Runderneuerung

Neue Heimat für den Hecht: Sanierung des Naumburger Stadtteichs mit Fischbesatz fertig

Ab in die Freiheit: Martin Draude, Vorsitzender des Angelsportvereins Naumburg, beim Einsetzen von Rotfedern und Rotaugen in den runderneuerten Teich.
+
Ab in die Freiheit: Martin Draude, Vorsitzender des Angelsportvereins Naumburg, beim Einsetzen von Rotfedern und Rotaugen in den runderneuerten Teich.

Es hat lange gedauert vom Start der Sanierung des Naumburger Stadtteichs an der Fritzlarer Straße bis zum eigentlichen Abschluss des Projekts mit dem Besatz neuer Fische.

Naumburg – Drei Jahre nach Beginn des Projekts zur Runderneuerung des Gewässers haben jetzt Mitglieder des Angelsportvereins Naumburg junge Fische im Wasser ausgesetzt.

Heimische und zum Teil auch gefährdete Arten habe man ausgewählt, erklärt Dr. Martin Draude, Vorsitzender des Angelsportvereins Naumburg: 200 Kilo Rotaugen und Rotfedern, dazu 150 Schleien, 20 Hechte, 300 Bitterlinge und schließlich auch 200 Teichmuscheln.

Bitterlinge und Teichmuscheln zählen zu den gefährdeten Arten, die im übrigen perfekt zusammenarbeiten, sagt Draude. Der Bitterling, erklärt der Vereinsvorsitzende, lege seine Eier in der Teichmuschel ab, in der die Bitterlingslarven vor Feinden gut geschützt seien. Wenn diese dann ausschwimmen, nehmen sie winzige Muschellarven mit und verteilen diese im See. Fisch und Muschel sind aufeinander angewiesen: Die Bitterlinge können sich ohne die Teichmuschel nicht vermehren, und die Teichmuscheln können auf diese Weise ihren Muschelnachwuchs an Orte im Gewässer bringen, an denen sie ohne die Bitterlingstransporter nicht gelangen könnten.

Im Blick hatten die Angler bei der Auswahl des Besatzes auch das biologische Gleichgewicht des Teichs. Das nämlich soll sich im Vergleich zur Situation vor der Sanierung wieder einpendeln.

Als im November 2018 die Sanierung mit dem Ablassen des Wassers und dem damit verbundenen Abfischen begann, tummelten sich im Wasser vor allem Karpfen, Zander, Barsche und kleinere Weißfische. Räuberische Hechte hatten die Angler zwar auch vermutet, gefunden wurde aber kein einziges Exemplar.

Gehören zum Ökosystem: Teichmuscheln.

Es war aber nicht der Mix der Arten, der den Ausschlag zur Erneuerung des in den frühen 1980er-Jahren angelegten Gewässers auf der früheren Ochsenwiese gegenüber der Teichmühle gab. Über die Jahre hatte die Sedimentschicht am Boden stark zugenommen. Einst brachte es der Teich auf eine maximale Tiefe von gut 2,50 Meter. Knapp 35 Jahre später waren es gerade noch 1,50 Meter.

Aber nicht nur der Schlamm war zu einer Belastung geworden. Da waren auch Pflanzen wie das Krause Laichkraut, das tagsüber Sauerstoff produziert und ihn nachts verbrauche, wie Martin Draude sagt. Derartige Schwankungen bereiten für die Fische Stress. Vor allem aber brachte das Kraut, das die Angler regelmäßig mechanisch dezimierten, den Teich immer wieder an den Punkt, wo er durch Sauerstoffmangel zu kippen drohte.

Für die Fische hätte das fatale Folgen gehabt. Die Stadt Naumburg stellte für die Sanierung des Gewässers 50 000 Euro im Haushalt zur Verfügung. Im Jahr nach dem Ablassen des Wassers lag der Teich brach, die Sonne, so der Plan, sollte das Schlammsubstrat austrocknen und damit die letztlich auszubaggernde Masse deutlich reduzieren. Der Plan ging auf. Letztlich wurden knapp 1000 Kubikmeter abgefahren.

Eine in Deutschland stark gefährdete Art: der Bitterling. Gut 300 Exemplare wurden im Teich ausgesetzt.

Rund um den See wurde die in die Höhe geschossene Vegetation in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde gestutzt, die Teichränder zum Teil neu aufgebaut. Im Spätsommer vergangenen Jahres wurde das Teichbecken geflutet. Mit dem neuen Besatz ist der Teich nun wieder komplett.

Bis allerdings die Mitglieder des Angelsportvereins, der den Teich gepachtet hat, wieder ihrem Hobby nachgehen können, wird es noch eine Weile dauern. „Jetzt muss sich der Fischbestand erst mal etablieren und vermehren. Und die Fische müssen wachsen“, so Martin Draude. Zwei drei Jahre werde es wohl noch dauern, ehe am Naumburger Stadtteich wieder geangelt werden könne. (Norbert Müller)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.