Naumburg: Verborgener Gedenkstein erinnert an einen Grenzer

Verborgen im Wald: Ganz in der Nähe der Unfallstelle haben die Kameraden des tödlich verunglückten Grenzjägers einen Gedenkstein aufgestellt. Foto:  Norbert Müller

Naumburg. Eine schlichte Gedenktafel auf einem Sandstein, verborgen unter Bäumen im Naumburger Burghain - wir haben uns auf Spurensuche begeben, was es mit der Tafel auf sich hat.

Kaum jemand weiß noch, aus welchem Anlass das unscheinbare Mahnmal einst aufgestellt wurde. „18.5.1965 - Zum Gedenken an unseren Kameraden Grenzjäger Rainer Müller" steht auf der Tafel. Und „1./GSG 3, Fulda". Nicht mehr.

Recherchen im Internet bringen keinen Erfolg, Nachfragen bei Zeitzeugen in Naumburg führen auf die Spur: ein Verkehrsunfall. Keine weiteren Details. Das Unglück oben am Berg auf der Netzer Straße ereignete sich vor 50 Jahren von den Bewohnern der Stadt mehr oder weniger unbemerkt.

Gerade mal 20 Jahre jung

Erst das Stöbern in den Ausgaben der Hessischen Allgemeinen aus dem Mai 1965 lässt einen Blick auf das Schicksal Rainer Müllers zu.

Gerade mal 20 Jahre jung ist der Fuldaer, als er an jenem 18. Mai, einem Dienstag, auf dem Weg nach Naumburg ist. Müller gehört der 1. Hundertschaft der Grenzschutzgruppe 3 an, die in der Bleidornkaserne in Fulda untergebracht ist. Im Mai ist eine Übung angesetzt, die die Grenzjäger nach Nordhessen führt.

Nachmittags fahren Müller und zwei seiner Kameraden mit einem Geländewagen von Netze nach Naumburg. Am Burghain, auf Höhe des Forsthauses, macht die Landstraße einen scharfen Schwenk nach links. Die Kurve wird den drei Grenzschützern zum Verhängnis.

Alle drei Insassen verletzt 

Der Wagen wird aus der Kurve getragen, prallt auf der rechten Straßenseite zunächst gegen die Leitplanke, dann gegen einen Baum. Anschließend überschlägt sich der Geländewagen zweimal und bleibt mit den Rädern nach oben auf der linken Fahrbahnseite liegen.

Alle drei Insassen werden schwer verletzt, Rainer Müller schwebt in akuter Lebensgefahr. Er wird unmittelbar nach dem Unfall mit einem Hubschrauber in ein Kasseler Krankenhaus geflogen. Die Ärzte kämpfen um sein Leben. In der Nacht zum Mittwoch ist der Kampf verloren. Der 20-Jährige aus der Domstadt erliegt seinen Verletzungen.

Was aus seinen Kameraden wurde, ist nicht überliefert. Nur soviel: Beide wurden ins Wolfhager Krankenhaus gebracht und dort behandelt. Ob sie den Gedenkstein aufstellen ließen oder die Führung der Grenzschutzgruppe ist ebenso offen wie die Frage, ob Rainer Müller den Wagen steuerte oder aber auf dem Beifahrersitz die volle Wucht des Aufpralls abbekam, der seinem Leben so früh ein Ende setzte.

 

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