Wohnmobil-Treffen: Frei und unabhängig um die Welt

624 000 Kilometer rund um die Welt: Heinz Diehl am Steuer seines 26 Jahre alten Hymer-Schätzchens.

Naumburg. Kaffee aufbrühen, Essen kochen, Geschirr spülen - klingt nach einem gewöhnlichen Samstag in einem gewöhnlichen Haushalt. Doch das Ehepaar Hoopmann lebt nicht gewöhnlich.

Silvia Hoopmann muss sich in ihrer winzigen Küche nicht nur um das eigene und das leibliche Wohl ihres Mannes kümmern, sondern auch die direkt neben dem Herd stehenden Betten beziehen. Ja, der Platz in den vier Wänden des sympathischen Paares aus Unna ist begrenzt, dafür aber bietet er eine unvorstellbar große Portion Freiheit.

Das Zuhause der Hoopmanns hat vier Reifen, hört auf den Namen Hymer und macht immer da Station, wo die Zwei sich gerade wohlfühlen. Das ist am Wochenende der Campingplatz in Naumburg, wo sie sich für ein paar Tage häuslich eingerichtet haben. Wie die vielen anderen auch, die mit ihren rund 70 Wohnmobilen zum siebten internationalen HymerMobil-S-Treffen gekommen sind.

Die Fahrzeuge haben schon einige Jährchen auf dem Buckel, denn zum jährlichen Treffen sind nur jene Schätzchen zugelassen, die zwischen den Jahren 1979 und 1995 von der im oberschwäbischen Bad Waldsee ansässigen Firma Hymer gebaut wurden und längst Kultstatus besitzen. Es handelt sich um besondere Jahrgänge, davon ist Veranstalter Fredo Hoopmann überzeugt: „Die S-Klasse ist das absolute Nonplusultra“, sagt der frühere Elektriker, der im gemütlichen Campingstuhl vor seinem 6-70er gar nicht mehr aus dem Schwärmen herauskommt. „Die meisten Fahrzeuge hier sind über 20 Jahre alt und laufen noch top, die Motoren sind einfach nicht totzukriegen.“ Das gelte auch für die Innenausstattung. Viel Holz, wenig Plastik, besondere Dachkonstruktion - „das hat natürlich seinen Preis“. Schlappe 135 000 DM hat sein Modell einst neu gekostet, „da hätte sich manch einer wohl lieber ein kleines Einfamilienhaus für gekauft“.

Nicht so Heinz Diehl aus Bad Kreuznach, der mit seinen knapp 77 Jahren einer der Wenigen beim Treffen in Naumburg ist, der seinen Hymer nicht erst irgendwann gebraucht, sondern 1989 nigelnagelneu erstanden hat. „Damals wurde man immer ein bisschen beneidet, wenn man einen Hymer fuhr“, so der ehemalige Luftfahrzeugtechniker, der mit seiner Kaufentscheidung auf Nummer sicher gehen wollte und dabei nicht auf den Pfennig schaute. Automatikgetriebe, Servolenkung, ABS, wartungsfreier Motor: Er hat sich offensichtlich richtig entschieden, denn noch heute surrt sein ganzer Stolz munter vor sich hin, obwohl er von Mexiko über Russland bis hin nach Alaska manch schönes Plätzchen auf der Welt gesehen hat und der Tacho längst über 624 000 Kilometer anzeigt.

Schlechtem Wetter oder nervigen Campingplatznachbarn einfach davon zu fahren, immer ungebunden und frei zu sein - all das mache für ihn und seine Frau Waltraud den Reiz am Urlaub mit dem Wohnmobil aus. Dass die 72-Jährige da in der kleinen Küche auf kleinstem Raum kochen und Betten beziehen muss, wie Silvia Hoopmann, nehmen sie dabei gern in Kauf.

Von Sascha Hoffmann

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