Entspannung für die Ohren im Büro

Naumburger Firma optimiert die Akustik großer Räume

Vor der Wasserwand: Chef Jens Bestmann hat die Räume seiner Naumburger Firma mit all dem ausgestattet, was für eine angenehme Raumakustik sorgt. An Decke und Wänden sind Elemente angebracht, die den Hall optimieren.
+
Vor der Wasserwand: Chef Jens Bestmann hat die Räume seiner Naumburger Firma mit all dem ausgestattet, was für eine angenehme Raumakustik sorgt. An Decke und Wänden sind Elemente angebracht, die den Hall optimieren.

Dezentes Vogelgezwitscher, Geräusche von Wind und Wasser. Wer den Bürobereich der Naumburger Firma Procom Bestmann tritt, hat eher den Eindruck, in einer Wellness-Oase, denn im Herz der Verwaltung eines Unternehmens gelandet zu sein.

Naumburg – Die Akustik ist trotz des Betriebes angenehm gedämpft. Nur bei der Einbindung des Elementes Wasser müsse man aufpassen, sagt Chef Jens Bestmann. Es einfach plätschern zu lassen, könnte fatale Folgen für die Belegschaft haben. Doch dazu später mehr.

Der 47-jährige Bestmann scheint von Natur aus mit einer Nase ausgestattet zu sein, die ihm auf der Pirsch nach neuen Ideen auch immer wieder auf die Spur nach erfolgversprechenden Nischenprodukten führt.

Angefangen hat er in den 90er-Jahren mit dem Vertrieb von Headsets, Kopfhörer mit Mikrofon zum freihändigen Telefonieren. Erst als Angestellter, bald darauf aber hat er sich selbstständig gemacht und mit eigener Firma Callcenter mit Kommunikationstechnik ausgestattet. Als dann zur Jahrtausendwende Großraumbüros zur angesagten Sache wurden, ergab sich für Jens Bestmann schnell das zweite unternehmerische Standbein, nach dem er schon länger Ausschau hielt, um die Firma nicht zu sehr von einer Sparte abhängig zu machen. In den Großraumbüros häuften sich Klagen, es sei viel zu laut, der Sprechpegel zu hoch, man könne sich nicht konzentrieren.

„Da haben wir schnell gemerkt, dass wir mit Headsets keine Wunder vollbringen können.“ Die modernen Geräte sind zwar in der Lage, einen Teil der Hintergrundgeräusche herauszufiltern, Bestmann hatte aber eine andere Idee: Man müsste mit baulichen Elementen die Akustik des Raums in Sachen Nachhallzeiten optimieren. „Den Nachhall kann man berechnen“, sagt Jens Bestmann, Raumvolumen und Oberflächeneigenschaften seien dabei die grundlegenden Dinge für die Berechnung.

Ehe sich Bestmann allerdings mit neuer Sparte an die akustische Sanierung von Räumen wagte, besuchte man Seminare und Fortbildungen, um als zertifizierte Raumakustiker ans Werk zu gehen. Inzwischen ist die Firma für Hessen und Nordrhein-Westfalen anerkannte Fortbildungsstätte für Architekten in Sachen Raumakustik.

Ganz gleich, ob sich die Akustikmacher, so auch der Name der neuen Abteilung, Arbeitsplätzen in Büros, Fitnesshallen, Autohäusern, Arztpraxen oder Kitas annehmen, am Anfang steht das digitale Einmessen des Raums, die Analyse. Der nächste Schritt ist das Bemustern: Vorschläge mit welchen Elementen, Materialien und Farben man vor allem Fußboden, Decke und Wände bestückt.

Das Mondzimmer: Hier können Bestmanns Mitarbeiter entspannen und über neue Projekte nachdenken.

Für die Fußböden sind akustisch wirksame Teppichfliesen das Mittel der Wahl. Für die Decken werde Filze, Schäume, offenporiger Beton oder Holzelemente in verschiedensten Formen und Farben verwendet. Und wer es ganz edel möchte, bestückt seine Wände mit echtem Moos, das nicht nur akustische Vorteile bringt, sondern auch eine Verbesserung des Raumklimas.

Das Ganze könne man dann auch noch mit Naturgeräuschen kombinieren, und das werde auch gerne genutzt. „Wind und Vogelgezwitscher wie im Wald sind nicht so kritisch“, sagt Bestmann. „Aber Wasser muss unbedingt visualisiert werden durch Wasserwände oder auf Monitoren. Sonst fördert das den Harndrang.“

Die eigenen Büroräume in Naumburg sind mit all dem ausgestattet, was die Firma im Angebot hat. Die Räume sind auch gleichzeitig so etwas wie die Präsentationsfläche, denn für eine Ausstellung fehle doch der Platz in der Niederlassung am Hattenhäuser Weg, wo ja auch noch Bestmanns Pixelmacherei untergebracht ist, die Marketing- und Werbeagentur.

Deswegen soll erweitert werden. In diesem Jahr werde mit dem Bau eines Demo- und Trainingscenters am Naumburger Eulenberg begonnen. Die Einweihung ist für kommendes Jahr geplant. Die Verwaltung werde am alten Standort bleiben, ebenso die Pixelmacherei.

Derzeit hat Procom Bestmann 25 Mitarbeiter. Für die Montage des Akustikbaus werden in Kürze drei weitere eingestellt und auch zusätzliche Kräfte gesucht. „Wir haben viel zu tun“, sagt Jens Bestmann – trotz Corona. Oder vielleicht auch gerade deswegen. In Zeiten des Homeoffices werden verstärkt Headsets geordert. Und für die Callcenter und großen Büroräume sei jetzt, wenn kaum Mitarbeiter in den Räumen arbeiten, die beste Zeit für die akustische Optimierung.

Gefragt sind seit Ausbruch der Pandemie auch Luftreiniger, die Bestmann schon davor im Angebot hatte. Vor Corona wurden sie eingesetzt, um Allergene zu beseitigen und Feinstaub, etwa in Nagelstudios. Heute stehen die Geräte auch in Schulen und Kindergärten, um Viren unschädlich zu machen. Der Umsatz, sagt Bestmann, sei von durchschnittlich sechs Millionen Euro in den Vorjahren auf zehn Millionen Euro 2020 gestiegen. Und es brumme weiter.

Arbeiten in der finnischen Meetingbox: Maurice Jakob nutzt den gläsernen Raum im Raum, der sich per UV-Licht nach der Benutzung selbst desinfiziert.

Ganz neu hat er Meetingboxen aus Finnland im Programm, in denen man sich im kleinen Kreis besprechen oder auch solo in Ruhe telefonieren kann. Die Glasboxen schirmen Geräusche komplett ab, besitzen eine innovative Lüftung, die auch Aerosole schnell ausleite. Der Clou: Nach dem Benutzen desinfiziere sich die Box über UV-Licht selbstständig. Entspannendes Vogelgezwitscher und Wasserplätschern gibt es in den Glaskästen allerdings nicht. (Norbert Müller)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.