Purpurrot und Gold - unübersehbar

Neue Vereinsfahne nach altem Vorbild für Naumburger Katholiken 

Stolz auf die neue Vereinsfahne: von links Vorsitzender Rolf Jacobi, erster Fahnenträger Christian Dux, stellvertretender Vorsitzender Reinhard Dux und Kassierer Ernst Willi Kamp. Foto:  Norbert Müller

Naumburg. Wenn die Naumburger Katholiken zu den Prozessionen ausziehen, ist die Fahne des Katholischen Bürgervereins immer dabei. Purpurrot und Gold, unübersehbar.

Hinter dem Fahnenträger versammeln sich die Mitglieder des Vereins, daran hat sich in den 136 Jahren des Vereinsbestehens bis heute nichts geändert.

Am kommenden Sonntag wird nach dem Hochamt, das um 10.45 Uhr in der Stadtpfarrkirche beginnt, die neue Fahne geweiht, Ersatz für ein Exemplar, dass irreparabel verschlissen ist. Kaum ein Fahnentuch hält so lange, wie der Bürgerverein inzwischen besteht, erst recht nicht, wenn es bei Wind und Wetter mitgeführt wird, und schon gar nicht, wenn die Aufbewahrung nicht optimal ist. Nach der Nutzung wurde die Fahne bislang im Turm der Kirche deponiert. Die Feuchtigkeit dort setzte dem Stoff zusätzlich zu. Die Beanspruchung bei den religiösen Umzügen, aber auch bei Beerdigungen von Vereinsmitgliedern, gab dem Banner des katholischen Vereins den Rest. Bereits zum zweiten Mal, denn die Urfahne, die abgewetzt und unzählige Male repariert erhalten ist, wurde in den 1970er-Jahren ausgetauscht.

Josefsfahne von 1882 

Das erste Exemplar, die sogenannte Josefsfahne, wurde 1882 angeschafft. „Um 1939 herum“, sagt der heutige Vereinsvorsitzende Rolf Jacobi, „ist sie abhanden gekommen und nach dem Krieg wieder aufgetaucht.“ Vermutlich hatte sie ein Mitglied des Bürgervereins während der Nazi-Zeit versteckt. Der Zustand nach dem Krieg, so Jacobi, sei desolat gewesen.

Zum 100. Geburtstag des Vereins im Jahr 1975 sei eine neue Fahne angeschafft worden. Aber, sagt Jacobi, vermutlich wegen des qualitativ schlechten Materials „hat sie nicht dauerhaft gehalten“. Sie musste immer wieder geflickt werden. Vor zwei Jahren machte man sich daran zu klären, ob das Tuch mit den Stickereien noch zu retten ist. Angebote wurden eingeholt mit dem Ergebnis: Neu ist besser, weil letztlich auch preisgünstiger.

Bei Paramentenstickereien in ganz Deutschland wurden angefragt, die Angebote reichten bis zu 9000 Euro für eine neue Fahne nach altem Vorbild mit allem Zubehör, sagt Vereinskassierer Ernst-Willi Kamp. Das günstigste Angebot kam ausgerechnet aus der direkten Nachbarschaft, aus Ippinghausen. Dort bekam Ilonka Petersohn den Auftrag, denn, so Kamp, „ihr Angebot war unschlagbar“. Gut 3500 Euro aus der Vereinskasse und mit Unterstützung von Spendern wurden investiert.

Wasserabweisender Stoff 

Nun also liegt das fertige Exemplar ganz nach Vorbild des Vorgängers vor, und der Vorstand ist mehr als zufrieden. Auf leuchtendem Rot auf der einen Seite ist das Wappen des Vereins mit Herz, Kreuz und Anker aufgestickt, auf der anderen Seite auf gelbgoldenem, wasserabweisendem Stoff das Stadtwappen und der Spruch „Religion und Arbeit ist der goldene Boden des Volkes“.

„Es ist ein Stück, das zur Tradition und unserer Vereinsgeschichte gehört“, betont Vorsitzender Jacobi. Es fehle nur noch die Weihe durch Stadtpfarrer Johannes Kowal am kommenden Sonntag.

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