Vom See zur Blühwiese 

Naumburger Freizeitsee: Wildnis muss wieder weichen

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Nur noch ein kleiner Tümpel: Am Zulauf des Naumburger Freizeitsees steht noch etwas Wasser, der Rest der sonst unter Wasser stehenden Fläche ist übers Jahr eingewachsen und zum Insektenparadies geworden. 

Der Naumburger Freizeitsee ist über die Jahre immer flacher geworden. Die Idee: Das Wasser ablassen und den Schlamm trocknen lassen. Bald rücken die Bagger an. 

Es brummt im Bereich des Naumburger Freizeitsees. Allerdings nicht etwa, weil dort der Bagger schon angerückt wäre, um, wie geplant, den Boden auszuheben.

Die Teichfläche an der Fritzlarer Straße, seit vergangenem November nahezu wasserfrei, präsentiert sich schon seit Monaten als grünes Insektenparadies. Üppiger Pflanzenwuchs mit unzähligen Blüten hat sich dort ausgebreitet, wo sich üblicherweise Barsche, Zander und kleine Weißfische im Wasser tummeln. Bienen summen durch die flirrende Hitze, dazu elegante Libellen und sonstige kleinen Flieger.

Naumburgs Bürgermeister Stefan Hable (CDU) ist sehr zufrieden mit der Entwicklung des Areals, seit das Wasser abgelassen wurde mit dem Ziel, dem Teich eine Verjüngungskur zu gönnen. Die Zufriedenheit des Verwaltungschefs hat aber weniger damit zu tun, dass sich zur Freude der Insekten ein naturnaher Wildwuchs ausgebreitet hat. Diese Entwicklung über die Sommermonate sei sicher ein schöner Nebeneffekt. Wichtiger aber ist, dass die Strategie von Stadt und Naumburger Angelsportverein zur Sanierung des Gewässers zu einem Großteil aufgegangen ist.

In den 1980ern angelegt 

Denn über die Jahrzehnte war der Freizeitsee, der Anfang der 1980er-Jahre angelegt worden war, vor allem durch den Eintrag von Laub immer flacher geworden. Die Wassermenge nahm in dieser Zeit deutlich ab, Teichpflanzen, gerade auch solche, auf die Angler wegen der ungünstigen Auswirkungen auf die Gewässerökologie gerne verzichten, nahmen zu. So entschied man seitens der Stadt in Absprache mit den Anglern, dass es an der Zeit sei, den Teich wieder zu vertiefen und den Boden auszubaggern.

Der Plan: Nach dem Ablassen des Wassers sollte der Teichboden über die Sommermonate austrocknen. Statt der geschätzten 1800 bis 2000 Kubikmeter Schlamm sollte letztlich deutlich weniger Substrat zum Abfahren übrig bleiben. „Wir liegen jetzt nach dem Sommer deutlich unter 1000 Kubikmeter“, sagt Hable zufrieden. In Kürze soll nun tatsächlich ein Bagger anrücken und in den trockengelegten Teich einfahren, um das Substrat auszuheben. 

50.000 Euro für das gesamte Projekt

Abgefahren werden soll der nährstoffreiche Boden dann von heimischen Bauern, die ihn auf landwirtschaftlichen Flächen ausbringen werden. „Der Zeitpunkt jetzt noch vor dem Ackern ist perfekt“, sagt Hable, der den Kompost auch für Kleingärten als bestens geeignet anpreist. „Das ist reines Pflanzenmaterial, reine organische Substanz. Wir haben das auch testen lassen.“

Innerhalb von zwei Tagen soll das Substrat ausgehoben sein. Danach werden die Uferbefestigungen erneuert. Über den Jahreswechsel soll der Teich mit Wasser befüllt werden, „im Frühjahr 2020 sollte alles fertig sein“, so der Bürgermeister. 50.000 Euro sind für das gesamte Projekt vorgesehen. Die Insekten werden dann die Fläche wieder den Fischen überlassen müssen.

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