Corona bremst Jecken nicht aus

Wie sich Naumburgs Karnevalisten durch die ganz besondere Session kämpfen

Mit Maske und Zollstock: Prinzessin Ulrike I. (von links) freute sich über den Besuch von NKG-Vize Franziska Siebert und NKG-Präsident René Kröninger.
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Mit Maske und Zollstock: Prinzessin Ulrike I. (von links) freute sich über den Besuch von NKG-Vize Franziska Siebert und NKG-Präsident René Kröninger. Für Abstand bei der Ordensübergabe sorgte eine klappbare Messlatte.

Als hätten es die Gründer der Naumburger Karnevalsgesellschaft geahnt. Auf der Suche nach einem passenden Schlachtruf wählten die Jecken Mitte der 1930er-Jahre „Hahl dunne“, was man mit „Halte fest“ oder auch „Halte durch“ übersetzen kann. Der Narrenruf könnte derzeit nicht passender gewählt werden.

Naumburg – Es sind schwierige Zeiten für die Karneval-Begeisterten in der Stadt an der kleinen Elbe. Bis zum Rosenmontagsumzug im vergangenen Jahr war ihre Welt noch im Lot, danach folgte Corona und seit Eröffnung der laufenden Session jede Menge Improvisation.

Da war es für die Narren schon ein besonderer Lichtblick, als am Wochenende allen Aktiven – dem Prinzenpaar Ulrike I. und Hermann II, das noch ein zweites Jahr im Amt bleibt, dem Hofstaat, den Elferrat und den Garden – trotz allem ein Sessionsorden überreicht wurde. Auf den, sagt NKG-Präsident René Kröninger, wollte man keinesfalls verzichten. Mit dem nötigen Abstand wurde die bunte Plakette am Bande, die einen Regenbogen als Zeichen der Hoffnung über der Silhouette der Altstadt zeigt, überreicht. Auf dem Regenbogen findet sich die Aufforderung „Haltet durch“.

Botschaft auf dem Sessionsorden: Haltet durch ist das Motto auch für die Narren.

Am heutigen Samstag werden die Narren den Orden tragen, wenn eigentlich im Haus des Gastes die zweite Prunksitzung mit Tänzen, Büttenreden und der Inthronisierung der neuen Prinzessin über die Bühne gehen sollte. Die Sitzung wird, wie alle Veranstaltungen, ausfallen, stattdessen gibt es Dosenkost für die Narren: Auf ihrer Facebook-Seite wird die NKG alte Videos hochladen, man kann – jeder ganz privat für sich – in Erinnerungen schwelgen und sich vor dem Computer beim Ansehen alter Beiträge amüsieren.

Zur Unterstützung der närrischen Atmosphäre hat die NKG „Karneval in der Tüte“ im Angebot, eine kleine Einkaufstasche für Erwachsene mit alkoholischem Getränk, närrischem Mund-Nasen-Schutz, Karnevalsdeko und einem Tischknaller. Kaufen kann man die Tüten im Naumburger Edeka-Markt und im Online-Shop der Karnevalsgesellschaft.

Die Tüte, sagt Franziska Siebert, Vize-Präsidentin der NKG, sei ein Beitrag, mit dem man einen Hauch von Karneval in die Stadt tragen will. Aber man habe noch mehr im Angebot. So bitte man die Regenten vergangener Jahre, ihre Prinzen-, beziehungsweise ihre Prinzessinnenfahne schon jetzt aufzuhängen.

Am Samstag vor dem Rosenmontag, also am 13. Februar, werde man auch wieder das „Numburger Sichedibben“ verkaufen, die alljährliche Karnevalszeitung der NKG. Von 11.11 Uhr bis 18 Uhr wird dazu eine Hütte auf dem Parkplatz des Edeka-Marktes stehen. „Die Zeitung erscheint mit komplett neuen Inhalten“, verspricht Franziska Siebert, „es gibt ja keine Sitzungsbilder. Es wird eine Überraschung.“

Die Naumburger sollten ihre Fenster närrisch dekorieren, und wer noch alte Kulissenteile besitzt, der möge am Rosenmontag damit die übliche Umzugsstrecke schmücken. Präsident Kröninger hofft, dass sich möglichst viele daran beteiligen, „denn wir vom Elferrat schaffen das allein nicht“.

Ein bisschen gehen die Gedanken auch schon in Richtung kommendes Jahr. Dann nämlich steht für die Naumburger Jecken ein närrisches Jubiläum an: 88 Jahre Naumburger Karnevalsgesellschaft. „Wir hoffen, dass es uns dann nicht so geht, wie der Stadt im vergangenen Sommer.“ Da musste die 850-Jahrfeier wegen Corona abgeblasen werden. „Wir hoffen, dass es dann wieder normal sein wird“, und man das dreifach donnernde „Hahl dunne“ wieder unbelastet anstimmen kann. (Norbert Müller)

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