Verschalung nicht gerechtfertigt

Schröder-Heim soll verkleidet werden: Altenstädter protestieren gegen Bretterkiste

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Eingerüstet und grüne Netze vor den Gefachen: Die Westseite des Schröder-Heims ist bereits für die Verschalung vorbereitet. Zu den Kritikern einer Verkleidung zählen Manfred Jacob (2. von links) und Bernd Ritter (2. von rechts). In der Mitte mit Vollbart Restaurator Jochen Siebert.

Altenstädt. In der Altenstädter Bevölkerung regt sich Widerstand gegen den Beschluss des Kirchenvorstands, das Fachwerk des Heinrich-Schröder-Heims an Nord- und Westseite mit Holz zu verschalen.

Eine Lattung mit unbehandeltem Holz, das zunehmend ergraut, das könne man sich an dem historischen Gebäude, das zusammen mit der Kirche die Optik des Ortsmittelpunktes prägt, beim besten Willen nicht vorstellen, sagt Manfred Jacob, der die Funktion des Sprechers der Kritiker übernommen hat. Das Haus sei in den 1970er-Jahren von einer Eternitverkleidung befreit worden, dann 2001 im Zuge der Dorferneuerung vorbildlich und für viel Geld saniert worden. „Es wurde zu einem der schönsten Gebäude Altenstädts“, so Jacob, und das solle es auch bleiben. Das Schröder-Heim dürfe nicht zu einer „Bretterkiste“ verkommen.

Nicht gerechtfertigt 

Sicher ergebe sich an einem Haus über die Jahre immer wieder Sanierungsbedarf, das zeige der abgefallene Putz an einem Gefach an der Nordseite. Man bezweifele jedoch, dass die gesamte Nord- und Westfassade in einem derart schlechten Zustand sei, der eine Verschalung rechtfertige.

Unterstützung bekommen die Altenstädter von Restaurator Jochen Siebert, seit 20 Jahren in der Fachwerksanierung tätig. Zwar habe er die Gefache nicht vom Gerüst aus untersucht, es sei aber „augenscheinlich“, dass sich die Fassaden angesichts einer Sanierung, die 15 Jahre zurückliege, „in einem sehr guten Zustand sind“. Den einzige Vergang könne man im Bereich des kleinen Giebels an der Westseite erkennen. Eine Verkleidung mit Lärchenholz habe den Vorteil, dass man auf längere Zeit keine Arbeit mehr mit der Wand habe und dadurch Geld spare.

Geld aus Vermietung 

„Für die kommenden fünf Jahre ist das Geld ja erstmal gesichert“ angesichts der Vermietung des Hauses als Flüchtlingsunterkunft an den Kreis, sagte Bernd Ritter. Der frühere Ortsvorsteher kritisiert zudem die mangelnde Transparenz im Entscheidungsprozess für die Verschalung. „Die Sanierung des Hauses wurde ja auch öffentlich gefördert, da wünscht man sich frühere Gespräche auch mit dem Ortsbeirat.“

„Wir haben es falsch eingeschätzt“, sagt Pfarrer Stefan Kratzke. „Wir haben nicht erwartet, dass es so eine Woge der Entrüstung losgehen lässt“, damit habe man seitens des Kirchenvorstands nicht gerechnet. Es sei offensichtlich ein Fehler gewesen, das Thema der Fassadenverkleidung am Altenstädter Heinrich-Schröder-Heim nicht öffentlich zu behandeln.

Pfarrer Kratzke betont, dass die Entscheidung für die Verschalung noch nicht festgezurrt sei. „Wenn wir uns für die Fachwerksanierung entscheiden, müssen wir aber sehen, wie wir den Fehlbetrag zusammenkriegen.“ Von der Landeskirche werde man nur das Geld für die günstigste Variante, das Verschalen, erhalten: 20 000 Euro.

Um noch zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen, lädt der Pfarrer alle Interessierten zu einer öffentlichen Gemeindeversammlung ins Heinrich-Schröder-Haus ein. Sie beginnt am Dienstag, 12. April, um 19.30 Uhr. Dort will Kratzke informieren und die Gründung eines Förderkreises anregen. Der sollte sich federführend darum bemühen, das fehlende Geld für die Fachwerksanierung zu beschaffen.

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