Ab Juni Sanierung unter Volldampf

Vor dem Abriss gerettetes Graf-Volkwin-Haus: Start mit Dach und Fassade

Mitten in der Altstadt: Das Haus der Bürgergenossenschaft, erbaut bald nach dem großen Stadtbrand von 1684, liegt zwischen der Graf-Volkwin- und der Graf-Widukind-Straße. Ein später errichteter Fachwerkanbau, dem Gutachter einen bedenklichen Zustand attestierten, wurde Ende Juni 2019 abgebrochen.
+
Mitten in der Altstadt: Das Haus der Bürgergenossenschaft, erbaut bald nach dem großen Stadtbrand von 1684, liegt zwischen der Graf-Volkwin- und der Graf-Widukind-Straße. Ein später errichteter Fachwerkanbau, dem Gutachter einen bedenklichen Zustand attestierten, wurde Ende Juni 2019 abgebrochen.

Ab Juni soll das Haus der Bürgergenossenschaft saniert werden.

Naumburg – Monatelang war nichts los im und um das Graf-Volkwin-Haus in der Naumburger Altstadt, das durch Bürgerengagement vor dem Abriss bewahrt wurde. Jetzt aber soll es umso zügiger weitergehen mit der Sanierung des aus dem späten 17. Jahrhundert stammenden Fachwerkgebäudes.

Anfang Juni, bestätigt Jens Bestmann, Vorstand der Bürgergenossenschaft (BG), die sich im Zuge der Bemühungen um den Erhalt des Graf-Volkwin-Hauses eigens zur Rettung historischer Naumburger Gebäude gegründet hat, werden die lange erwarteten Arbeiten beginnen. Zunächst werde ein Gerüst gestellt, dann von einem Altenstädter Zimmerei-Betrieb das Dach saniert.

Optisch desolat, aber mit guter Substanz: Das Haus Graf-Volkwin-Straße 5, dessen Abriss bereits beschlossen war, soll runderneuert und ein Schmuckstück in der Altstadt werden.

Im Dachstuhl gilt es, Fehlstellen zu reparieren, zudem erhält das Dach eine komplett neue rote Tonziegel-Eindeckung. Außerdem werde die Firma auch die Rückseite des Hauses verkleiden. Vor zwei Jahren schon waren dort ein Anbau entfernt und die offene Wand provisorisch mit Planen abgedichtet worden. Und die haben seither in so mancher stürmischen Nacht die Nachbarschaft flatternderweise um den Schlaf gebracht.

Ebenfalls auf der Agenda für diesen Sommer stehen laut Jens Bestmann Sanierungsarbeiten an den übrigen, noch mit historischem Putz behafteten Fassaden. Durch die Verzögerungen müssten die Lehmputzarbeiten bereits zum zweiten Mal ausgeschrieben werden. Er hoffe, so der Vorstand, „dass wir Handwerker bekommen, die es bis Ende August schaffen, die Arbeiten auszuführen“.

Jens Bestmann: BG-Vorstand

Die nun anstehenden Arbeiten an der Fassade werden im Wesentlichen durch Fördermittel finanziert. Unter anderem hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz Unterstützung zugesagt. Die Stiftung ist von dem Projekt, dem Erhalt des historischen Gebäudes durch bürgerschaftliches Engagement, so angetan, dass sie im vergangenen Jahr nach dem Besuch einer Vertreterin der Stiftung im Haus 57 500 Euro aus ihrem Fördertopf für die Arbeiten zur Verfügung stellte. Der Landkreis Kassel steuert für die Arbeiten ebenfalls einen Zuschuss bei, der Förderbetrag liegt bei 30 000 Euro.

Im Konzept für die Sanierung des Hauses spielen auch Eigenleistungen eine wichtige Rolle. Damit war auch bereits zeitig begonnen worden. Mitglieder der Bürgergenossenschaft, des Fördervereins Altstadt Naumburg sowie weitere Aktive trafen sich meist an den Wochenenden zu Arbeitseinsätzen im Graf-Volkwin-Haus. Dabei wurde zunächst das Haus entmüllt, dann Tapeten sowie Kunststoffbeläge und -verkleidungen entfernt, um die eigentlichen Sanierungs- und Umbauarbeiten vorzubereiten. Ausgebremst wurde der Einsatz der Ehrenamtlichen dann durch die Corona-Pandemie.

Sobald es die Corona-Lage zulasse, werden auch die Helfer aus der Bürgerschaft wieder an den Start gehen, so Jens Bestmann. Gut möglich, dass dann ein Großteil der Arbeiten an der Hülle des stattlichen Fachwerkgebäudes von den Firmen bereits erledigt ist.

Aber gerade auch im Inneren wartet eine Menge Arbeit. Dort sollen unter anderem drei regionaltypische Ferienwohnungen entstehen und dazu beitragen, dass die Naumburger Altstadt belebt wird. (Norbert Müller)

Vor Abriss bewahrt

Das Haus Graf-Volkwin-Straße 5 gehört zu den ältesten Gebäuden in Naumburg. Laut Dr. Volker Knöppel, dem Vorsitzenden des Geschichtsvereins Naumburg, wurde es unmittelbar nach dem Stadtbrand vom 9. Juli 1684 errichtet. Es sei aber nicht nur wegen seines Alters von großer Bedeutung. In seinem äußeren Erscheinungsbild und mit seiner Putzfassade zeige sich das Haus in einem weitgehenden originalen Zustand, frei von größeren, verunstaltenden Umbauten. Knöppel: „Hier ist noch sehr viel Originalsubstanz des Hauses und der Binnenstruktur erhalten.“ Unter dem Gebäude liegt ein sehr gut erhaltener, großer Gewölbekeller, vermutlich von einem Vorgängerbau.

Angestoßen durch den Geschichtsverein Naumburg wurde der bereits im Rahmen der Dorferneuerung fest eingeplante Abriss verhindert. Dazu wurde eine Bürgergenossenschaft gegründet, die das Haus kaufte und nun saniert. Nahezu zeitgleich wurde auch der Förderverein Altstadt Naumburg gegründet, der eng mit der Bürgergenossenschaft kooperiert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.