Gesellig bis ins hohe Alter

Naumburger Landärztin Dr. Elisabeth Hartmann feiert 100. Geburtstag

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War als Landärztin über Jahrzehnte eine feste Größe in Naumburg und Umgebung: Dr. Elisabeth Hartmann. Die 100-Jährige lebt gut umsorgt zuhause unter einem Dach mit ihrer Tochter.

Naumburg. Am Donnerstag, den 5. April, wird im Haus der Hartmanns in Naumburg viel Besuch erwartet: Dr. med. Elisabeth Hartmann wird 100.

"Sie lebt auf, wenn Besuch hier ist“, sagt Brigitte Hartmann über ihre Mutter Elisabeth. Am heutigen Donnerstag, den 5. April, wird im Haus der Hartmanns in Naumburg viel Besuch erwartet: Dr. med. Elisabeth Hartmann wird 100, und da werden auch die beiden Söhne, sechs Enkel und sechs Urenkel anreisen, um zu gratulieren und gemeinsam zu feiern.

Sehr gesellig und unternehmungslustig war die Mutter bis ins hohe Alter, erzählt Brigitte Hartmann. Die Eltern seien häufig bei Freunden eingeladen gewesen, oft fanden die kleinen Gesellschaften auch im Haus der Hartmanns statt. Die Erinnerungen daran, die der 61-jährigen Tochter noch so gegenwärtig sind, haben bei der Jubilarin in den vergangenen beiden Jahrzehnten zunehmend nachgelassen und sind inzwischen nahezu völlig verloren gegangen, sagt Brigitte Hartmann.

In Frankfurt aufgewachsen

Erinnerungen, wie die an die Kindheit und Jugend in Frankfurt, wo Elisabeths Vater die Stadtkasse verwaltete. In der Mainmetropole, an der sie so hing, wuchs die Jubilarin auf, machte ihr Abitur und begann mit dem Medizinstudium. Nach dem Examen im Sommer 1942 wurde sie verpflichtet, nach Naumburg zu gehen, um dort einen 75-jährigen, stark überlasteten Mediziner in dessen Landarztpraxis zu unterstützen.

Auf die nordhessische Provinz hatte die junge Ärztin allerdings überhaupt keine Lust. Sie beschwerte sich über die Abordnung. Das Ergebnis: Druck durch die Behörde und der unmissverständliche Hinweis, dass für sie kein Weg an Naumburg vorbeiführt.

Am 2. November 1942 kam die 24-Jährige mit der Kleinbahn in Naumburg an und machte sich in der Praxis von Dr. Eduard Hartmann an die Arbeit. Die Hoffnung, bald wieder in ihre Heimatstadt Frankfurt zurückkehren zu können, begleitete sie nahezu täglich, vielleicht auch besonders in solchen Situationen wie jener, als sie im tiefsten Winter auf einfachen Ski zum Hausbesuch Richtung Waldeck ins zehn Kilometer entfernte Böhne aufbrach.

Im Sprechzimmer: Das Foto aus dem Jahr 1942 zeigt die junge Ärztin an ihrem Schreibtisch in der Praxis Dr. Hartmann in Naumburg.

Bald lernte die junge Frau Dr. Robert Hartmann, den ältesten Sohn ihres Arbeitgebers, kennen, der als Arzt seinen Militärdienst leistete. Sie wurden ein Paar, heirateten 1944. Ein Jahr später wurde der erste Sohn geboren, 1949 der zweite. Inzwischen hatte das Ehepaar die Praxis übernommen. Das gemeinsame Glück währte nicht lange. 1951 starb Dr. Robert Hartmann 35-jährig, im selben Jahr auch sein Vater.

Heirat im Jahr 1954

Roberts jüngerer Bruder Walter, der in der Schweiz Medizin studierte, kam daraufhin nach Naumburg zurück, um die Familie zu unterstützen und die Praxis weiter zu führen. Dr. Walter Hartmann und die junge Witwe kamen sich näher, 1954 läuteten die Hochzeitsglocken, 1956 wurde Tochter Brigitte geboren.

Bis zum Jahr 1988 hat das Ehepaar die Praxis gemeinsam betrieben, dann übernahm Brigitte Hartmann den Arztsitz der Mutter, die in den Ruhestand wechselte und mehr Zeit hatte für ihre Interessen jenseits der Medizin: Reisen, Sprachen und die Kunst. Innerhalb Deutschlands waren Elisabeth und Walter Hartmann gerne im eigenen Sportflugzeug unterwegs. „Der Vater ist gerne geflogen, die Mutter gerne gereist, das hat sehr gut gepasst“, sagt Tochter Brigitte.

Vater Walter, der 2013 im Alter von 91 Jahren gestorben ist, habe die heutige Feier vorausgesehen. „Du wirst mal 100“, habe er mehr als nur einmal zu seiner Gattin gesagt. Woran er das festgemacht hat, weiß Brigitte Hartmann nicht zu sagen. 

Gab es ein besonderes Rezept zum Altwerden? „Sie hat gesund gelebt.“ Nicht geraucht, gerne mal ein Gläschen Rotwein getrunken. „Außer der Demenz hat sie nichts“, sei körperlich noch recht fit. Dass sie immer „sehr gesellig und sehr umtriebig“ gewesen sei, mag auch eine Rolle gespielt haben, dass sie ein so hohes Alter erreicht hat.

Am heutigen 100. Geburtstag wird Dr. Elisabeth Hartmann jedenfalls ganz in ihrem Element sein. Denn an diesem Ehrentag, an dem zuhause gefeiert wird, daran lässt Tochter Brigitte keinen Zweifel, „ist richtig was los“.

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