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Naumburger Weidelsburgverein fehlt der Nachwuchs

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Von: Norbert Müller

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Führt den Wanderverein seit rund 15 Jahren: Wolfgang Ansuhn.
Führt den Wanderverein seit rund 15 Jahren: Wolfgang Ansuhn hofft, dass sich zur Jahreshauptversammlung am 19. März doch noch jüngere Wanderer zur Rettung des Traditionsvereins einfinden. © Norbert Müller

Es wird ein Schicksalstag für den Naumburger Weidelsburgverein Mitte März, wenn die Jahreshauptversammlung stattfinden wird und es einen neuen Vorstand zu wählen gilt. Der alte wird sich zurückziehen, Mitglieder, die bereit wären zu übernehmen, sind nicht in Sicht.

Naumburg - „Bewegung an der frischen Luft, das ist die beste Medizin“, sagt Wolfgang Ansuhn. Dem dynamischen 72-jährigen Vorsitzenden des Weidelsburgvereins sieht man an, dass die Rezeptur bei regelmäßiger Anwendung wirkt. Ansuhn ist gerne draußen unterwegs. Entweder auf Schusters Rappen oder mit dem Fahrrad. Ein Bewegungsmuffel, versichert er, sei er nie gewesen. Ehe er das Wandern für sich entdeckte, dauerte es allerdings. Bis zum 38. Lebensjahr hat er für die Naumburger Eintracht gekickt, hat sportliche Herausforderungen gesucht. In jungen Jahren hat ihn das stramme Gehen durch die Natur dagegen nicht sonderlich interessiert. „Ich bin als Kind mit meinem Vater zwar viel gelaufen“, sagt Ansuhn, „aber das war nicht so mein Ding“. Das wurde es erst, als er beim Weidelsburgverein einstieg.

Anfang der 90er-Jahre war das. Den Verein plagten seinerzeit Nachwuchssorgen, die Mitglieder waren durch die Bank im fortgeschrittenen Alter. Die Zukunft des Vereins stand auf der Kippe. „Eigentlich so, wie jetzt auch wieder“, erinnert sich Ansuhn. Der alte Vorstand, der nicht wieder antreten wollte, startete eine Werbekampagne. Mit Erfolg. Es fanden sich neue, jüngere Mitglieder, die dem Verein neues Leben einhauchten. Wolfgang Ansuhn war einer von ihnen. Er engagierte sich zunächst als Wegemarkierer, später als Wanderwart, ehe er vor 15 Jahren zum Vorsitzenden gewählt wurde. „Erst im Verein bin ich so richtig zum Wandern gekommen und habe Spaß daran gefunden.“

Junge Leute, die auch bereit wären, Verantwortung im Vorstand zu übernehmen, das wäre auch heute der Weg aus der Krise, weiß der Naumburger, allerdings hatte alles Werben um neue Mitstreiter in dem alten Verein bislang keinen Erfolg. „Wir haben immer wieder junge Kandidaten angesprochen, aber es brachte nichts. Und das, ob wohl doch Wandern heute auch gerade bei den Jüngeren total angesagt ist.“

Der Weidelsburgverein, sagt der Vorsitzende, biete ja nicht nur Arbeit bei der Pflege der Wanderwege rund um Naumburg, sondern vor allem auch Gemeinschaft, das Wandern in der Gruppe, regelmäßige Touren.

Die inzwischen in die Jahre gekommene Generation hat jeden letzten Sonntag im Monat eine organisierte Tour über 15 bis 20 Kilometer angeboten. Auch in reizvollen Gegenden mit längerer Anfahrt. Mit Fahrgemeinschaften fuhr man zum jeweiligen Startpunkt. Eingeplant war in der kälteren Jahreszeit immer eine Einkehr in einem vorher gebuchten Gasthaus, in den Sommermonaten war Rucksackverpflegung angesagt. Einmal im Jahr unternahm man eine einwöchige Wanderreise, sagt Wolfgang Ansuhn. Da ging es beispielsweise ins Berchtesgadener Land, aber auch weiter, etwa nach Österreich. Die Sonntagswanderungen gibt es bis heute, wenn auch nur noch in der Region und über geringere Distanzen, der Leistungsfähigkeit der Vereinsmitglieder angepasst, die alle längst die 70 überschritten haben.

86 Mitglieder hat aktuell der Weidelsburgverein. Und die sind eingeladen, am 19. März ab 15 Uhr an der Jahreshauptversammlung im Hotel Weinrich teilzunehmen, die über das Schicksal des 1890 gegründeten Vereins entscheiden wird. Der alte Vorstand stehe für eine Wiederwahl nicht mehr zur Verfügung, sagt Wolfgang Ansuhn. Aus den Reihen der derzeitigen Mitglieder wolle niemand einen Vorstandsposten übernehmen. Der Verein habe nur dann eine Zukunft, wenn sich zur Jahreshauptversammlung neue Mitglieder einfänden, die auch die Bereitschaft mitbringen, eines der Leitungsämter zu übernehmen. Interessierte seien deshalb dringend zur Teilnahme an der Sitzung eingeladen.

Und wenn sich tatsächlich niemand findet? Dann, sagt Ansuhn, „wird es nach der Sitzung keinen Vorstand mehr geben“. Zwei oder drei Wochen später werde eine Mitgliederversammlung einberufen, um den Verein aufzulösen. „Das wäre eine Tragödie“, erklärt der noch amtierende Vorsitzende, der aber auch sagt, „ich werde weiter wandern. Ich bin sowieso unterwegs, ob zu Fuß oder mit dem Fahrrad“. (Norbert Müller)

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