Jäger haben immer zu tun

Wenn die Jagd ruht, geht´s mit Hammer und Zollstock zur Kanzel

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Treffsicher: Ingo Bandurski treibt einen Nagel durch eine Querstrebe in die neu eingesetzte Stütze des Hochsitzes. Derzeit stehen Reparaturarbeiten im Mittelpunkt der Arbeiten im Revier.

Naumburg. Jäger erlegen nicht nur Wild und versorgen sich und andere Feinschmecker mit Fleisch, sie haben im Revier noch jede Menge anderes zu tun. Derzeit gilt es, Hochsitze zu kontrollieren und zu reparieren.

Hacke, Axt, Kettensäge, Freischneider und Hammer, dazu ein Kanister mit Treibstoff, Nägel und Ersatzketten - Ingo Bandurski bepackt sein Auto als sei es ein geduldiger Lastesel. Ziel des 50-jährigen Ippinghäusers ist das Jagdrevier Hattenhausen bei Naumburg, das er gemeinsam mit zwei weiteren Jägern seit vergangenem Jahr gepachtet hat.

Ein ganz wesentliches Werkzeug für einen Jäger hat er nicht dabei: eine Jagdwaffe. Im April, wenn das Jagdjahr gerade begonnen hat, geht der Waidmann naturgemäß noch nicht auf die Pirsch oder den Ansitz, da das Wild gerade Nachwuchs bekommen hat oder, wie bei den Rehen, die ersten Geburten bevorstehen. „Von Februar bis in den April, da müssen die Tiere auch mal Ruhe haben. Das ist richtig und wichtig im Sinne des Wildes“, sagt Bandurski.

Nichts darf wackeln: Jagdpächter Bandurski repariert auch die Verkleidung der Kanzel in luftiger Höhe.

Für die Jäger ist jetzt die Zeit, die jagdlichen Einrichtungen, die Hochsitze, zu kontrollieren und Schäden zu beheben. 35 Kanzeln gibt es im Revier Hattenhausen. Für einen Einzelnen ein Pensum, das kaum zu schaffen wäre. Und deshalb haben sich die drei Pächter und die drei Inhaber von Begehungsscheinen die Verantwortlichkeit für die Hochsitze aufgeteilt. Kontrolliert wird allein, repariert im Idealfall gemeinsam. Und wer handwerklich so versiert ist wie Ingo Bandurski, der den Meisterbrief der Schreiner-Innung in der Tasche hat, der traut sich auch schon mal solo ans Ausbessern.

Der 50-jährige, der seit zehn Jahren in Hattenhausen zur Jagd geht und, ehe er selbst zum Pächter wurde, bei seinem Vorgänger als Jagdaufseher so etwas wie das Mädchen für alles im Revier war, hat an diesem Tag einen Hochsitz am Waldrand auf der Liste. Er weiß, dass eine der vier hölzernen Stützpfeiler am Fuß angefault ist und ersetzt werden muss. Das Holz für die Reparaturen spendiert die Waldeigentümerin, die Stadt Naumburg. Der Grund liegt auf der Hand: „Die Stadt will ja auch, das wir Beute machen, damit sich der Wildschaden in Grenzen hält“, sagt der Pächter.

Geschick und Fitness 

Vom Förster weiß Bandurski, wo er sich bei den Fichtenstämmen bedienen kann. Dann geht es mit der Kettensäge in den Wald, um die Ersatzteile zu besorgen. Unter der Kanzel ausmessen und passend zuschneiden ist für den Ippinghäuser ein Leichtes. „Ein bisschen handwerkliches Geschick schadet nicht“, lacht er und treibt mit wuchtigen Schlägen dicke Nägel ins Holz. „Und etwas körperliche Fitness auch nicht“, schickt der begeisterte Mountainbike-Fahrer und Läufer hinterher.

Bei Ingo Bandurski stimmt beides, deswegen ist er auch flott mit der Reparatur des Hochsitzes durch. Mit Hacke und Freischneider befreit er die Füße der übrigen Stützen noch von Erde und Bewuchs, damit sie auf den Steinunterlagen nicht nass stehen und anfangen zu gammeln.

Flugs wird das Werkzeug im Auto verstaut. Eigentlich wäre noch Zeit für die nächste Kanzel auf der Reparaturliste. Die steht tief im Wald, „im Herzen des Reviers“, sagt Bandurski gut gelaunt und gibt Gas.

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