Feuerwehr

Naumburger Feuerwehrleute erhielten Training für Brände in Wald und Flur

Nach der Theorie die Praxis: Ein abgeerntetes Getreidefeld diente als Übungsfläche. Hier konnte das Vorgehen beim Löschen von Flächenbränden geübt werden.
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Nach der Theorie die Praxis: Ein abgeerntetes Getreidefeld diente als Übungsfläche. Hier konnte das Vorgehen beim Löschen von Flächenbränden geübt werden.

Wie man Gebäudebrände bekämpft, wissen die Einsatzkräfte der hiesigen Feuerwehren, da hat man viel Erfahrung. Aber wie steht es mit dem Löschen von Wald- und Flächenbränden?

Naumburg – Genau darüber mehr zu erfahren, war das Ziel eines Tagesseminars, zu dem sich die Feuerwehren aus der Naumburger Kernstadt und dem Stadtteil Altenstädt trafen.

Ursprünglich, sagt Stadtbrandinspektor Thomas Heger, sei die Fortbildung schon fürs vergangene Jahr geplant gewesen, musste dann aber coronabedingt auf vergangenes Wochenende verschoben werden.

15 Einsatzkräfte der beiden Naumburger Stadtteilwehren, die den Schwerpunkt Wald- und Flächenbrand im Stadtverbund abdecken, trafen sich am Samstag mit ausgewiesenen Fachleuten, mit Praktikern der weltweit agierenden Hilfsorganisation @fire, die im Untertitel die Bezeichnung „Internationaler Katastrophenschutz Deutschland e.V.“ trägt.

Mehr als 200 ehrenamtliche Mitarbeiter bei @fire

Ungewohnte Ausrüstungsgegenstände: Die vier Experten von @Fire (rechts) präsentierten den Naumburger Feuerwehrleuten Hilfsmittel, die bei Wald- und Flächenbränden eingesetzt werden.

Die mehr als 200 ehrenamtlichen Mitarbeiter von @fire sind überwiegend Mitarbeiter von Berufsfeuerwehren, freiwilligen Feuerwehren und Rettungsdiensten, die sich zusätzlich ehrenamtlich in der internationalen Hilfe engagieren, bei Waldbränden – wie kürzlich in Griechenland –, aber auch bei Erdbeben.

Und mit dieser Truppe hatte Stadtbrandinspektor Heger die Fortbildung vereinbart, gerade auch, weil es die Naumburger Wehr in den vergangenen, sehr trockenen Jahren zunehmend mit Waldbränden und sonstigen Vegetationsbränden zu tun bekam.

Viel hilft nicht immer viel

Vier Ausbilder von @fire aus Niedersachsen und Hessen waren ins waldreiche Naumburg gereist, um zu zeigen, dass bei Bränden in der freien Natur nicht unbedingt das Motto „Viel hilft viel“ beim Einsatz von Löschwasser gelten muss.

Zunächst war Theorie angesagt im Feuerwehrhaus der Kernstadt. Themen wie Schutzkleidung, Ausrüstung, aber auch Einsatztaktik standen dabei im Fokus. Und dabei, so Thomas Heger, habe man dann auch schnell gelernt, dass die Taktik beim Löscheinsatz während eines Gebäudebrandes mitunter stark vom strategischen Vorgehen bei einem Wald- oder Flächenbrand abweicht.

Vertieft wurde das Ganze am Nachmittag während des Praxisblocks. Da wurde spezielles Werkzeug wie Feuerpatschen vorgestellt, aber auch „modifizierte Schippen und Hacken“, wie Heger sagt, mit denen man den Boden aufreißt.

Auch das Schlauchmanagement ist wichtig

20 Leute nebeneinander, so erfuhren die Naumburger, schaffen mit diesen Geräten in einer Stunde eine 400 Meter lange Brandschneise, die das Übergreifen der Flammen verhindern kann.

Zur besonderen Ausrüstung der Brandbekämpfer in der Natur gehört auch ein Wasserrucksack mit 20 Litern Fassungsvermögen und einer Handspritze. Fünf Einsatzkräfte nebeneinander schaffen damit trotz überschaubarer Wassermenge einen wirkungsvollen Flächeneffekt.

Auch ums Schlauchmanagement ging es. Statt langer Schlauchstrecken bevorzugen die Experten bei Wald- und Flächenbränden kurze Etappen mit häufiger eingebauten Verteilern, um zügig die Flanken des Flächenbrandes bekämpfen zu können.

Mehrere Übungsfeuer, um das Erlernte anzuwenden

Und schließlich wurde das Ganze auch noch in der Praxis ausprobiert. Dazu hatte Wehrführer Paul Jacobi ein Stoppelfeld zur Verfügung gestellt. Leitstelle, Ordnungsbehörde und Untere Wasserbehörde waren allesamt informiert, dann wurde kontrolliert gezündelt, mehrere Übungsfeuer wurden entfacht, um das Erlernte anzuwenden.

Das Besondere dabei war auch, sagt Stadtbrandinspektor Thomas Heger, dass eine Einsatzkraft immer als Beobachter für die Entwicklung des Wetters und des Brandes abgestellt wird. Denn: Windrichtung und -stärke und ihre Veränderungen spielten bei der Einschätzung des Brandverlaufs und der Anpassung der Einsatztaktik eine wesentliche Rolle.

Hegers Fazit: Die Naumburger und Altenstädter Feuerwehrleute haben allesamt beim Seminar viel gelernt. Es habe so manchen Aha-Effekt gegeben. Thomas Heger weiter: „Wir waren am Abend glücklich und zufrieden, aber richtig kaputt, weil es auch mächtig anstrengend war.“ Info: at-fire.de (Norbert Müller)

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