Stiftung des HNA-Verlegers Ippen unterstützt Stadtkapelle mit Spende

Naumburg: Orchester ohne Spielgelegenheit

Ab in die Tuba: Mit 3000 Euro unterstützt die Ippen Stiftung die durch die Corona-Pandemie ausgebremste Naumburger Stadtkapelle. HNA-Redakteur Norbert Müller überreichte die Spende auf dem Naumburger Marktplatz an den Vorsitzenden der Stadtkapelle, Martin Draude (links) und des zweiten Vorsitzenden, Matthias Giesewetter (Mitte).
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Ab in die Tuba: Mit 3000 Euro unterstützt die Ippen Stiftung die durch die Corona-Pandemie ausgebremste Naumburger Stadtkapelle. HNA-Redakteur Norbert Müller überreichte die Spende auf dem Naumburger Marktplatz an den Vorsitzenden der Stadtkapelle, Martin Draude (links) und des zweiten Vorsitzenden, Matthias Giesewetter (Mitte).

Wegen der Corona-Pandemie hat die Naumburger Stadtkapelle seit fast einem Jahr keine Auftritte und damit auch keine Einnahmen mehr. Eine Spende der Ippen-Stiftung verschafft den ehrenamtlich engagierten Musikern Luft.

Naumburg – Die Naumburger Stadtkapelle hat in ihrer fast 100-jährigen Geschichte schon einige schwierige Situationen überstanden. Dass ihr wegen einer Pandemie schlagartig alle Auftrittsmöglichkeiten und damit auch die Einnahmen zur Finanzierung wegbrachen, ist eine ganz neue Erfahrung. Inzwischen drückt das beliebte Blasorchester Existenzsorgen. Da kommt die Spende von der Stiftung des HNA-Verlegers Dr. Dirk Ippen in Höhe von 3000 Euro gerade zum richtigen Zeitpunkt, um die Nöte etwas abzufedern.

Auf dem Naumburger Marktplatz überreichte HNA-Redakteur Norbert Müller die Spende an den Vorsitzenden der Kapelle, Dr. Martin Draude, und dessen Vize, Matthias Giesewetter. Alles ganz coronakonform: an der frischen Luft und mit dem nötigen Abstand. Dazu hatten die beiden Musiker eine Tuba mitgebracht, deren Schalltrichter sich förmlich für die kontaktlose Übergabe aufdrängte.

Die Freude bei den Vertretern der 62 Stadtkapellen-Musikanten war jedenfalls groß, schließlich ist derzeit noch nicht absehbar, wann das Ensemble wieder auftreten kann. Das letzte Mal war die Kapelle im vergangenen Jahr beim Rosenmontagszug in Naumburg am Start, seitdem ist Ruhe: keine Konzerte, keine Umzüge, keine Ständchen und damit eben auch keine Einnahmen.

Kosten für Versicherungen, vor allem aber die intensive Jugendarbeit laufen jedoch weiter. Die Naumburger Stadtkapelle, die schon immer großen Wert darauf legt, den eigenen musikalischen Nachwuchs gut ausbilden zu lassen, lässt diesen für sie und die Musikschüler so wichtigen Part auch während des Lockdowns nicht schleifen. Die Jungen und Mädchen erhalten derzeit online Unterricht. Lehrer und Schüler sind dann per Computer miteinander verbunden. Die Kosten für die von der Stadtkapelle engagierten externen Ausbilder teilen sich Kapelle und Eltern.

Gegründet wurde die Kapelle 1925 unter dem Dach des katholischen Bürgervereins. Der Grund hatte seinerzeit weniger mit Klang als vielmehr mit Optik zu tun: Bislang hatte die katholische Kirchengemeinde in Naumburg zur musikalischen Begleitung der sakramentalen Prozessionen am Pfingst- und Fronleichnamsfest, zum Turmblasen und auch zum Kirchweihfest immer Musiker gegen Bezahlung angeheuert. Die Truppe bestand aus Bläsern, die in Nachbardörfern wohnten und offenbar weniger Wert auf angemessene Kleidung legten. Das jedenfalls legen die Aufzeichnungen aus der Vereinschronik nahe. Dort ist auch festgehalten, dass das Verhalten der unter Vertrag genommenen Instrumentalisten während der kirchlichen Termine immer wieder für Ärger und Unmut seitens der Naumburger Katholiken sorgte.

Also gründete man den „Posaunenchor des Katholischen Bürgervereins“ mit Anfängern aus den eigenen Reihen, die innerhalb von einem halben Jahr schon so fit an ihren Instrumenten waren, dass sie die erste Prozession begleiten konnten. Den sperrigen Namen der ersten Jahre tauschte man später, als man auch immer öfter bei weltlichen Anlässen mit entsprechendem Repertoire gefragt war, gegen den bis heute gängigen ein.

Die gravierendsten Einschnitte erlebte die Kapelle während des Zweiten Weltkriegs, als das Orchester durch die Einberufung vieler ihrer Musiker zum Militärdienst stark dezimiert war und die kleine Restgruppe auch nur noch zu wenigen kirchlichen Anlässen spielen durfte.

Nach dem Krieg fand die Naumburger Stadtkapelle dank des großen ehrenamtlichen Einsatzes ihrer Mitglieder zu neuer Stärke. Und genau dieses ehrenamtliche Engagement, das die Stadtkapelle bis heute trägt, will die Ippen Stiftung mit der finanziellen Unterstützung würdigen. (Norbert Müller)

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