Dach gilt als nicht standfest

Aus Angst vor Schnee: Ziegel von altem Haus in Naumburg werden abgeräumt

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Alles Handarbeit: Steffen Blaß und Harald Croll decken über dem Anbau des Hauses Graf-Volkwin-Straße 5 in Naumburg die Ziegeldecke ab.  

Naumburg. Wird das alte Fachwerkhaus nun doch abgerissen?

Diese Frage stellten sich viele Naumburger, die auf dem Dach des Hauses Graf-Volkwin-Straße 5 Handwerker sahen, die beschäftigt waren, einen Teil des Daches abzudecken.

Steffen Blaß und Harald Croll von der Firma Horst Becker aus Obervorschütz gingen so behutsam ans Werk, wie man es bei einem klassischen Abriss kaum tun würde. Im Korb eines Hubsteigers fuhren sie zunächst an den Giebel und befreiten den in reiner Handarbeit vom Ziegelbehang. Stück für Stück wurde in den in der Gasse stehenden Container geworfen.

Auf dem Dach dann der gleiche Ablauf. Vom First aus wurde ein gut drei Meter breiter Streifen bis auf Höhe der Mittelpfette abgedeckt – wieder Ziegel für Ziegel. Auf Breite des Streifens sollte die Ziegeldecke bis runter zu den Dachrinnen abgeräumt werden.

Gefahr im Verzug

In diesem Bereich hängt das Dach schon seit Jahren etwas durch. „Hier war Gefahr im Verzug“, erklärt Harald Croll, warum die Stadt Naumburg, bislang noch Eigentümer der Immobilie, es eilig hatte mit dem Abdecken. Sollte es kräftig schneien, so die Befürchtung, könnte das Dach in diesem Bereich einbrechen. Das Risiko für Passanten, Nachbarn und Nachbarhäuser soll mit dem Arbeitseinsatz minimiert werden. „Der Wind“, bestätigt auch Crolls Kollege Stefan Blaß, „ist hier nicht das Problem. Aber unter Schneelast würde es gefährlich“.

Und weil man mit dem Korb sowieso schon am Dach arbeitet, werde man auch gleich die beiden gemauerten Schornsteine bis auf Dachniveau abnehmen. Auch hier wolle die Stadt wegen der zweifelhaften Standsicherheit auf Nummer sicher gehen. Stein für Stein werden die beiden Arbeiter in luftiger Höhe die beiden Schlote abtragen.

Arbeiten sollen Donnerstag beendet sein

Wenn Ziegel und Schornsteine weg sind, werden Croll und Blaß im freigeräumten Bereich auch den Dachstuhl entfernen. Mit der Säge werden sie vorsichtig das Gebälk vom noch eingedeckten Teil des Dachs trennen. Die freigelegten Flächen werden mit einer Baufolie abgedichtet, zum Schutz vor Wind und Wetter. Donnerstag wollen sie ihre Arbeit abgeschlossen haben.

Dann ist deutlich zu sehen, was vom alten Haus erhalten bleibt: der vordere, bedeckte Teil zur Graf-Volkwin-Straße. Der rückseitige Anbau, über dem gerade die Ziegeldecke entfernt wird, soll im Frühjahr komplett verschwinden. Baufachleute halten ihn für marode und einen Abriss für angeraten.

Das historische Fachwerkhaus, wohl unmittelbar nach dem großen Stadtbrand von 1684 errichtet und damit eines der ältesten Gebäude der Stadt, will die Ende vergangenen Jahres gegründete Bürgergenossenschaft Naumburg (BG) kaufen und sanieren. Zwischen der BG, die sich dem Erhalt historischer Gebäude verschrieben hat, und der Stadt Naumburg laufen derzeit die Verkaufsverhandlungen, bestätigte Jens Bestmann vom Vorstand der BG. Er sei sehr zuversichtlich und rechne innerhalb der nächsten sechs bis acht Wochen mit der Entscheidung.

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