Ostertradition fand durch die Corona-Pandemie mal anders statt

Wenn die Rasseln zuhause rotieren

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Unüberhörbar: Stefan Fuhrmann (rechts) mit seinen Söhnen Jakob (links) und Simon beim Rasseln. Das Geräusch entsteht, wenn die Holzzungen der Ratsche in der Drehbewegung über die Walze rattern.

Naumburg – Die Ansage von Naumburgs katholischem Küster Georg Smolarczyk war unmissverständlich: Wer eine Rassel zuhause hat, der möge in diesem Jahr an Karfreitag und Karsamstag „rasseln, was das Zeug hält“.

 Zwar ist das sowieso der Anspruch der Kinder und Jugendlichen, die seit vielen Generationen an den beiden stillen Tagen vor Ostern mit ihren hölzern knatternden Instrumenten durch die Stadt ziehen, um als Ersatz für die schweigenden Kirchenglocken zum Angelus und den Gottesdiensten zu rufen, aber in diesem Jahr ging es auch darum, die Tradition des Rasselns selbst aufrecht zu halten.

Angesichts der Corona-Pandemie war es nicht möglich, die Messdiener gemeinsam mit weiteren Kindern und Jugendlichen in Gruppen losziehen zu lassen. Üblicherweise teilt sich die Rasselbande, die noch vor wenigen Jahrzehnten an die 60 Ministranten stark war und in den vergangenen Jahren im Schnitt gut zwei Dutzend Teilnehmer zählte, nach dem Treffen auf dem Marktplatz vor der katholischen Stadtpfarrkirche in drei gleichstarke Linien auf. Eine Gruppe marschiert den alten Vorgaben entsprechend in Richtung Ziegelhütte, die andere geht in Richtung Bahnhof und die dritte bedient den südlichen Abschnitt, das Mühlentor. Bis zu eineinhalb Stunden dauert eine solche Tour, ganz gleich, bei welchem Wetter. In diesem Jahr: Kein Marsch durch die Straßen, kein Freuen über Süßigkeiten, Eier oder auch Geld als Belohnung für die Mühe – Geschenke, die sonst nach dem letzten Gang am Samstag gerecht unter allen aufgeteilt werden. Aber in der Zeit zwischen dem Gloria am Gründonnerstag und dem Gloria in der Osternacht – also in der Zeit der Grabesruhe Jesu – sollte die Tradition, die selbst in den Kriegsjahren in Naumburg gepflegt wurde, nicht auf der Strecke bleiben..

Und so gingen schon am Karfreitagmorgen Naumburger Katholiken vor die Haustür oder auf den Balkon und ließen, wie auch später zu den anderen festgesetzten Zeiten, für gut fünf Minuten ihre Rasseln rotieren. Nicht nur Kinder und Jugendliche beteiligten sich, sondern auch Erwachsene, deren Zeit als Ministrant schon weit zurückliegt, die aber ihre Ratsche, die oft über Generationen weitergereicht wird, extra für diesen besonderen Anlass entstaubt hatten.

Mit dabei: Familie Fuhrmann. Vater Stefan Fuhrmann (46) war sofort vom Vorschlag des Küsters zum Einsatz vor der eigenen Haustür begeistert. Die Söhne Jakob (12) und Simon (15) mussten als aktive Messdiener nicht überredet werden, sie wären ohne Corona-Krise sowieso mitgelaufen.

Küster Georg Smolarczyk, der auch selbst zur Rassel griff, war schon am Freitag begeistert angesichts der Beteiligung. Man habe das Engagement der rasselnden Gemeinschaft nicht nur deutlich hören können, einige der Teilnehmer hätten sogar Bilder ihres Einsatzes im Internet gepostet.

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