Helfer vor Ort in Naumburg

Schnelle Truppe des DRK hilft seit zehn Jahren

Jederzeit einsatzbereit: die Gruppe der Naumburger Helfer vor Ort auf dem Naumburger Marktplatz. Drei aktuelle Mitglieder fehlen auf dem
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Jederzeit einsatzbereit: die Gruppe der Naumburger Helfer vor Ort auf dem Naumburger Marktplatz. Fünf aktuelle Mitglieder fehlen auf dem Foto.

Für das Deutsche Rote Kreuz (DRK), vor allem aber die Menschen in Naumburg und den Stadtteilen ist es eine Erfolgsgeschichte: Vor zehn Jahren begann das DRK in Naumburg damit, das sogenannte Helfer-vor-Ort-System aufzubauen.

Naumburg - Inzwischen sind 20 Frauen und Männer Teil der schnellen Truppe, die bei medizinischen Notfällen, bei denen auch der Notarzt mit von der Partie ist, von der Leitstelle in Kassel mitalarmiert wird. Ihr Vorteil gegenüber dem öffentlichen Rettungsdienst, der im Bereich der Stadt Naumburg überwiegend von den Rettungswachen in Balhorn und Wolfhagen anfährt, der Notarzt von der Wolfhager Klinik: Die Helfer vor Ort (HvO) wohnen in der Nachbarschaft der Notfallpatienten, verfügen über beste Ortskenntnisse und sind in kürzester Zeit – im Schnitt in ein bis drei Minuten – beim Patienten, um qualifizierte Hilfe zu leisten und damit die Zeit zu überbrücken, bis Rettungswagen und Notarzt eintreffen.

Wie wichtig der Zeitfaktor ist, macht Timo Jassmann deutlich, der als Bereitschaftsleiter des DRK in Naumburg das Helfer-vor-Ort-System aufgebaut hat: Die Überlebenswahrscheinlichkeit bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand sinke in jeder Minute um zehn Prozent. Unabhängig davon treten nach drei Minuten Sauerstoffunterversorgung des Gehirns die ersten irreparablen Schäden ein, was im Übrigen nicht nur beim Kreislaufstillstand, sondern auch bei Bewusstlosigkeit, Schlaganfällen, Krampfanfällen, Herzinfarkt und schweren Unfällen gelte. Der schnelle Einsatz der bestens ausgebildeten Helfer vor Ort bringe oftmals lebensrettende Erste-Hilfe bis zum Eintreffen des öffentlichen Rettungsdienstes, der in Hessen laut Gesetz innerhalb von zehn Minuten am Notfallort sein muss. Allerdings könne die Frist nicht immer eingehalten werden, beispielsweise, wenn die Fahrzeuge gerade andernorts im Einsatz sind.

Ende August 2011 gingen die ersten sieben Helfer in Naumburg und den Stadtteilen Elbenberg und Altendorf an den Start. Und seither wird das HvO-System rund um die Uhr, an 365 Tage im Jahr ehrenamtlich gestellt. Die Helfer fahren zu Einsätzen mit ihrem Privat-Pkw – ohne Blaulicht und Martinshorn. Jeder hat seine eigene Notfalltasche. Zusätzlich gibt es in jedem Stadtteil mindestens einmal einen Automatischen-Externen-Defibrillator, ein Sauerstoffsättigung-Messgerät sowie ein Sauerstoffbehandlungsgerät.

Aktuell sind 20 Helfer Teil der schnellen Truppe – vom Sanitäter (Mindestqualifikation) über Rettungssanitäter bis zum Notfallsanitäter – die alle Naumburger Stadtteile abdecken, erläutert Timo Jassmann. Zusätzlich übernehmen die Helfer aus Heimarshausen noch den Fritzlarer Stadtteil Züschen. Rund 70 bis 90 Einsätze werden inzwischen pro Jahr absolviert, in den vergangenen zehn Jahren waren es bislang 589 Einsätze.

Meist gehe es dann um akute Störungen der Lunge (zum Beispiel wegen Asthma oder allergischen Reaktionen), des Herzens (Infarkt, Rhythmusstörungen), Bewusstlosigkeit (Unterzuckerung, Schlaganfall, Krampfanfall, Sturz) oder Herz-Kreislauf-Stillstand nach einem Herzinfarkt oder einer Lungenembolie).

Zu den Helfern in Naumburg gehören: Timo Jassmann, Patricia Jassmann, Lisa Neudert, Paula Göring, Ingo Armbrust, Simon Kuhaupt. Elbenberg: Robert Lenz, Henning Lenz, Philipp Schäfer, Andreas Eckschlager. Altenstädt: Jens Homburg, Simone Kowalzik, Marvin Abel, Diana Weide. Altendorf: Tino Credé, Fabian Credé, Jessica Hölscher, Marco Ebert. Heimarshausen: Mario Monin, Julika Terlinden. Weitere Interessierte sind gerne gesehen.

Das Helfer-vor-Ort-System gibt es im Wolfhager Land inzwischen auch in Zierenberg und Breuna. (Norbert Müller)

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