Messen für den Orgelschutz

Stadtkirchensanierung in Naumburg: Pfeifen sind abgeräumt 

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Den Zollstock angelegt: Orgelbauer Thomas Schülken im Inneren des Orgelgehäuses mit freiem Blick in den Chorraum der katholischen Kirche. Ab sofort werden die Gottesdienste im Pater-Bonifatius-Haus gefeiert. 

Dort, wo sonst Pfeife neben Pfeife steht, hat Orgelbauer Thomas Schülken jede Menge Platz. Die hölzernen oder aus Metall gefertigten Röhren der Orgel sind bis auf wenige Ausnahmen ausgebaut.

Den gesamten Dienstag haben Schülken und seine Kollegen von der Orgelbauwerkstatt Rotenburg damit verbracht, das Instrument der Naumburger Stadtpfarrkirche St. Crescentius auf die bevorstehende Innensanierung des Gotteshauses vorzubereiten.

In den kommenden Monaten wird die Orgel schweigen, die Handwerker werden bis ins kommende Jahr den Ton angeben. Auch auf der Orgelempore. Die wird einen neuen Zugang vom linken Kirchenschiff aus erhalten, der bisherige hölzerne Aufstieg durch den Turmraum wird abgebaut, die Rückwand zum Turm geschlossen.

Die Orgel, die angesichts der ungünstigen klimatischen Bedingungen in der Stadtpfarrkirche von Schimmel befallen ist, muss gereinigt werden. Das gilt auch für ihr empfindliches Innenleben. Während die Metallpfeifen – insgesamt sind es 1684 Exemplare in allen Größen – und die Mechanik dazu in die beauftragte Orgelbauwerkstatt nach Rotenburg gebracht werden, bleibt das Gehäuse vor Ort. Und das gilt es nun, gut zu verpacken. Schließlich wird die Königin der Instrumente erst ganz zum Schluss überarbeitet, dann, wenn die anderen Gewerke und damit die Belastung durch Staubwolken die Kirche verlassen haben.

„Unsere Arbeit jetzt besteht darin, die Orgel gegen mechanische und klimatische Einflüsse zu sichern“, sagt Thomas Schülken. Dazu gilt es, das Rumpf-Instrument in eine kompakte Form zu bringen – durch den Ausbau der Pfeifen beispielsweise und auch durch den Abbau des hölzernen Zierrates am Prospekt. 

Was stehen bleibt, wird mit einer diffusionsoffenen Folie rundum verpackt. Über zwei Baustellentüren in der Folie bleibt das Innere zugänglich. Dort wird ein Klimadatenlogger aufgestellt, ein Messgerät, das Temperatur- und Feuchtedaten erfasst. Außerdem wird ein Gerät installiert, dass die Baufeuchte auffängt, damit sich keine neuen Schimmelnester bilden, wie der Orgelbauer erklärt. 

Für die Sanierung der Stadtpfarrkirche sind rund 730.000 Euro veranschlagt, 44.000 Euro für die Orgel. Der Einbau eines bereits vorbereiteten Pedalregisters mit 30 Pfeifen für rund 8000 Euro soll aus Spenden finanziert werden. Etwa 3000 Euro sind bereits eingegangen.

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