Plausch am offenen Fenster

Sicherer Kontakt für Bewohner und Besucher im Seniorenwohn- und Pflegeheim Haus am See

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Einmal pro Woche von Angesicht zu Angesicht: Waltraut von der Warth trifft sich mit Tochter Karin Warner am Besucherfenster des Hauses am See in Naumburg, wo die Seniorin seit sieben Jahren wohnt.

Das Besuchsverbot in Pflegeeinrichtungen ist gelockert, aber so wie vor der Coronakrise ist es dennoch noch nicht. Fensterbesuche stehen im Naumburger Pflegeheim hoch im Kurs.

Naumburg – Heute kommen die Kinder, darauf freut sich Pauline Horn ganz besonders. 90 Jahre ist die Seniorin mittlerweile alt, sie wohnt im Seniorenwohn- und Pflegeheim Haus am See in Naumburg.

Die vergangenen Wochen waren nicht ganz einfach für die gebürtige Merxhäuserin. Besuche von den Lieben in ihrem Zimmer waren wegen der Corona-Vorsichtsmaßnahmen nicht mehr möglich, auch nicht an anderer Stelle im Haus, das für Besucher dichtgemacht wurde. 

Das wurde gerade etwas gelockert, Besuche sind unter strengen Sicherheitsvorkehrungen auch wieder in der Einrichtung möglich. Pauline Horn und ihre Kinder bevorzugen aber die Variante, deren Vorzüge sie seit gut zwei Wochen zu schätzen wissen. 

Sie treffen sich im Erdgeschoss an einem der beiden von der Einrichtungsleitung zur Verfügung gestellten Besucherfenster zur Seeseite.

Besuch über geöffnetes Fenster ist sehr beliebt

Pünktlich um 10.30 Uhr sitzt die Seniorin am Tisch vor dem geöffneten Fenster, Sohn Günter Horn und Tochter Birgit Knief-Strauß sind auch schon da. Beide mit Nasen-Mund-Schutz, auch wenn der Abstand zur Mutter deutlich über zwei Meter beträgt. „Wir nutzen diese Möglichkeit hier am Fenster regelmäßig“, sagt Birgit Knief-Strauß. 

Diese Art der Begegnung von Angesicht zu Angesicht habe eine deutlich andere Qualität, als telefonische Kontakte, die es ja zusätzlich gibt. Und es sei auch allemal besser, als in der frühen Corona-Sperrzeit, als die Mutter auf dem Balkon ihres Zimmers im zweiten Stock stand, man sich irgendwie über die Distanz vom Garten aus zu verständigen suchte und zuwinkte.

Gut acht Meter weiter hat Waltraut von der Warthe zeitgleich Besuch von ihrer Tochter Karin Warner. „Einmal pro Woche machen wir das“, sagt die Tochter. Vor Corona sei sie jeden zweiten Tag zu Besuch ins Haus am See gekommen, erklärt die Naumburgerin, die die Lösung mit dem Besucherfenster als „ganz tolle Lösung“, bezeichnet. 

Ihre 90-jährige Mutter höre schlecht, die zwischenzeitliche Variante – wie bei der Zimmernachbarin Horn – zwischen Balkon und Garten zu kommunizieren, sei sehr anstrengend gewesen. Und die Telefonate seien längst nicht so persönlich, wie die Treffen am Fenster, auch wenn die immer nur eine halbe Stunde dauern. 

„Aber andere wollen die Möglichkeit ja auch nutzen“, sagt die Tochter. Gerade jetzt, wo das Wetter sommerlich werde, hoffe man darauf, dass es das Angebot weiterhin geben wird. Das sei doch auch allemal sicherer, „als die Besucher ins Haus zu lassen“.

Terminvergabe ist bei Besuchen - am Fenster oder im Haus - sehr wichtig

Die Möglichkeit zum Kontakt am Fenster, werde weiter angeboten, sagt Einrichtungsleiterin Sabine Schöttner-Becker, so wie bisher auch, nämlich werktags von 9.30 Uhr bis 11.30 Uhr und von 15.30 Uhr bis 17.30 Uhr jeweils nach vorheriger telefonischer Terminvergabe. 

Das sei auch deswegen nötig, weil man für die neue Regelung, nach der jeder der 63 Bewohner einmal pro Woche für eine Stunde Besuch empfangen darf, nicht genug Schutzkleidung für die Gäste zur Verfügung habe.

Ansonsten setze man die Vorgaben um: Ohne vorherige Terminvereinbarung geht nichts, die Cafeteria werde zum Besuchszimmer umfunktioniert, die Besuche von Mitarbeiterinnen begleitet. 

Die vier Wohnbereiche dürfen von Gästen nicht betreten werden, Ausnahmen mache man nur für Besucher von Bettlägerigen und Sterbenden. Schöttner-Becker: „Wir müssen weiterhin größte Vorsicht walten lassen.“

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