Stefan Lapp bestieg den Berg 

Mit Ahler Worscht auf Afrikas Dach: Altenstädter war auf dem Kilimandscharo

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Das Ziel im Rücken: Stefan Lapp aus Altenstädt bestieg mit Kollegen den fast 6000 Meter hohen Kilimandscharo in Tansania.

Altenstädt. Von 103 Kilo runter auf 91: Stefan Lapp hat schon während der Vorbereitung alles gegeben. Das musste er auch. Für ihn und seine Arbeitskollegen ging es auf den Kilimandscharo.

Dick, bunt, schwer: Druckfrisch liegt der Wälzer vor Stefan Lapp, randvoll mit Erinnerungen, mit Bildern aus einer anderen Welt. Acht Tage war der Altenstädter in Afrika, das Abenteuer führte ihn hoch bis auf das Dach des Kontinents, auf den fast 6000 Meter hohen Kilimandscharo. Mit einer Vielzahl von Fotos hat ein Kollege des 42-Jährigen ein Bilderbuch drucken lassen, das in diesen Tagen bei Familie Lapp ankam.

Was im farbigen Prachtband fehlt, ist die Vorbereitung auf den großen Aufstieg, die vielen Kilometer, die Stefan Lapp im Vorfeld laufend und radelnd in der Region absolvierte. Allerdings: Richtig quälen musste sich der Altenstädter in dem guten halben Jahr, in dem das Training streng nach Plan lief, nicht unbedingt. „Sport ist mein Ding“, sagt Lapp.

Randvoll mit Erinnerungen: Stefan Lapp blättert im Fotobuch, das ein Kollege hat machen lassen. Während seiner Tour auf den Kilimandscharo (rechts) sind jede Menge Schnappschüsse entstanden.

Vor dem Start

Aber dennoch: Vom ersten medizinischen Check unter den Fittichen des Nürnberger Extrem-Sportlers Hubert Schwarz, der auch den Trainingsplan erstellte, bis zum letzten Test vor dem Start nach Tansania, hat der Altenstädter sein Gewicht von 103 Kilo auf 91 eingedampft und die Leistungsfähigkeit noch mal deutlich erhöht.

Ähnlich wird es seinen neun Kollegen gegangen sein, mit denen er in Amsterdam in den Flieger nach Tansania stieg. Alle zehn sind Mitarbeiter einer Firma für Rollladen-Systeme, deren Chef sehr sportaffin ist und die Reise ermöglichte. „Der Kilimandscharo gilt als einer der leichtesten 6000er, die es gibt“, sagt Stefan Lapp, „aber ein Untrainierter schafft den Aufstieg nicht“. Und selbst Spitzensportler, sagt er, hätten die Tour schon abgebrochen, weil sie den Sauerstoffmangel unterschätzten. Man war also vorgewarnt.

Die ersten 3000 Meter

Einen Tag hat man zum Akklimatisieren und Entspannen, dann geht es auch schon los, begleitet von einem deutschen Mediziner, einem Guide und 30 Trägern. „Man selbst trägt einen Rucksack mit rund sieben Kilo“, sagt Stefan Lapp. Eine Flasche mit drei Litern Wasser ist im Beutel, denn trinken – pro Tag bis zu sieben Liter – ist am Berg ganz wesentlich. Für die tägliche Hygiene steht jedem eine kleine Schale Wasser zur Verfügung – ob man die fürs Zähneputzen verwendet oder zum Waschen der Haare, ist jedem selbst überlassen.

Lapp, ganz Nordhesse, hat noch etwas ganz Besonderes im Gepäck. Ahle Worscht. Die soll Kraft geben. Und damit geht es gleich bei der ersten Etappe durch tropischen Regenwald auf 2980 Meter. Die Stimmung ist gut.

Ein Blick auf den Berg aus der Ferne.

Der nächste Tag bringt einen fantastischen Ausblick auf dem Uhuru Peak. Über steilere, alpine Wege führt der Weg auf bis zu 3840 Meter zur Hochsteppe des Shira Plateaus. Nach knapp sechs Stunden Gehzeit wird das Lager aufgeschlagen, geschlafen wird in Zweier-Zelten.

Dünne Luft

Am Tag fünf der Tour wird der Lava Tower auf 4630 Meter bei strahlendem Sonnenschein erreicht. „Da habe ich noch ein Tänzchen gemacht.“ Akklimatisieren ist angesagt, denn weiter oben wird die Luft merklich dünn.

Bei der nächsten Etappe spürt man die Höhe und die Anstrengung der vergangenen Tage. Der Weg durch die Breakfast Wall geht an die Substanz. „Man versucht, den Puls konstant zu halten und läuft so gleichmäßig wie möglich“, erinnert sich Lapp.

Die nächste Etappe führt ganz nach oben. Um Mitternacht geht es los. Dick angezogen gegen die Minustemperaturen. Wie in Zeitlupe bewegen sich Lapp und seine Freunde, „weil die Luft so dünn ist“. Und er sagt: „Man kommt an den Punkt, wo man sich fragt, warum tust du dir das an? Vom Rucksacktragen hat man Schmerzen“. Bei Sonnenaufgang kommen sie am Stella Point an. Nur noch 150 Meter bis zum Gipfel. „Da ist dann schon alle Last von uns abgefallen“, sagt der Altenstädter Abenteurer. „Allen liefen die Tränen.“

Triumph und Tränen

Für die letzten Meter über den Gletscher bis zum Gipfel auf 5895 Meter, dem höchsten Punkt Afrikas, braucht es keine Motivation. Oben genießt die Truppe den Triumph. Dass man den Gipfel mit anderen Bergtouristen teilen muss, spielt keine Rolle. Man wusste, dass der Kilimandscharo ein gefragtes Ziel ist. Lapp: „Man sagt, rund 250 zahlende Gäste sind pro Tag am Berg unterwegs. Und auf jeden zahlenden Gast kommen drei Träger.“

Oben angekommen: Stefan Lapp auf dem Gipfel.

Lapp hat dann noch schnell einen Aufkleber mit dem Text „Altenstädter sind netter“ an ein Schild gepappt. „Das wird wohl nicht mehr hängen“, meint er. Am Berg wird extrem auf Sauberkeit geachtet. Es liegt nirgends Müll herum.

Der Blick zurück

Vom letzten Camp bis zum Gipfel braucht die Gruppe knapp sieben Stunden, in umgekehrter Richtung sind es ganze zwei. „Man ist da voller Glückshormone“, blickt der Altenstädter zurück. Nach einem kurzen Schlaf geht es weitere 3000 Höhenmeter runter. Und da wartet dann zur Belohnung für jeden ein kühles Bier.

Am nächsten Abend startet der Flieger nach Amsterdam, von dort aus geht es zur Familie nach Altenstädt. Hier findet Stefan Lapp die Zeit, um in Ruhe über die Reise nachzudenken. „Es wird einem erst im Nachhinein beim Anschauen der Bilder bewusst, wie traumhaft dort die Landschaft ist. Beim Aufstieg hat man irgendwann einfach nicht mehr den Blick dafür.“ Zum Glück haben alle mit ihren Handys eifrig fotografiert und ihren Beitrag zum Fotobuch geleistet, in dem das Abenteuer verewigt ist.

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