Narren haben nichts zu lachen

Wegen Corona fällt Karneval in Naumburg aus

Da war die Narren-Welt noch in Ordnung: Der Präsident der Naumburger Karnevalsgesellschaft René Kröninger (Zweiter von links) mit den Garden, dem Hofstaat und dem damaligen Prinzenpaar Prinzessin Lena I. und Prinz Moritz I. während der Eröffnung der Session 2019/2020 am 11. November auf dem Naumburger Marktplatz.
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Da war die Narren-Welt noch in Ordnung: Der Präsident der Naumburger Karnevalsgesellschaft René Kröninger (Zweiter von links) mit den Garden, dem Hofstaat und dem damaligen Prinzenpaar Prinzessin Lena I. und Prinz Moritz I. während der Eröffnung der Session 2019/2020 am 11. November auf dem Naumburger Marktplatz.

Nach heutigem Stand wird die Session 2020/21 in der Karnevalshochburg Naumburg ausfallen.

Naumburg – Ende August war René Kröninger, Präsident der Naumburger Karnevalsgesellschaft (NKG) noch voller Optimismus. Die Corona-Situation hatte sich über die Sommermonate entspannt, deswegen war er frohen Mutes, dass die kommende Session – wenn auch in deutlich abgespeckter Form – stattfinden könne. Ein Irrtum, wie er inzwischen weiß. Und damit wird es am heutigen Mittwoch auch den traditionellen Start auf dem Marktplatz nicht geben. Keine Hahl-dunne-Rufe, keine Schunkelrunden mit der Stadtkapelle, kein Kommando „Kappen auf“.

„Wir hatten gehofft, auf dem Marktplatz eröffnen zu können“, sagt der NKG-Präsident. Aber nach den aktuellen Bestimmungen sei das nicht möglich. „Wir dekorieren nur ein wenig, damit überhaupt was zu sehen ist. Und auf Facebook präsentieren wir ein Video“ – mit einer Rede des Präsidenten. „Mehr ist nicht drin.“ Im Vorfeld, sagt Kröninger, habe man sich mit dem Ordnungsamt besprochen. „Auch dort riet man uns, nichts zu machen.“

Dass die Großveranstaltungen wie die beiden Prunksitzungen, Altweiberball, Oldieabend und auch der Rosenmontagsumzug wegfallen würden, war wegen des wie üblich zu erwartenden starken Besucherandrangs bereits beschlossene Sache. Aber jetzt müsse auch noch das kleine Alternativprogramm abgehakt werden, sagt ein enttäuschter Kröninger. So hatten die Naumburger Narren geplant, eine Karnevalssitzung im Videoformat auf die Beine zu stellen und als DVD unters närrische Volk zu bringen. „Organisatorisch waren wir da auch schon sehr weit“, sagt René Kröninger. Aber das wird auch nichts, „denn wir dürfen uns ja nicht treffen, um das aufzunehmen.“

Das Einzige, was wohl realisiert werden kann, werde eine Karnevalszeitung sein. „Das Sichedippen wird es geben, wenn auch etwas anders als sonst“, schließlich müsse man ja auf die üblichen Fotos von den Großveranstaltungen verzichten. Und da waren dann ja auch immer die Abschiede der alten Regenten und das Inthronisieren des neuen Prinzen und der neuen Prinzessin dabei. Auch das werde es in der heute beginnenden Session nicht geben. „Dadurch, dass es keine öffentlichen Termine geben wird und alles ruht, wird es auch keinen Wechsel auf dem Thron geben“, sagt René Kröninger. „Das Prinzenpaar hat in dieser Session keine Aufgaben.“ Deswegen bleiben Prinzessin Ulrike I. und Prinz Hermann II. ein weiteres Jahr im Amt. Etwas Ähnliches gab es zuletzt während des Golfkrieges. Präsident Kröninger bringt es für die Naumburger Narren, die Jahr für Jahr den Start am 11. November kaum erwarten können, auf den Punkt: „Die ganze Entwicklung ist eine Katastrophe.“

Von Norbert Müller

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