Mohnanbau bei Altenstädt

Landwirt Homburg liefert den Nachschub für die Spezialität des Hauses

Im Blütenmeer: Landwirt Lars Homburg (links) mit Bäckermeister Fred Schaumburg (Bäckerei Meyer, Balhorn) mitten im Mohnfeld bei Altenstädt. Foto: Norbert Müller

Das Rezept für die Spezialität des Hauses hat einen weiten Weg hinter sich, die wichtigste Zutat aber wächst direkt um die Ecke: Der Mohn für Fred Schaumburgs schlesischen Mohnkuchen reift auf Altenstädter Boden, keine drei Kilometer entfernt von der Backstube des Balhorner Bäckermeisters.

Das Rezept für die Spezialität des Hauses hat einen weiten Weg hinter sich, die wichtigste Zutat aber wächst direkt um die Ecke: Der Mohn für Fred Schaumburgs schlesischen Mohnkuchen reift auf Altenstädter Boden, keine drei Kilometer entfernt von der Backstube des Balhorner Bäckermeisters.

Der Nachschub zieht derzeit an der Straße zwischen Altenstädt und Ippinghausen die Blicke auf sich. Auf vier Hektar Fläche wiegen sich abertausende violette Blüten im Wind, dazwischen stehen bereits einige Kapseln auf den Stängeln, die die kleinen begehrten Samen umschließen. Der Altenstädter Lars Homburg ist hier der Herr des Ackers. Seit 2012 hat der innovationsfreudige Landwirt auch Mohn im Portfolio.

Geerntet werden die Kapseln, in denen sich jeweils rund 1000 der kleinen schwarzblauen Samenkörner befinden, üblicherweise Mitte August mit einem herkömmlichen Mähdrescher. Die Ernte wird dann auf dem Hof der Homburgs komplett aufbereitet, nach der Reinigung in 25-Kilo-Säcke gefüllt. Zur Ernteerwartung in diesem Jahr sagt Lars Homburg: „Wenn es drei Tonnen gibt, dann bin ich schon mal zufrieden.“

Grundvoraussetzung für den Anbau ist eine Genehmigung bei der Bundesopiumstelle, wie Lars Homburg erklärt. „Jede einzelne Fläche muss man genehmigen lassen, und nur da darf ich dann auch anbauen.“ Schließlich wollen die Behörden sichergehen, dass nur solche Sorten ausgesät werden, die für die Herstellung von berauschenden Mitteln ungeeignet sind.

Der Altenstädter Landwirt baut auf seinen insgesamt 150 Hektar großen Flächen auch Klassiker wie Mais, Weizen, Gerste und Zuckerrüben an. Bei den besondereren Sorten, neben Mohn sind das noch Dinkel und Hanf, „muss man sich aktiv um den Markt kümmern“ und direkt den Kontakt mit den Abnehmern suchen, sagt Homburg. Beim Mohn hatte der 45-Jährige schnell eine große Ölmühle an der Hand, den Bäckermeister im Nachbarort aber erst mal nicht auf dem Schirm.

Vor drei Jahren hat er Meister Schaumburg, Chef der Bäckerei Meyer, dann direkt angesprochen. Das war eine gute Adresse, denn in der Balhorner Backstube wird jährlich rund eine halbe Tonne Mohn verarbeitet. Die feinen Samen finden sich auf Brötchen und Brot, vor allem aber im schlesischen Mohnkuchen, dessen Rezept Schaumburgs Uropa Karl Meyer als Flüchtling aus der alten Heimat mit nach Balhorn brachte.

Fred Schaumburg ist stolz darauf, dass er für die Spezialität noch alles selbst macht, auch das Mahlen des Mohns und das Kochen. Die meisten seiner Kollegen, sagt er, verwenden Streumohn für Brot und Brötchen, für den Kuchen werde aber Fertigmasse gekauft – wegen der Zeitersparnis. Der Mohn selbst werde zum überwiegenden Teil im Ausland angebaut.

Kurze Wege, das Wissen, wie und von wem das Produkt stammt – er sei ein Anhänger regionaler Erzeugnisse, sagt Meister Schaumburg, der inzwischen auch seinen Dinkel von Lars Homburg bezieht. Und damit steht der Balhorner Bäcker ganz in der Tradition seiner Großeltern. Die nämlich bekamen einst, als die Homburgs noch Legehennen hatten, die Eier von Lars Homburgs Opa und Oma geliefert.

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