auf die neue Kurzhaarfrisur, die ihr Friseurmeisterin Ramona Schanze schneidet. Vor dem Spiegel liegt der zuvor gekappte blonde Zopf.

Leoni Müller und Jasmin Grandjot spendeten ihre langen Haare. Daraus werden jetzt Echthaarperücken hergestellt für Kinder und Jugendliche, die krankheitsbedingt keine Haare haben.

Altenstädt - Leoni Müller rutscht ein wenig unruhig auf dem schwarzen Kunstlederstuhl im Friseur-Salon von Ramona Schanze in Altenstädt hin und her. Die blonden Haare der Neunjährigen reichen fast bis zum Sitz und sollen gleich abgeschnitten werden. Die junge Altenstädterin hat sich entschlossen, ihre Mähne zu spenden – für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, die beispielsweise wegen einer Krebsbehandlung keine Haare haben und auf eine Echthaarperücke hoffen.

Lange Mähne: Gut zwei Jahre ließ Leoni Müller aus Altenstädt ihre Haare wachsen, um sie zu spenden.

Ihre Patentante Kirsten Eckel de Soriano, seit gut 24 Jahren Mitarbeiterin in Ramonas Haarlekin, bereitet alles vor: Ein Zopf wird geflochten, der oben und unten mit einem dünnen Haargummi fixiert wird. Leonie bekommt einen schwarzen Friseurumhang über die Schultern und schon setzt ihre Patentante die scharfe Schere an und arbeitet sich auf Nackenhöhe durch den dicken, 40 Zentimeter langen Haarstrang.

Dicker Zopf: Vor dem Schnitt hat Kirsten Eckel de Soriano (hinten) Leoni einen Zopf geflochten.

Auf dem Nachbarsitz hat es sich derweil Jasmin Grandjot bequem gemacht. Die 49-Jährige aus Balhorn hat das gleiche Anliegen wie Leoni: Die langen Haare sollen ab und für den guten Zweck gespendet werden. Chefin Ramona Schanze hat den knapp 30 Zentimeter langen Zopf ruckzuck mit Gummis verzurrt, dann setzt sie den kleinen elektrischen Haarschneider an.

Was folgt, ist für die beiden Friseurinnen Routine: Sie machen sich daran, jeweils die gewünschte Frisur zu zaubern. Leoni hat ihre im Internet gefunden. Und während Tante Kirsten die Schere schneiden lässt, erzählt die Schülerin der Naumburger Elbetalschule, die nach den Ferien in die vierte Klasse geht, dass sie schon vor gut zwei Jahren erstmals an der Spendenaktion teilgenommen hat.

Mit neuer Optik: Die neunjährige Leoni hatte sich im Internet Anregungen für eine neue Frisur geholt.

Im Fernsehen, erzählt Leoni, habe sie einen Film über ein krankes Mädchen gesehen, das wegen der Erkrankung keine Haare mehr hatte und sehr darunter litt. Deren Freundin habe dann ihre eigenen langen Haare abschneiden lassen, damit für das Mädchen eine Perücke hergestellt werden konnte. Das, sagt Leoni, habe sie damals sehr bewegt und den Wunsch geweckt zu helfen. Und so kamen die Haare, die noch länger waren als jetzt, ab. Zwei Jahre später sind sie wieder so gewachsen, dass sie erneut mitmachen kann.

„25 Zentimeter sind das Minimum“, sagt Mutter Josefine Müller, die stolz ist auf ihre Tochter. „Ich mag zwar die langen Haare sehr an ihr, aber dass sie das macht, ist schon toll.“ Ihre Tochter sei ein sehr hilfsbereites Mädchen, kümmere sich, wann immer es nötig sei, gerne um andere Kinder.

Als sie ihren Freundinnen von ihrem Vorhaben erzählt habe, sagt Leoni, „da haben die gesagt, oh, deine schönen Haare. Die waren ganz entsetzt. Ich habe mich aber nicht davon abhalten lassen.“

Fest entschlossen war auch Jasmin Grandjot, wobei sie sagt, sie sei sowieso eher der Kurzhaartyp. Ihre Motivation wurde dadurch gestärkt, dass aus dem engen Bekanntenkreis jemand an Krebs erkrankte. Und bei ihrer Stammfriseurin war sie mit ihrem Anliegen genau richtig: „Wir haben für die Aktion schon mehr als zehn Mal bei Kundinnen die langen Haare abgeschnitten.“ Ramona Schanze, die ihren Mann durch Krebs verloren hat, versucht, die Kundschaft für das Spenden zu gewinnen, wenn die eine lange Mähne durch eine Kurzhaarfrisur ersetzen möchten.

Nach gut einer Stunde hat Leoni ihre Wunschfrisur, bekommt von allen Seiten Komplimente. Etwas ungewohnt fühle es sich mit den kurzen Haaren an, sagt sie. Aber sie werde sich schnell daran gewöhnen und blickt in die Zukunft, wenn die Haare nachgewachsen sind: „Ich würde das mit der Spende auf jeden Fall wieder machen.“ (Norbert Müller)

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