Bedrohte Vogelart

Naumburger Landwirt unterstützt die Feldlerche mit Landebahnen

Blanke Erde: Auf seinem 3,5 Hektar großen Acker bei Altenstädt hat Landwirt Axel Römer (links) sechs Lücken in der Wintergerste für die im Bestand bedrohte Feldlerche gelassen. Er hofft auf Nachahmer bei seinen Berufskollegen. Der Aufwand, sagt er, sei gering. Fotos:  Norbert Müller

Naumburg. Naturschutz kann auch in der konventionellen Landwirtschaft ganz einfach sein. Der Naumburger Landwirt Axel Römer zeigt, wie es geht.

Feldlerchen und Landwirte haben einiges gemeinsam. Unter anderem die Flächen im freien Gelände, die für die Lerche Lebensraum ist, für den Bauern der Boden für seinen Broterwerb. Der in der Feldflur so charakteristisch zwitschernde Vogel ist allerdings zunehmend eine Seltenheit, inzwischen sogar regional vom Aussterben bedroht. Hauptgrund ist der verstärkte Anbau von Wintergetreide. In der Brutphase ist das Getreide meist schon so hoch gewachsen, dass die Feldlerche im dichten Grün kaum noch freie Stellen für ihr Nest und zur Nahrungssuche findet. Sie baut deshalb verstärkt in den Fahrspuren der Landwirte, und dort wird das Gelege zur leichten Beute für Fuchs, Waschbär und Wiesel.

Laut Thomas Fingerling, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Wolfhagen-Naumburg, gebe es Erhebungen, die einen deutschlandweiten Bestandsrückgang der Feldlerche in der Zeit von 1998 bis 2015 von 20 Prozent belegen. „In Hessen haben wir sogar ein Minus von 45 Prozent“, sagt Fingerling.

Dagegen könne jeder Landwirt mit geringem Aufwand etwas tun, ist der Naumburger Landwirt Axel Römer überzeugt. In diesem Jahr leistet er erstmals seinen Beitrag für den Schutz der Feldlerche, indem er Lücken in seinem Getreidebestand gelassen hat. Der 36-Jährige beschreibt die Fenster auf seinen Äckern als eine Art Landebahn für die Piepmätze. „Insgesamt habe ich gut 30 Fenster willkürlich auf 15 Feldern in der Gemarkung von Naumburg und Altenstädt angelegt“, erklärt Römer.

Das Anlegen der Lücken sei denkbar einfach. Bei der Einsaat wird die Drillmaschine kurz ausgeschaltet, und zwar an Stellen, die möglichst weit entfernt von den Fahrgassen liegen, auf denen die Beutegreifer gern unterwegs sind. An die 20 Quadratmeter groß mögen die Kahlstellen wohl sein.

Für Axel Römer ist es ein vertretbarer Aufwand, mit dem man als konventionell wirtschaftender Landwirt seinen Beitrag zum Naturschutz leisten könne. Durch die 30 Lerchenfenster, die er nun angelegt hat, werde er einen überschaubaren Mindererlös haben. „Zusammen macht das vielleicht 200 Euro aus.“

„Rein technisch“, sagt er, hätten die ausgesparten Stellen auf die Betriebsabläufe nach dem Einsäen des Ackers keinerlei Auswirkungen. „Ich mache mit Düngung und Pflanzenschutz ganz normal weiter. Denn wenn Brutzeit ist, ist das schon abgeschlossen.“

Nach seiner Einschätzung ist er der Einzige, der im Wolfhager Land solche Lerchenfenster angelegt hat. Dabei sei die Sache nicht neu. Ein entsprechendes Projekt wurde schon vor Jahren in Großbritannien entwickelt. Er sei mehr oder weniger durch Zufall darauf gestoßen..

„Mein Ziel ist es, dass ich nächstes Jahr zehn Felder anlege und andere Berufskollegen auch ein paar. Dann verteilt sich das auf mehreren Schultern.“ Und so außergewöhnlich findet Römer dann letztlich sein Einsatz für die Lerche gar nicht, denn: „Wir müssen miteinander auskommen und uns gegenseitig helfen.“

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