Landwirtschaft

Unterdurchschnittliche Weizenernte bei Lars Homburg aus Altenstädt

Mit Erzeugnis: der Landwirt Lars Homburg auf seinem Hof in Naumburg-Altenstädt. Mit seinem Mähdrescher hat er 35 Hektar Weizen abgeerntet.
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Mit Erzeugnis: der Landwirt Lars Homburg auf seinem Hof in Naumburg-Altenstädt. Mit seinem Mähdrescher hat er 35 Hektar Weizen abgeerntet.

Mit jedem Jahr gibt es weniger landwirtschaftliche Betriebe. Was früher in der Region zum Alltag gehörte, ist heute nur noch für wenige Hauptberuf. Ein Jahr begleiten wir Landwirte bei ihrer Arbeit.

Altenstädt – Nieselregen, dunkle Wolken, 14 Grad Celsius: Das Wetter Ende August passt zur leicht getrübten Stimmung von Lars Homburg. Der Altenstädter Landwirt hat zwar gerade seine Weizenernte hinter sich, eigentlich ein Grund zur Freude.

Doch das Korn stellt den 47-Jährigen nicht so recht zufrieden. „Dem Weizen fehlt wahrscheinlich teils die Bindefähigkeit für guten Teig“, sagt Homburg. Sein Fazit nach der Ernte: „Eher unterdurchschnittlich.“

Dabei hat ihm gerade der Weizen zuletzt einiges abverlangt: Während Homburg in den vergangenen drei Jahren auch mal am späten Nachmittag vom Mähdrescher steigen und den Grill anschmeißen konnte, musste es dieses Jahr ganz schnell gehen.

In vier Tagen 35 Hektar Land abgeerntet

In „vier strammen Tagen“ hatte Homburg seine 35 Hektar Land abgeerntet. Viel mehr Zeit wäre ihm nicht geblieben. „Das Wetter hat es nicht anders zugelassen, ein oder zwei Wochen Sommer haben gefehlt.“

Das Problem war vor allem der ständige Regen. Denn Weizen braucht äußerst lange zum Trocknen. Ist er zu nass, lässt er sich nicht ernten oder muss lange gelagert werden. So saß Homburg manchmal 13 Stunden auf seinem Mähdrescher: „Solange, bis nichts mehr ging.“

Wenn auch die Ernte nicht zufriedenstellend ist, so waren die investierten Stunden laut Homburg doch sehr gut angelegt. Der Stress hat sich gelohnt. Glücklicherweise hatte der Weizen nämlich eine Feuchtigkeit von 13 bi 14 Prozent. „15 beim Dreschen ist die Obergrenze, bei mehr müssen wir trocknen.“ Und da hätte es an Kapazitäten gefehlt.

Immer mehr Bürokratie

Der Weizen ist jetzt im Lager, Homburg erledigt Papierkram. „Jedes Mal, wenn ein Landwirt aufs Feld fährt, füllt er vorher Formulare aus“, sagt der 47-Jährige, mit einem Schmunzeln, aber auch mit einer Ernsthaftigkeit in der Stimme. Die Bürokratie macht ihm zunehmend zu schaffen. Es gibt immer mehr Verordnungen, Regeln, Aspekte, die zu beachten sind, beklagt Homburg.

Säen und Düngen bis zu einem Stichtag, ist die Devise. „Die Termine werden von Menschen am Schreibtisch gemacht“, sagt Stefanie Wittich-Vogel vom Kreisbauernverband Kassel dazu. Die Landwirtschaft ist bekanntermaßen vom Wetter abhängig – und das Wetter richtet sich nicht nach bürokratischen Terminen.

Hoffnung auf trockene Tage im September

Nicht nur Homburg geht es so, weiß Wittich-Vogel. „Die Gesetze sind teils weit weg von der Realität der Landwirte.“ Als Beispiel nennt sie das Thema Gülle. Laut Wittich-Vogel könne bis Ende September noch Gülle auf Feldern verteilt werden. Danach jedoch nicht mehr.

„Ist es bis Ende September allerdings nass und eine Woche später besser, darf trotzdem nichts mehr ausgebracht werden.“ Obwohl ein Schlepper auf nassem Boden einsinkt, verdichtet und ihn schließlich weniger ertragreich macht.

Jetzt hofft der Altenstädter auf trockenere Tage, vor allem im September, wenn beispielsweise Mohn eingesät wird. Dafür peilt er den 20. September an. Bis dahin vermarktet er noch den Weizen, den er wohl als Tierfutter verkauft. (Moritz Gorny)

Nahrungs- und Energiequelle Weizen

Weizen wird laut Agrilexikon als Wintergetreide angebaut und bei bester Qualität als Brotweizen verwendet. Bei schlechteren Eigenschaften wird er zu Futterweizen verarbeitet oder als Stoff für Biogasanlagen genutzt. Eine Pflanze bildet zwei bis drei Ähren tragende Halme aus. In diesem Jahr ernten die hessischen Landwirte aufgrund des Wetters voraussichtlich 1,82 Millionen Tonnen Getreide – und damit rund drei Prozent weniger als im letzten Jahr. Im Sechs-Jahres-Schnitt sind es sogar rund 8,4 Prozent weniger, heißt es vom Hessischen Bauernverband. 

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