Seit fünf Jahren gibt es das Helfer-vor-Ort-System in Naumburg

Sie sind schneller als der Notarzt beim Patienten

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Elf von insgesamt 16: Die Helfer vor Ort sind in allen Naumburger Stadtteilen und Züschen aktiv. Sie werden bei allen Notfällen, bei denen ein Notarzt eingesetzt wird, von der Kasseler Leitstelle mitalarmiert. 

Naumburg. Seit fünf Jahren gibt es in Naumburg das Helfer-vor-Ort-System des DRK. In medizinischen Notfällen eilen seine Mitglieder zu Patienten und überbrücken die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes.

Herzinfarkt, Lungenembolie oder Schlaganfall – bei solchen medizinischen Notfällen zählt jede Minute. Je schneller jetzt dem Patienten fachkundige Hilfe geleistet wird, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass er überlebt und idealerweise auch keine bleibenden Schäden behält. Bis in Naumburg und seinen Ortsteilen in einer solchen Situation allerdings der alarmierte Notarzt oder ein Rettungsfahrzeug eintrifft, vergeht einige Zeit. Der Notarzt hat eine Anfahrt von Wolfhagen, der Rettungsdienst von Balhorn (ASB), Wolfhagen (DRK) oder gar von Ehlen (ASB).

Diese Zeit entscheidend zu verkürzen, medizinische Hilfe zu leisten, bis Notarzt oder Rettungswagen eintreffen, das war vor fünf Jahren der Anlass, in Naumburg und seinen Stadtteilen durch das Rote Kreuz das Helfer-vor-Ort-System einzuführen.

Welche Vorteile dieses System im Ernstfall bringen kann, hat der Leiter der Naumburger DRK-Bereitschaft, Timo Jassmann, der vor genau fünf Jahren mit sechs weiteren Helfern zunächst in der Kernstadt sowie den Stadtteilen Elbenberg und Altendorf an den Start ging, inzwischen schon vielfach erlebt. Er nennt ein besonderes Beispiel: Da war er gerade im Bereitschaftsraum im Naumburger Rathaus an der Burgstraße, um einen der Rucksäcke aufzufüllen. Über den Meldeempfänger kam von der Leitstelle in Kassel die Alarmierung „Naumburg, Frau an der Burgstraße mit Atemnot“. Jassmann, hauptberuflich Rettungsassistent: „Ich habe mir eine Tasche geschnappt, bin raus und war in 30 Sekunden bei der Patientin.“

Um qualifizierte Erste Hilfe bis zum Eintreffen von Notarzt und Rettungsdienst gehe es im Wesentlichen bei den Helfern vor Ort. Es sei eine Ergänzung, keine Konkurrenz. Vor allem bei internistischen Notfällen werden die Helfer vor Ort von der Leitstelle mitalarmiert. Wer im jeweiligen Ortsteil nahe am Einsatzort ist, schnappt sich dann seine Notfalltasche und fährt mit seinem Privat-Fahrzeug zum Patienten. Im Schnitt, sagt Jassmann, treffen die Helfer vor Ort – weil sie in der Nähe wohnen und beste Ortskenntnisse haben – schon nach ein bis drei Minuten nach der Alarmierung beim Notfallpatienten ein.

50 bis 60 Einsätze pro Jahr

Auf 50 bis 60 Einsätze kommen die Helfer, deren Zahl mittlerweile auf 16 angewachsen ist, pro Jahr. In den vergangenen fünf Jahren wurden 251 Einsätze absolviert. Meist sind es Notfälle mit akuten Störungen der Atmung, des Herzens, Bewusstlosigkeit und Herz-Kreislauf-Stillstand, selten sind Unfälle der Grund für die Alarmierung. Nicht nur dem Patienten helfe man, sagt Rettungssanitäterin Patricia Jassmann, auch den oft angesichts des Notfalls völlig verängstigten Angehörigen nehme man durch das Sich-Kümmern die Panik.

Inzwischen sind die Helfer, die mindestens eine Sanitäter-Ausbildung haben, in allen Stadtteilen bis auf Altendorf, das von Elbenberg aus mitbetreut wird, vertreten. Und auch im Nachbarort von Heimarshausen, in Züschen, sind nun zwei Helfer der Naumburger Bereitschaft aktiv.

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