Naumburger Besatzungszeit

Stu Brandows Schatz aus dem Keller: US-Veteran schickt Paket mit alten Fotos

Keine Berührungsängste: Vor allem die Kinder waren neugierig auf die Soldaten aus Amerika. Das Foto zeigt US-Soldaten auf dem Naumburger Marktplatz vor einem Transporter, dessen Funktion nicht bekannt ist.
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Keine Berührungsängste: Vor allem die Kinder waren neugierig auf die Soldaten aus Amerika. Das Foto zeigt US-Soldaten auf dem Naumburger Marktplatz vor einem Transporter, dessen Funktion nicht bekannt ist.

Bislang nahezu unbekannte Fotos aus den ersten Monaten nach dem Zweiten Weltkrieg hat ein Veteran der US-Armee zur Verfügung gestellt.

Naumburg – Sehr viel ist nicht überliefert aus der Zeit unmittelbar nach dem Krieg, als die amerikanischen Soldaten als Besatzer in Naumburg das Sagen hatte. Gerade mal zwei Fotos waren bekannt, selbst jenen Naumburgern, die sich mit der Geschichte ihrer Stadt beschäftigen: Ein hochformatiges mit der amerikanischen Flagge vor der Kirche und die Aufnahme dreier US-Soldaten auf dem Marktplatz. Einem dieser drei, dem Mann in der Mitte, ist es zu verdanken, dass nun deutlich mehr Fotos aus der Besatzungszeit zur Verfügung stehen.

Dieses Foto aus der Besatzungszeit kannte man in Naumburg: Stuart Brandow (Mitte) mit seinen Kameraden Forrest Spencer (links) und Don Vanderboegh.

Und das wiederum hat mit dem alten Schwarzweiß-Bild des Trios zu tun. Das Foto wurde auch in der HNA-Ausgabe am 31. März dieses Jahres veröffentlicht. Anlass war das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren. Hartmut Funke, ein geschichtsinteressierter Naumburger, der sich schon vor mehr als 20 Jahren mit eigener Werbeagentur im Sauerland niedergelassen hat, bekam die Seite von seiner in Naumburg wohnenden Mutter zugeschickt und meinte, auf dem Foto in der Mitte seinen Freund Stuart Brandow, genannt „Stu“, zu erkennen.

Den hatte er als Jungspund Ende der 80er-Jahre in Naumburg kennengelernt. Brandow war seinerzeit mit Don Vanderboegh – auf besagtem Foto rechts – und den Ehefrauen der beiden zu Besuch in Naumburg. Hartmut Funke wurde engagiert, den Dolmetscher zu spielen und die Gäste durch die Gegend zu kutschieren. Auch als Brandow wenige Jahre später erneut in Naumburg zu Besuch war, übernahm Funke den Job des Guides.

Pflegt den Kontakt in die USA: Hartmut Funke.

Funke und der amerikanische Veteran verstanden sich auf Anhieb gut, man schrieb sich in der Folge regelmäßig, 2012 besuchte Funke Stu Brandow erstmals in dessen Haus in Woodbridge nahe New York, dann 2017 ein weiteres Mal mit seiner Lebensgefährtin. Und auch über Ostern dieses Jahres wollte das Paar aus Deutschland den 96-jährigen, hoch dekorierten Veteran, der auch beim Kampf um die Brücke von Remagen dabei war, besuchen. Wegen Corona wurde daraus nichts.

Heute 96 Jahre alt: der Veteran Stuart „Stu“ Brandow.

Stattdessen telefonierte man und mailte auch den HNA-Bericht samt Foto. Stu Brandow bestätigte nicht nur, dass er tatsächlich der junge Soldat auf dem Foto sei, er schickte schließlich nach Wochen dem 55-jährigen deutschen Freund überraschend ein Paket mit Dutzenden Negativen aus seinem Keller der Erinnerungen, von denen nun Abzüge hergestellt wurden. Die Begeisterung ist groß: Fotos von den Freizeitaktivitäten der US-Soldaten, die am 14. November 1945 Naumburg wieder verließen, sind zu sehen, im Schwimmbad, dazu Aufnahmen aus dem Alltag der Stadt, „Frolleins“, Bilder aus dem benachbarten Netze sowie Orten, in denen Brandows 78. Kampfdivision stationiert war. Und auch das Originalnegativ der Drei auf dem Marktplatz war dabei.

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