Corona hat  die Kreativität von Wolfgang Heinisch beflügelt

Naumburger Unternehmer investiert trotz Krise

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Die Not hat ihn motiviert: Der Naumburger Wolfgang Heinisch hat für sein Unternehmen neue Geschäftsfelder erschlossen. 

Naumburg – Das Wort Corona verbindet Wolfgang Heinisch mit Wut. Wut etwa gegenüber all jenen, die die Pandemie als Alibi für den Abbau von Arbeitsplätzen oder für mangelnde Aktivitäten nutzen.

Dinge, die dem Mitbegründer und Geschäftsführer der Naumburger Firma Egin-Heinisch niemals in den Sinn kämen, hat er schließlich nach anfänglicher Unsicherheit schnell erkannt, dass es viel sinnvoller ist, die Krise als Chance zu sehen.

„Corona hat unser wirtschaftliches und soziales Leben entschleunigt und uns Zeit zum Nachdenken und Verweilen gegeben“, sagt Heinisch, der sich mit seinem Unternehmen auf die Reparatur und Wartung von Motorspindeln spezialisiert hat. Nicht nur auf das gesellschaftliche Miteinander hat das Virus seiner Meinung nach Auswirkungen, sondern auch auf betriebliche Prozesse: „Unternehmer werden jetzt an die Grenzen ihrer Fähigkeiten und Professionalität geführt, eine Herausforderung, die es zu meistern gilt.“ Seine persönliche Herausforderung habe zu Beginn der Krise darin bestanden, „erschreckend negativ“ zu denken und seine rund 100 Mitarbeiter dabei dennoch positiv zu motivieren. „Wir haben sehr schnell und sehr früh auf die Bedrohung reagiert, denn wir wussten, dass da etwas Großes auf uns zukommt“, so der Naumburger Unternehmer. „Was genau, konnten wir nicht beschreiben und die Ausmaße nicht umreißen, aber wir wussten, dass wir Handeln mussten.“

Als er Anfang März schließlich die ersten Corona-Maßnahmen im Unternehmen einführte, 60 Hygienespender mit Desinfektionsmittel installierte, Vitamin-C-Tabletten verteilte und sein Team aufforderte, Abstand zu halten und soziale Kontakte zu reduzieren, seien viele seiner Mitarbeiter noch „seltsam berührt“ gewesen, doch das habe sich schnell gewandelt. Persönlicher Kontakt via Skype und Telefon seien zwischen Kurzarbeit und Home-Office schnell zur Selbstverständlichkeit geworden, das Team noch enger zusammengerückt und die Krankenstände in den vergangenen zwei Monaten nicht umsonst entgegen des bundesweiten Trends um mehr als 30 Prozent zurückgegangen.

Damit nicht genug, haben Heinisch und seine Frau Berna Egin-Heinisch ihr langfristiges, strategisches Denken verändert und angepasst. „Wir haben für unser Unternehmen neue Geschäftsfelder entdeckt und widmen uns in einer neuen Abteilung bis Ende des Jahres der Instandsetzung von E-Motoren von Tesla und Co. „Die nötige Krisenliquidität habe er sich mithilfe eines KfW-Unternehmerkredits im Rahmen der Corona-Hilfen gesichert. 90 Prozent des Risikos übernimmt dabei die KfW-Förderbank, zehn Prozent Heinischs Hausbank. Diese Finanzspritze bedeutet für das weltweit agierende Unternehmen auch Zukunftssicherung, um nach der Krise weiter bestehen zu können. „Wir müssen liquide sein, um unsere Aufgaben zu bewältigen, leistungsfähig zu bleiben und Arbeitsplätze zu sichern“, sagt Heinisch, der von einer „wirtschaftlichen Furche“ ausgeht, die die Krise hinterlassen wird. Der Kredit sei für ihn neben Kurzarbeit ein Mittel, um Reserven zu schaffen. Gepaart Optimismus blicke er deshalb durchaus positiv in die Zukunft: „Corona hat das Umdenken eingeleitet“, gibt er sich überzeugt. „Vieles ist heute anders und sogar besser als vor Corona.“

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