Zeitreise mit Armee aus Plastik

Bei Playmobil-Ausstellung wird Geschichte lebendig

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Eine eigene kleine Welt: Jürgen Kleinhans hat sich neben seinem Eigenheim ein kleines Häuschen nur für seine Playmobil-Leidenschaft gebaut, die auch von seiner Freundin und seiner achtjährigen Tochter – in etwas milderer Form – geteilt wird.

Balhorn/Naumburg. Nächste Woche gibt Jürgen Kleinhans den Marschbefehl nach Naumburg. Kleinhans ist gewissermaßen der Oberbefehlshaber der kleinen Armee aus unzähligen Playmobil-Figuren, die bei einer großen Ausstellung am 29. und 30. September im Naumburger Haus des Gastes gezeigt werden.

Gut zwei Jahre hat sich der 46-jährige Balhorner vorbereitet. Er organisiert die Veranstaltung, zu der auch Aussteller aus dem angrenzenden Ausland kommen werden. Insgesamt 24 Dioramen, also themenbezogene Szenen, werden die Teilnehmer den Besuchern präsentieren. Kleinhans hat sich für ein geschichtliches Thema mit regionalem Bezug entschieden: Die Beteiligung nordhessischer Soldaten am Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg.

„Ich habe mich für diese Epoche schon immer interessiert“, sagt er. Vor einigen Jahren schon, als er sich eingehender mit der Geschichte der eigenen Familie beschäftigte, hat er dann im Marburger Staatsarchiv geforscht und ist auf Listen der beteiligten Soldaten gestoßen. Die kann man auch online abrufen, sortiert nach Herkunftsort.

So hat er sich die Rekrutierungslisten aus den Städten und Dörfern des Wolfhager Landes besorgt, um sie mit dem eigenen Stammbaum abzugleichen. Dabei hat er auch festgestellt, dass aus einem kleinen Dorf wie Bründersen vergleichsweise viele junge Männer für den Krieg in Amerika rekrutiert wurden, aus Naumburg aber mit nur zehn Personen auffällig wenige. Die Landgrafschaft Hessen-Kassel stellte mit fast 17 000 Soldaten das größte Kontingent aller deutschen Kleinstaaten.

Über jeden einzelnen Rekruten gibt es kurze Notizen, wann und wo er eingezogen wurde, zu welchem Regiment er gehörte, die Lebensdaten und auch Hinweise auf sein Schicksal. So ist bei Jeremias Gerhold aus Bründersen notiert, dass er sich selbst angeschossen hat und so zu Tode kam. Und Johann Sternberg aus Naumburg, der im März 1779 rekrutiert wurde, sah Amerika nie. Er starb während der Überfahrt auf dem Schiff.

Jürgen Kleinhans fand das alles so spannend, dass er das Thema Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg für sein Diorama während der Ausstellung in Naumburg auswählte. Gemeinsam mit drei Freunden aus der Playmobil-Szene – aus Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz – wird er auf 15 zusammengestellten großen Tischen Szenen aus dem Leben der Hessen im fernen Amerika gestalten.

Gut 500 Playmobilfiguren werden dann aufmarschieren, alle aus dem großen Bestand des Balhorners und seiner drei Freunde. Komplett neu zusammengesetzt, mit extra angefertigten Brustaufklebern bestückt. „Die Figuren gibt es so nicht zu kaufen“, sagt Kleinhans, der beruflich als Außendienstler für Betonerzeugnisse unterwegs ist. Die Anordnung der Figuren wird sich trotz Vorplanung erst beim Aufbau endgültig ergeben. „Es werden bei uns keine Kampfszenen dargestellt“, sagt Kleinhans, „wir zeigen das Alltagsleben der Soldaten im Lager und im Wald“, so wie es in der Zeit zwischen 1775 und 1783 ausgesehen haben könnte.

Nach der Ausstellung in Naumburg wird sich Jürgen Kleinhans an die Vorbereitung des nächsten Projekts machen. Wieder eine Kombination aus Geschichte und Playmobil: Im Staatsarchiv Marburg gibt es eine Katasterkarte von Balhorn aus dem Jahr 1734. Die wird er mit seinen Playmobil-Häusern nachstellen und im Januar in Kooperation mit dem Kulturverein im Balhorner Dorfgemeinschaftshaus zeigen.

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