Dach und Fassaden erstrahlen im Graf-Volkwin-Haus in neuem Glanz

Vom Abrisskandidaten zum Schmuckstück: Haus in der Naumburger Altstadt wird saniert

Fachwerkhaus an der Graf-Volkwin-Straße in Naumburg
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Das durch bürgerschaftliches Engagement vor dem Abriss gerettete Haus an der Graf-Volkwin-Straße mit neuer Fassade.

Die Freude beim Förderverein Altstadt Naumburg ist riesig: Eine Etappe auf dem Weg zur Sanierung des historischen Fachwerkhauses an der Graf-Volkwin-Straße ist geschafft.

Naumburg – Das Stahlgerüst, das den Bau seit Juni einfasste, ist Anfang der Woche abgeräumt worden, nun hat man einen freien Blick darauf, was in den vergangenen Monaten an der Außenhülle des Hauses geleistet wurde. Das Dach wurde auf einem von einer Fachfirma zuvor sanierten Dachstuhl komplett mit roten Tonziegel neu eingedeckt, Dachrinnen und Fallrohre ausgetauscht. Morsches Gebälk im Fachwerk wurde ersetzt, ehe wiederum eine Fachfirma nach klassischem Vorbild Putz auf dem historischen, noch weitgehend gut erhaltenen Untergrund aufbrachte und mit dem Anstrich komplettierte.

Vorausgegangen waren zahllose Stunden der Aktiven des Fördervereins, die vorbereitende Arbeiten ausführten. Während Zimmerleute, Dachdecker sowie Putzer und Maler ihre Gewerke an der Hülle des Hauses nun abgeschlossen haben, wartet auf die eifrigen Helfer des Fördervereins noch eine Menge Arbeit bis zur Fertigstellung des Hauses. Aber angesichts der nun für alle sichtbaren schmucken Optik des Graf-Volkwin-Hauses, die das Quartier, in dem die Altstadtsanierung der 60er- und 70er-Jahre mit ihrem Abrisseifer tiefe Wunden geschlagen hat, deutlich aufwertet, gönnte man sich gestern Nachmittag erst mal ein Gläschen Sekt.

Dabei stieß man auch darauf an, dass aus der Naumburger Bürgerschaft quasi in letzter Minute der Impuls kam, das geschichtsträchtige Gebäude vor dem Bagger zu retten. Man erinnerte sich an den Februar 2017, als das Naumburger Stadtparlament dem Abriss des seit Längerem leer stehenden Hauses seine Zustimmung gab. Da hatten bereits der Ortsbeirat und der Arbeitskreis Dorferneuerung den Abriss und das Einrichten einer weiteren Freifläche befürwortet.

Aus den Reihen des Naumburger Geschichtsvereins kam der Anstoß, das Haus, das unmittelbar nach dem großen Stadtbrand von 1684 gebaut wurde und damit zu den ältesten Gebäuden der Stadt zählt, zu erhalten. Schnell fanden sich Unterstützer, gemeinsam schaffte man es, die politisch Verantwortlichen davon zu überzeugen, von einer Zerstörung der historischen Immobilie abzusehen.

Das Haus an der Graf-Volkwin-Straße während der Sanierungsarbeiten.

Über eine Bürgergenossenschaft (BG) sollte das Projekt verwirklicht werden. Zeitgleich wurde zur Unterstützung der Förderverein Altstadt Naumburg gegründet. Der hat inzwischen das Haus von der sich auflösenden BG übernommen, deren finaler Eintrag ins Genossenschaftsregister wegen zuletzt deutlich erhöhter Anforderungen aufgegeben wurde.

An der Begeisterung für den Erhalt und die Sanierung des Graf-Volkwin-Hauses änderte das nichts, im Gegenteil. Mitglieder des Fördervereins machten sich an die Arbeit, entrümpelten, räumten auf, bereiteten die Arbeiten der Fachfirmen vor, die nur dank großzügiger finanzieller Unterstützung engagiert werden konnten. Zwei große Geldgeber machten letztlich die nun – bis auf den Austausch der Fenster – abgeschlossene Erneuerung von Dach und Fassade erst möglich: Zum einen die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die bei einer Besichtigung des Hauses vom bürgerschaftlichen Engagement und dem Erhaltungswert des Gebäudes so überzeugt war, dass sie für das Projekt 57 500 Euro zur Verfügung stellte. Vom Landkreis Kassel kamen für die Sanierung der Gebäudehülle weitere 30 000 Euro.

Die Verantwortlichen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz wie auch die Entscheider beim Kreis hatte offenbar auch überzeugt, dass das Haus einschließlich seines großen mittelalterlichen Gewölbekellers noch in einem sehr ursprünglichen, nahezu unverbastelten Zustand war und die Substanz insgesamt als gut eingeschätzt wurde.

Trotz aller Freude über das Erreichte vor Einbruch des Winters war den Fördervereinsmitgliedern gestern aber auch klar, dass sie nur auf das Erreichen eines ersten Etappenziels anstoßen. Große Aufgaben im Inneren des Hauses warten noch. Angedacht ist der Einbau von regionaltypischen Ferienwohnungen im Obergeschoss.

Zu den nächsten Schritten zählen der Austausch der maroden Fenster und das Aufarbeiten der fast 200 Jahre alten Haustür. Dabei ist weiterhin das Engagement der Helfer, die sich nach Pandemiepause wieder regelmäßig samstags an der Graf-Volkwin-Straße zum Arbeitseinsatz treffen, gefragt, aber auch die finanzielle Unterstützung durch private Spender und öffentliche Zuschussgeber. (Norbert Müller)

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